Aufsichtsratssitzung zu Theaterstreit Finanzprobleme an den Bühnen Halle

Die Bühnen Halle haben akute Finanzprobleme. Nach Recherchen von MDR KULTUR laufen derzeit Gespräche mit der Stadt Halle über zusätzliche Finanzhilfen, um die Liquidität der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle bis zum Jahresende zu sichern. Zudem fehlt auch noch ein genehmigter Wirtschaftsplan. Offenbar stehen auch Teile des bereits vorgestellten Spielplans für die kommende Spielzeit auf dem Prüfstand. Weitere Konsolidierungsmaßnahmen über den bereits vereinbarten Personalabbau für die Zeit ab 2019 werden aktuell erarbeitet.

Streit in der Führungsebene

Stefan Rosinski
Geschäftsführer Stefan Rosinski Bildrechte: dpa

Neben den Finanzproblemen gibt es auch Streit um die Arbeitsweise zwischen dem künstlerischen Leitungsteam des Theaters und dem Geschäftsführer Stefan Rosinski. Die Zusammenarbeit scheint nachhaltig gestört. So hatte Rosinski im April die Finanzprobleme vor dem Aufsichtsrat auch damit begründet, dass die Opernleitung unter dem neuen Intendanten Florian Lutz einen Besuchereinbruch um 45 Prozent zu verzeichnen habe. Florian Lutz wies diesen Vorwurf bei MDR KULTUR zurück.

Die Opernleitung warf dem Geschäftsführer Rosinski vor, dass die Zahlen der Geschäftsführung in falsche Zusammenhänge gebracht und nicht mit der Opernleitung abgestimmt wurden. Weil die internen Betriebszahlen parallel geleakt worden waren, entstand eine öffentliche Debatte um das künstlerische Profil der Oper. Um diese Probleme zu lösen, findet am Dienstag eine Aufsichtsratsratssitzung der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (TOOH) statt.

"Strukturanpassung so nicht leistbar"

Inés Brock, Grünen-Politikerin und Mitglied des Aufsichtsrates, fordert, dass die Streitenden auf die Sachebene zurückkehren. Sie sagte MDR KULTUR:

Ich erwarte vom Geschäftsführer, dass er jetzt an einem Zukunftskonzept arbeitet. Ich wünsche mir, dass dafür alle an einem Strang ziehen und gemeinsam Strategien entwickeln, wie sie sich für die Zukunft aufstellen.

Inés Brock, Politikerin und Aufsichtsratsmitglied

Es gehe bei der Aufsichtsratssitzung darum, eine mögliche Insolvenz abzuwenden. Außerdem müsse man sich gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt aufstellen mit der "Forderung, dass die Strukturanpassung so nicht leistbar ist, wie sie seinerzeit beschlossen worden ist", so Inés Brock weiter.

Strukturmaßnahme Stellenabbau

Die Stadt Halle als Gesellschafter der TOOH hat sich durch einen Theatervertrag mit dem Land Sachsen-Anhalt verpflichtet, bestimmte Strukturanpassungen bis Ende 2018 zu gewährleisten. Das Personal soll auf 419 Stellen reduziert werden. Besonders betroffen von den Strukturmaßnahmen ist die Staatskapelle, die von 136 auf 99 Stellen schrumpfen soll. Um die vereinbarte Zielstruktur zu erreichen, soll nach Ende dieser Spielzeit 33 Musikern gekündigt werden.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Gespräch | 12.06.2017 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2017, 13:49 Uhr

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