Emmanuel Macron und Angela Merkel bei der Frankfurter Buchmesse
Frankreichs Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel bei der Frankfurter Buchmesse. (v.l.n.r.: Schriftsteller Wajdi Mouawad, Emmanuel Macron, Angela Merkel und Heinrich Riethmüller, Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels). Bildrechte: dpa

Frankfurter Buchmesse eröffnet Frankfurt feiert Frankreich, Bücher und die Meinungsfreiheit

Bis zum 15. Oktober ist Frankfurt wieder der Fixpunkt der Literaturlandschaft Deutschland. Gastland der Buchmesse ist diesmal Frankreich. Deshalb haben allein 200 frankophone Schriftsteller ihre Teilnahme angekündigt. Zudem lesen Autoren wie Daniel Kehlmann oder Dan Brown. Vor allem aber trifft sich auf der Frankfurter Buchmesse die Fachbranche. Insgesamt werden rund 7.300 Aussteller aus 106 Ländern erwartet.

Emmanuel Macron und Angela Merkel bei der Frankfurter Buchmesse
Frankreichs Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel bei der Frankfurter Buchmesse. (v.l.n.r.: Schriftsteller Wajdi Mouawad, Emmanuel Macron, Angela Merkel und Heinrich Riethmüller, Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels). Bildrechte: dpa

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die 69. Frankfurter Buchmesse am Dienstagabend mit einem Bekenntnis zur Meinungs- und Pressefreiheit eröffnet. Merkel betonte in ihrer Ansprache, die Kultur könne Europa helfen, sich in einer Welt des Wandels zurechtzufinden. Weiterhin sagte sie:

In der Literatur spiegelt sich die Seele unserer freiheitlich verfassten Gesellschaft wider, in der die Freiheit des Geistes und der Meinungsäußerung einhergeht mit politischer Freiheit.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Dabei würden Autoren als "Seismographen aktueller und denkbarer Entwicklungen, als Ideengeber und Brückenbauer" gebraucht, so Merkel weiter. Präsident Macron beschrieb die Literatur in seiner Rede als "beste Waffe" gegen diejenigen, die Fanatismus schüren und versuchten, eine Mauer zwischen Menschen zu errichten. Weiter sagte er:

Europa ist nichts ohne Kultur.

Emmanuel Macron, Staatspräsident von Frankreich

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte bei der Eröffnung der Messe: "Die Türkei ist noch immer das größte Gefängnis für Journalisten und Autoren weltweit" und erinnerte dabei an weltweit inhaftierte und bedrohte Kulturschaffende wie den Blogger Raif Badawi in Saudi-Arabien, Buchhändler Gui Minhai in China, den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel und die Übersetzerin Mesale Tolu in der Türkei. Der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung, die den Verlagen in einer immer unübersichtlicheren Welt zukomme:

Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten.

Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse

Bis zum Sonntag werden etwa 280.000 Besucher zu den mehr als 4.000 Veranstaltungen erwartet. Am Samstag und Sonntag ist die Messe dabei für das allgemeine Publikum geöffnet.

Ehrengast Frankreich

Michel Houellebecq
Auch Schriftsteller Michel Houellebecq kommt nach Frankfurt Bildrechte: dpa

Als Gastland steht in diesem Jahr Frankreich im Fokus. Es ist das Land, zu dem Deutschland ein besonders inniges Verhältnis hat. Aus dem Französischen werden - gleich nach dem Englischen - alljährlich die meisten Bücher ins Deutsche übersetzt. Gleichzeitig stehen Frankreich und Deutschland derzeit als dominante Staaten für das Bild der Europäischen Union. Etwa 180 Autoren des Nachbarlandes haben für Frankfurt ihr Kommen zugesagt, darunter Michel Houellebecq, Yasmina Reza und Alain Mabanckou.

Bedeutende Auszeichnungen

Robert Menasse
Robert Menasse wurde für seinen Roman "Die Hauptstadt" mit dem Deutschen Buchpreis geehrt. Bildrechte: IMAGO

Zum Auftakt der Buchmesse wurde bereits am Montag der Deutsche Buchpreis an Robert Menasse für seinen Roman "Die Hauptstadt" verliehen. Die Jury lobte, sein Buch sei "ein vielschichtiger Text, der auf meisterhafte Weise existenzielle Fragen des Privaten und des Politischen miteinander verwebt und den Leser ins Offene entlässt". Dotiert ist die Auszeichnung mit 25.000 Euro.

Den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood. Die Auszeichnung wird ihr zum Abschluss der Buchmesse am 15. Oktober in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Sie ist ebenfalls mit 25.000 Euro dotiert.

Die kandische Schriftstellerin Margaret Atwood.
Margaret Atwood erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels Bildrechte: dpa

Die kanadische Schriftstellerin, Essayistin und Dichterin zeigt in ihren Romanen und Sachbüchern immer wieder ihr politisches Gespür und ihre Hellhörigkeit für gefährliche unterschwellige Entwicklungen und Strömungen.

Aus der Begründung des Stiftungsrats zum Friedenspreis für Margaret Atwood

Informationen und Autoren

Ab Dienstag ist die Messe zunächst für das Fachpublikum geöffnet. Sie können sich in Frankfurt auf den neusten Stand bringen, unter anderem stehen Informationsveranstaltungen zum Marketing und Netzwerken auf dem Plan, weiterhin gibt eine internationale Konferenz für Verleger und Händler.

