Gamben in unterschiedlichen Ausführungen hängen in der Sammlung von Peter Neubäcker an einer Wand.
Ende April wird Zerbst zum Mekka für Liebhaber barocker Musik Bildrechte: dpa

Fasch-Festtage in Zerbst | 20. bis 23. April Auch Fasch kommt nicht an Luther vorbei

Gamben in unterschiedlichen Ausführungen hängen in der Sammlung von Peter Neubäcker an einer Wand.
Ende April wird Zerbst zum Mekka für Liebhaber barocker Musik Bildrechte: dpa

Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum kommen auch die Zerbster Fasch-Festtage nicht an Luther vorbei. Unter dem Motto "Von Luther zu Fasch" startet das Barockmusikfestival am Donnerstag in der Zerbster Stadthalle (Eröffnungskonzert ab 20.05 Uhr live bei MDR KULTUR).

Das Festival geht bis zum Sonntag. Im Fokus steht dabei das Kirchenmusikschaffen von Johann Friedrich Fasch.

Geplant sind insgesamt 14 Veranstaltungen an Spielstätten in Zerbst und Burgkemnitz. Es musizieren Ensembles aus Italien und Deutschland, so das Ensemble Zefiro, Dorothee Oberlinger & Friends, die Rheinische Kantorei, die Zerbster Kantorei und die Barocksolisten München. Sie bieten ein musikalisches Spektrum von der Renaissance bis zum Barock.

Fasch-Preis für Manfred Fechner

Gleich zum Beginn des Festivals wird am Donnerstag der Fasch-Preis der Stadt verliehen. Er ist mit 2.500 Euro dotiert und wird an Forscher und Wissenschaftler verliehen, die sich dem Leben und Schaffen Faschs in besonderer Weise gewidmet haben. In diesem Jahr erhält die Auszeichnung der Jenaer Musikwissenschaftler Manfred Fechner.

Seit 1983 Fasch-Festtage

Gewidmet sind die Fasch-Festtage dem Andenken des in Zerbst wirkenden Komponisten Johann Friedrich Fasch und dessen Sohnes, Carl Friedrich Christian Fasch. Die ersten Fasch-Festtage fanden 1983 statt. Zwischenzeitlich pausierten sie und finden mittlerweile alle zwei Jahre statt. 2017 gehen sie in die 14. Ausgabe. Betreiber des Festivals ist die 1991 gegründete Internationale Fasch-Gesellschaft sowie die Stadt Zerbst.

Johann Friedrich Fasch - Komponist im Schatten von Bach und Händel

Der Roland von Zebrst.
Zerbst - die Lebens- und Wirkungsstätte von Johann Friedrich Fasch Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Der Komponist Johann Friedrich Fasch (1688-1758) lebte zur gleichen Zeit wie Bach und Händel - nur teilt er (bislang) nicht den Ruhm seiner Kollegen. Geboren in Buttelstedt, in der Nähe von Weimar, sang er als Knabe im Thomanerchor unter Kantor Johann Kuhnau. Das Spiel auf der Violine und Tasteninstrumenten brachte sich der musisch begabte Johann Friedrich Fasch selbst bei. Auch komponierte er als Heranwachsender erste Vokal- und Instrumentalwerke.

In Leipzig studierte Fasch Theologie und Jura und bekam in dieser Zeit erste Kompositionsaufträge mit Aufführungen unter anderem in der Paulinerkirche oder bei akademischen Festen. Er reiste viel durch Deutschland und bekam seinen ersten Kompositionsunterricht bei Christoph Graupner und Gottfried Grünewald. 1717 heiratet Fasch, seine Frau stirbt jedoch 1720, nach der Geburt des zweiten Kindes.

Faschs Verzicht - Bachs Gewinn

1722 wurde Fasch Hofkapellmeister in Zerbst, ein wichtiger Schritt in seiner musikalischen Laufbahn. Zugunsten dieser Stelle verzichtete er auf eine Bewerbung als Thomaskantor in Leipzig - diese freie Stelle übernahm dann Johann Sebastian Bach. Fasch wandte sich zunehmend dem Pietismus zu, was in Zerbst zu Konflikten führte. 1728 heiratete Fasch erneut. In dieser Zeit hatte er auch enge Verbindungen zum Dresdner Hof und komponierte immer wieder auch für die Dresdner Hofkapelle.

Zarin Katharina II. die Große von Russland
Zarin Katharina II. die Große von Russland - für ihre Hochzeit komponierte Fasch Bildrechte: IMAGO

1745 komponiert Fasch Senior anlässlich der Eheschließung der Anhalt-Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike eine Serenata. Diese heiratete den Großfürsten Peter von Russland - und wurde als russische Zarin Katharina die Große berühmt.

Vor allem seinen 1736 geborenen Sohn Carl Friedrich Christian förderte Fasch musikalisch. Er sollte das musikalische Familienerbe weiterführen und 1791 die berühmte Berliner Sing-Akademie gründen.

Johann Friedrich Fasch starb am 5. Dezember 1758 in Zerbst. Zu seinem Œuvre gehören Kantaten, Orchesterwerke, Solokonzerte sowie zwölf Opern.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch: im Radio | 20.04.2017 | 08:40 Uhr
im Radio | Eröffnungskonzert | 20.04.2017 | 20:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 13:57 Uhr

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