Die Simpsons
Eine schrecklich nette Familie? Der Schein trügt: So harmonisch geht es bei den Simpsons eher selten zu. Bildrechte: IMAGO

30 Jahre "The Simpsons" Gelbe Welt und blaue Haare

von Eberhard Nembach

Die Simpsons
Eine schrecklich nette Familie? Der Schein trügt: So harmonisch geht es bei den Simpsons eher selten zu. Bildrechte: IMAGO

"Being right sucks" - Recht zu haben, ist Mist!

Das schrieb Bart Simpson im November an die Schultafel – in der Folge kurz nach der Präsidentschaftswahl. Ja, die Macher der Simpsons haben Recht gehabt: Schon im Jahr 2000 gab es eine Folge, die damals in der Zukunft spielte – wie immer alles komplett ins Absurde übersteigert. Und was wäre aus Sicht der Macher damals absurder gewesen, als dass der Unternehmer und Fernsehstar Donald Trump irgendwann in der Zukunft einmal US-Präsident wird? Recht zu haben, ist Mist.

Bei den Simpsons stand damals aber auch schon fest, wer nach Donald Trump ins weiße Haus einzieht: Die hochbegabte und politisch sehr korrekte Lisa Simpson – leider findet sie ein Land vor, das komplett pleite ist … "Wie kann das sein?", seufzt Präsidentin Simpson – aber es ist ja alles zum Glück nur Fiktion.

Seit dreißig Jahren gibt es die Simpsons, diese gelbe Familie Jedermann aus Springfield, einem Ort, der überall und nirgendwo in den USA sein könnte. Und wer ihnen in den letzten Jahrzehnten zugesehen hat, kann sich über die Spaltungen und Probleme, die im letzten Präsidentschaftswahlkampf sichtbar wurden, kaum noch wundern. Die Simpsons sind absurd komisch, aber trotzdem sehr realistisch.

Vorbild war die Familie von Simpsons-Erfinder Matt Groening

"Ich habe sie nach meiner eigenen Familie benannt", hat der Comic-Zeichner Matt Groening einmal in der Talkshow von Charlie Rose erzählt: "Homer ist mein Vater, Margret – Marge – ist meine Mutter, ich habe eine jüngere Schwester Lisa und eine kleine Schwester Maggie." Nur den Sohn habe er nicht Matt genannt sondern eben Bart, damit nicht alle denken, die Geschichten sind autobiographisch.

Wer die Simpsons schaut, sieht Amerika im Zerrspiegel: Eine kaputte Schule mit demotivierten Lehrern und hoffnungslosen Schülern - ein übergewichtiger Familienvater, der sich von Bier und Donuts ernährt, am liebsten Fernsehserien schaut und nichtmal von seinem debilen Vater im heruntergekommen Altenheim respektiert wird, der Sohn ein schlitzohriger Schulversager ohne jeden Ehrgeiz, ein illegaler Einwanderer, der einen Laden betreibt, inkompetente Mediziner, die überhaupt nur gegen Bares arbeiten, ein Unternehmer, der rücksichtslos Menschen und Natur ausbeutet.

Viele Auftritte Prominenter

Die Simpsons
Die Simpsons zeigen Amerika im Zerrspiegel Bildrechte: IMAGO

Zusammengehalten wird diese verrückte gelbe Welt nur von den Frauen: Marge Simpson mit ihren blauen Haaren schützt ihren kahlköpfigen Mann Homer vor den schlimmsten Verrücktheiten. Tochter Lisa ist hochbegabt und politisch engagiert, sogar das Baby Maggie greift manchmal ein, wenn es ganz schlimm kommt. In dieser verrückten gelben Welt bleiben die vernünftigen Frauen und Mädchen meistens Randfiguren, die nur wenige Sternstunden erleben.

In einer Folge schwebt First Lady Michelle Obama mit dem Hubschrauber in Springfield ein – sie sei extra aus Turkmenistan gekommen, um eine junge Dame zu unterstützen, die glaube, dass niemand sie leiden könne, nur weil sie eine Überfliegerin sei – so wie sie selbst. Lisa Simpson kann diese Unterstzützung gut gebrauchen – meistens hört ihr niemand zu, wenn sie Dummheit oder Verschwendung beim Namen nennt oder auf Umweltverschmutzung aufmerksam macht. Sogar bei den Zuschauern war von Anfang an Lisas frecher und nichtsnutziger Bruder Bart populärer. Schon 1990 war die Rede von einer regelrechten "Bartmania", kein anderer Simpson ist auf so vielen T-Shirts zu sehen wie Bart.

Michelle Obama hat sich geweigert, ihre Stimme für den Auftritt bei den Simpsons herzugeben – die Michelle-Zeichentrickfugur bekam die Stimme einer Schauspielerin. Einige Prominente haben sich dazu im Lauf der Jahre aber doch hergegeben – die Mitglieder der Band Aerosmith zum Beispiel sind sind im Original zu hören – und hatten viel Spaß bei der Aufnahme.

Die Fernsehserie hat alle Rekorde gebrochen, die Simpsons haben sogar einen Stern auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood. Dabei hat alles sehr klein angefangen, mit kleinen kurzen Szenen.  "Das war doch nur ein kleiner Randgag der Show", erinnert sich Produzent James L. Brooks, der die Comicserie 1987 für die Tracey Ullman Show einkaufte, um die Umkleidepausen zu überbrücken – am Ende haben die Leute über die Simpsons am meisten gelacht.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: MDR KULTUR am Mittag | 19.04.2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2017, 11:46 Uhr