Martin Grubinger
Multipercussionist Martin Grubinger ruft in Dresden "The Century of Percussion" aus Bildrechte: Felix Broede

40. Dresdner Musikfestspiele | 18. Mai bis 18. Juni 2017 Die Qual der Wahl

Es ist ein Musikfest der Superlative: 1.500 Künstler, 59 Veranstaltungen und 22 Spielstätten. Die Besetzung liest sich wie das Who is Who der Klassikszene.

MDR KULTUR überträgt das Eröffnungskonzert live aus der Semperoper, mit Anne-Sophie Mutter und der Philharmonia Zürich unter Leitung von Fabio Luisi. Außerdem gibt es ein Radiospezial zum Festival.

Martin Grubinger
Multipercussionist Martin Grubinger ruft in Dresden "The Century of Percussion" aus Bildrechte: Felix Broede

Klassikexperte Martin Hoffmeister über das Festival:

Groß, üppig, barock, Dresden - Wie ist ihr Eindruck? Angemessen oder doch ein bisschen zu üppig und überzogen?

Martin Hoffmeister: Nein, keinesfalls überzogen. Warum auch. Bei einer Auslastung von weit mehr als 90 Prozent in den vergangenen Jahren, da scheinen die Angebote, die das Festival macht, ja eindeutig zu tragen. Dresden ist bekanntlich eine außerordentlich klassikaffine Stadt, mit hohem touristischen Aufkommen zumal. Also, da finde ich nichts Übertriebenes. Ganz abgesehen davon hatte ja Festivalintendant Jan Vogler immer wieder betont, er mache ein Festival für alle, für eine breite Publikumsschicht, für unterschiedliche Interessen und Geschmackslagen. Heißt: Da will eben auch viel Publikum bespielt werden.

Für vier Wochen wird Dresden zur "klingenden Stadt" (so der Name eines Projektes des Festivals).

Klar, aber nur so funktioniert das eben aufs Ganze gesehen. Sie können - jedenfalls in einer Stadt von der Größe Dresdens - sie können und sollten so ein Ereignis nicht auslagern. Das würde nicht aufgehen. Jan Vogler geht den entgegengesetzten Weg. Er integriert sämtliche in Frage kommenden Spielstätten. Er belebt diese Spielstätten, macht sie attraktiv für die Publika. Und auch für die Dresdner, die vielleicht nichts mit Musik am Hut haben, die fühlen sich mitgenommen. Die Stadt lebt, bekommt dieses ganz spezifische Festivalflair. Was will man mehr?

Und dann muss man ja sagen: Wohin, wenn nicht nach Dresden passt so ein Klassikfestival? Die Frage nach Authentizität stellt sich dort einfach nicht!

Das Motto zum Jubiläum ist ja "Licht". Wie verstehen Sie das?

Anna Prohaska
Anna Prohaska Bildrechte: Harald Hoffmann/DG

Jan Vogler sagte mir, bei Licht habe jeder andere zumeist positive Assoziationen und alle seien eigentlich richtig. Er selbst verbindet mit Licht Erkenntnis, Aufklärung, Ideen, Visionen, Impulse, Lichtgestalten, Klarheit und so weiter. All das spiegele die Programmatik des Festivals.

Und dann gebe es eben auch durchaus dieses politische Moment. Er wolle zeigen, dass Dresden auch für Weltoffenheit, für Fremdenfreundlichkeit und für kulturellen Austausch stehe.

Nochmal die Vielstimmigkeit, das breite Angebot, dass sie erwähnt haben. Wenn wir das mal konkretisieren wollen ...

… ja, wenn man einen Blick wirft auf die, sagen wir, europäische Festivallandschaft. Da haben wir die elitären, rein klassischen Reihen, da haben Sie die Festivals, die gebunden sind an den Namen eines Komponisten, Sie haben die völlig beliebigen, die touristisch orientierten oder die sehr populär aufgestellten Festivals. Das macht ja jeder Veranstalter ein wenig anders, hängt ja auch vom Ambiente und der Publikumsschichtung ab.

11. Symphoniekonzert Sächsische Staatskapelle
Ein Heimspiel für die Sächsische Staatskapelle Bildrechte: Martin Morgenstern

Und Jan Vogler, der agiert eben strategisch und nicht dogmatisch. Er setzt auf besagtes breites Spektrum, inklusive auch  populärer Angebote. Nur in einem, da macht er, wie  er sagt, keine Kompromisse - und das ist das Niveau.

Und so haben wir denn eben über vier Wochen diese originäre Mixtur aus hochkarätigen Orchesterkonzerten. Ja, Orchester! Was für ein Tableau in diesem Jahr: Mariinski Theater, London Philharmonic, Tschechische Philharmonie, Philharmonia Zürich, Birmingham Symphony, Orchestre de Paris, Anima Eterna, MDR SINFONIEORCHESTER, HR Sinfonieorchester, Sächsische Staatskapelle, Mahler Chamber, Dresdner Festspielorchester, Dresdner Philharmonie usw. Das kann sich mehr als sehen lassen!

Bill Murray
Bill Murray bringt einen Hauch Hollywood: mit Texten u.a. von Hemingway, Miller, Whitman sowie Musik von Bach, Beethoven und Schostakowitsch Bildrechte: IMAGO

Denken wir darüber hinaus an die Abende mit Schauspielern wie Bill Murray oder Sky Du Mont, die Jazzkonzerte mit Größen wie Nils Landgren, Michael Wollny oder Dieter Ilg, die experimentellen Reihen auch wie Classical Beats, die Kurkonzerte, Solorezitale oder Kammermusikangebote. Legendäre Namen dabei wie Diana Damrau, Bryn Terfel, Anna Prohaska, Martin Grubinger, Max Rabe und zahllose bedeutende Dirigenten. Also gerade für den Besucher vor Ort gibt es wirklich nur ein  Problem: Die Qual der Wahl.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: ► Spezial | 18.05.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juni 2017, 08:10 Uhr

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