Emojis im Kreis um ein Herz
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*zwinker* *Herz* *Küsschen* Verändern Emojis unsere Sprache?

Aus WhatsApp und Co sind Emojis gar nicht mehr wegzudenken. Knapp 1.800 dieser Zeichen gibt es und sie werden jeden Tag millionenfach eingesetzt. Verändert das unsere Sprache?

Emojis im Kreis um ein Herz
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Emojis benutzt mittlerweile fast jedermann. Tränen lachen, Küsschen oder sich ärgern: Mit den kleinen Icons können alle möglichen Emotionen ausgedrückt werden, ohne ein Wort schreiben zu müssen. Ähnlich, wie bei den SMS-Abkürzungen fürchten einige konservative Sprachwächter um den Verfall der deutschen Sprache. Sprachwissenschaftler allerdings beobachten die Entwicklung um die kleinen Icons mit großem Interesse.

Beat Siebenhaar von der Universität Leipzig zum Beispiel. Er erklärt, dass Emojis ganz eigene Funktionen in einem Text haben:

Sie übernehmen sowas wie eine Kommentarfunktion und auch eine Strukturierungsfunktion. Also man sagt damit, ich bin jetzt mit einer Aussage fertig, jetzt komme ich zum nächsten.

Die Einschätzung, dass es sich bei Emojis um eine eigene Sprache handelt, teilt Siebenhaar allerdings nicht. Dazu fehle den Zeichen noch ein festgeschriebener symbolischer Wert. Allerdings ist Sprache eben niemals fertig ausdefiniert und auch bei Emojis entwickeln sich immer neue Bedeutungen für die einzelnen Icons.

Eindeutig Zweideutig

Das unschuldige Auberginen-Symbol hat mittlerweile, genauso wie der Pfirsich, eine sexuelle Konnotation bekommen. Die Schlange steht für den Vorwurf, dass einer Person nicht zu trauen ist.

Hin und wieder kommt es beim Lesen der Zeichen allerdings zu Schwierigkeiten: Es gibt 17 verschiedene Emoji-Zeichensätze, ähnlich wie Schriftarten. Der Standardsatz sind die Emojis aus dem Apple-Betriebssystem iOs. Daneben haben Android-Telefone andere Zeichen, genau wie beispielsweise Facebook in seinem Chat. Ein Zeichen, dass auf einem Apple-Handy aussieht, als würde es die Zähne zusammenbeißen, sieht auf einem Android-Telefon so aus, als würde es grinsen. Solche Fälle machen es schwierig, von einer eigenen Emoji-Sprache zu sprechen.

Feste Regeln, aber keine Grammatik

Was die Zeichensätze an Interpretationsspielraum lassen, wird durch feste Strukturen im "Satzbau" schon wieder eingedämmt. Tyler Schnoebelen hat an der Uni Stanford eine halbe Millionen Tweets analysiert und auf Emoji-Einsatz untersucht. Er hat rausgefunden, dass eine Reihe von Emojis, die eine Aktion beschreiben, immer linear aneinandergereiht sind. Erst die Frau mit den verschränkten Armen, dann das gebrochene Herz. Auch der Einsatz der gelben Gesichter unterliegt Regeln. Weil die Gesichter meist Emotionen oder Eigenschaften kommunizieren sollen, werden sie meistens vorangestellt, so wie Adjektive.

Von einer festen Emoji-Grammatik sprechen möchte Beat Siebenhaar noch nicht. Aber sicher ist, dass sich durch die ständige Nutzung mittlerweile Konventionen herausbilden, die sicherstellen sollen, dass die Chatpartner auch verstehen, welches Zeichen wie gemeint ist. Ein Prozess, der sich auch in gesprochenen und Schriftsprachen vollzieht.

Und die Kritiker kann Beat Siebenhaar beruhigen. Er sagt, dass die meisten Menschen sehr wohl unterscheiden können, in welchem Zusammenhang es legitim ist, Emojis zu benutzen und in welchem nicht. Texte voller blumiger Umschreibungen werden uns also definitiv noch eine Weile erhalten bleiben.

Skurriles und Interessantes über Emoji

Emoji
Eigentlich kommen Emoji aus Japan. Deswegen haben sich auch schwer zu deutende Symbole wie der Bambus eingeschlichen. Eigentlich ist er ein Glückssymbol. In den USA hat er sich mittlerweile aber auch als Zeichen für den Stinkefinger durchgesetzt. Bildrechte: MDR KULTUR - Das Radio
Emoji
Eigentlich kommen Emoji aus Japan. Deswegen haben sich auch schwer zu deutende Symbole wie der Bambus eingeschlichen. Eigentlich ist er ein Glückssymbol. In den USA hat er sich mittlerweile aber auch als Zeichen für den Stinkefinger durchgesetzt. Bildrechte: MDR KULTUR - Das Radio
Emoji
Aber man findet auch einige eindeutig japanische Symbole unter den 1.800 Zeichen. Bildrechte: MDR KULTUR - Das Radio
Emoji
Emoji werden auch gerne benutzt um Zweideutigkeiten zu kommunizieren, ohne "schmutzige Wörter" in den Mund nehmen zu müssen. Raten Sie mal, was diese unschuldigen Früchte bedeuten können! Bildrechte: MDR KULTUR - Das Radio
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Emoji gibt es schon seit den späten 1990ern. Deswegen hat sich auch ein bisschen veraltete Technik eingeschlichen: Die Diskette und der Pager zum Beispiel. Bildrechte: MDR KULTUR - Das Radio
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Vielen Nutzern gab die Frau in der oberen Reihe Rätsel auf. Was macht sie da für Gesten? Die Lösung: Sie ahmt die Symbole in der unteren Reihe nach. Der Kreis steht in Japan für richtig, oder ja, das Kreuz für falsch bzw. nein. Bildrechte: MDR KULTUR - Das Radio
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Zuletzt aktualisiert: 13. September 2016, 08:57 Uhr