Ab dem Wochenende sind die Tore dann auch für das allgemeine Publikum offen. Zu den massenwirksamen Literaturstars, die in diesem Jahr live auf der Messe zu erleben sind, gehört Bestsellerautor Dan Brown. Er liest am Sonnabend Oktober aus seinem aktuellen Buch. Weitere Prominente sind Cecelia Ahern ("P.S. Ich liebe Dich"), Paula Hawkins ("Girl On the Train"), Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt", "Tyll") sowie der Sänger Udo Lindenberg.

Buch 3.0

Neu ist in diesem Jahr der "Buchblog-Award 2017", bei dem ein deutschsprachiger Buchblog ausgezeichnet wird, der Literatur auf besondere Weise vermittelt. Für Blogger findet außerdem ein Camp statt, dort vermitteln erfolgreiche Blogger ihr Wissen an den Nachwuchs.

Logo der Frankfurter Buchmesse auf einer Leinwand
280.000 Besucher werden in Frankfurt erwartet. Zur Leipziger Buchmesse kamen in diesem Jahr 208.000 Buchfans. Bildrechte: dpa

Für Autoren, die bewusst ohne Verlag arbeiten, ist ein spezieller Erfahrungsaustausch vorgesehen. Erfolgreiche Selbstpublisher können dort ins Gespräch kommen und von den Erfahrungen bekannter Autoren wie Sebastian Fitzek, Annika Bühnemann oder Emily Bold profitieren. Die von der Leipziger Buchmesse bekannten Cosplayer haben ebenfalls in Frankfurt ihren speziellen Treffpunkt in einer der Messehallen erhalten.

Audios zum Spezial "Frankreich und seine Literatur"

Der Eiffelturm in Paris
Bildrechte: Colourbox.de

Frankreich hat die meisten Literaturnobelpreisträger hervorgebracht und ist das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Über seine interessanten Entdeckungen unter den Neuerscheinungen berichtet Tilman Krause.

MDR KULTUR - Das Radio Di 10.10.2017 18:05Uhr 07:01 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Leila Slimani: Dann schlaf auch du
Bildrechte: Luchterhand Literaturverlag

Ein perfektes Paar in Paris mit zwei kleinen Kindern und einer netten Nanny. Klingt wie im Märchen, endet aber düster. Katrin Schumacher stellt das Buch "Dann schlaf auch du" von Leïla Slimani vor.

MDR KULTUR - Das Radio Di 10.10.2017 18:05Uhr 03:54 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Schriftsteller Alain Mabanckou
Bildrechte: dpa

Marokko, Kongo, Karibik: Autoren, die auf französisch schreiben, sind so divers wie das Land selbst. Wie schlägt sich das in der Literatur nieder? Ein Gespräch mit Holger Heimann.

MDR KULTUR - Das Radio Di 10.10.2017 18:05Uhr 07:08 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Ein Hausboot
Bildrechte: IMAGO

Von Frankreich über Belgien nach Deutschland: Das Hausboot "Ange Gabriel", ein ehemaliger Frachtkahn, ist unterwegs mit einer literarischen Mission. Susanne von Schenk stellt Schiff und Mission vor.

MDR KULTUR - Das Radio Di 10.10.2017 18:05Uhr 04:02 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Über die Frankfurter Buchmesse berichtet MDR KULTUR auch: ► im Radio | Spezial | 10.10.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Thema: Frankreich und seine Literatur

Was sind die großen literarischen Themen in unserem Nachbarland und welche Roman-Autoren sollte man kennen? Wie verändert die Literatur der Einwanderer die französische Literatur und den  französischen Alltag?

► im Radio | Spezial | 12.10.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Thema: Im Osten was Neues

Im Gespräch ist u.a. Sebastian Wolter vom Leipziger Verlag Voland & Quist, in dem Bücher junger osteuropäischer Autoren aus Tschechien, Russland und Kroatien erscheinen. Außerdem soll die Neuerscheinung "1988" vorgestellt werden, ein Roman von Uwe Rada über eine deutsch-polnische Liebe zu Solidarność-Zeiten.

► im Fernsehen | artour-Spezial | 12.10.2017 | 22:05-22:30 Uhr

Moderatorin Katrin Schumacher ist mit Daniel Kehlmann über dessen aktuelles Buch "Tyll" im Gespräch, in dem er die klassische Eulenspiegel-Geschichte neu erfindet. Reinhold Messner erzählt in  "Wild ", warum die legendäre Shackleton-Expedition in die Antarktis gescheitert ist. Außerdem geht es im TV-Kulturmagazin um den  französischen Schriftsteller Emmanuel Carrère und seine Reise in den  Dschungel von Calais sowie um Andrea Gerks Buch "Das Lob der  schlechten Laune". 

► im Radio | ARD-Radionacht der Bücher | 13.10.2017 | 20:05-24:00 Uhr

Im Radio wird live die ARD-Radionacht der Bücher übertragen. Gäste mit ihren aktuellen  Neuerscheinungen sind unter anderem Ingo Schulze, Irene Dische,  Ulrich Wickert, Eva Demski und Uwe Timm.

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 09:31 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR