Ina Turinsky und Andreas Wagner (Industrial Design), Nutrient Solution – Growing Algae with Spit and Breath, nominiert in der Kategorie Interessantestes Experiment
Algennahrung selbst erzeugen - Ausgezeichnet als "Interessantestes Experiment" Bildrechte: Ina Turinsky und Andreas Wagner

Um die Ecke gedacht GiebichenStein-Designpreise für junge Kreative

Innovative Designideen wurden mit der Auszeichnung der Kunsthochschule Burg Giebichenstein gekürt. In fünf Kategorien gab es Preise, zum Beispiel für philosophisches Schiftdesign oder selbstgeschaffene Algennahrung.

Ina Turinsky und Andreas Wagner (Industrial Design), Nutrient Solution – Growing Algae with Spit and Breath, nominiert in der Kategorie Interessantestes Experiment
Algennahrung selbst erzeugen - Ausgezeichnet als "Interessantestes Experiment" Bildrechte: Ina Turinsky und Andreas Wagner

Die GiebichenStein Designpreise wurden am Mittwoch vergeben. Die Auszeichnung aus rotem Porphyr, dem Material des Felsens, auf dem die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle thront, erhielten Designer in fünf Kategorien:

Algennahrung mit Spucke

Nominiert in der Kategorie Interessantestes Experiment, Ina Turinsky und Andreas Wagner für 'nutrient solution' (Industrial Design)
"nutrient solution – growing algae with spit and breath" Bildrechte: Tim Bruns und Florian Fäth

Als "Interessantestes Experiment" wurde die Arbeit "nutrient solution – growing algae with spit and breath" von Ina Turinsky und Andreas Wagner  geehrt. Es ist eine Arbeit, die im Bereich Design vielleicht unerwartet wirkt: die Züchtung von Algenkulturen. Diese werden durch eine Kombination von Licht, Speichel und Atemluft in ihrem Wachstum befördert. Nach 14 Tagen entstehen so essbare Algen. Im Fokus steht dabei für die Designer, dass die vermeintlichen menschlichen Abfallprodukte - Spucke und Atemluft - entscheidend für diese Nahrungsschaffung sind.

Das Verbindende von Grenzen

Preisträger Auszeichnung der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt
Anna Rüffer, Leonard Ziemer (beide Innenarchitektur) und Miriam Treml (Industriedesign)
Die flotten Lotten
"Vilém" - verschwindende Schrift Bildrechte: Thomasz Lewandowski

Joseph Thanhäusers Arbeit "Vilém" wurde in der Kategorie "Beste Kommunikation"  prämiert. Der Titel der Arbeit bezieht sich auf den Namen des Medienphilosophen Vilém Flusser und setzt sich inhaltlich mit dessen Thesen auseinander. Konkret geht es um Grenzen, die nach Ansicht Vlussers nicht in strikter Linie auseinanderzudividieren sind, sondern als Schwellenbereich zu verstehen sind, als Gebiet, in dem sich Dinge kreuzen und auch vermischen.

Der Designer Joseph Thanhäuser nimmt diesen Gedanken in seiner Arbeit auf und transferiert ihn auf die Debatte um den Mauerbau zwischen den USA und Mexiko. Thanhäuser überträgt Vlussers Gedanken in diesem Zusammenhang auch auf eine Schrift, die sich zunehmend auflöst.

Edles Erdöl

Ina Turinsky und Andreas Wagner (Industrial Design)
Nutrient Solution – Growing Algae with Spit and Breath
"Crude Oil" Bildrechte: Ina Turinsky, Andreas Wagner

Der Freundes- und Förderkreis der Hochschule vergab den "GiebichenStein der Freunde" an das Projekt "Crude Oil" von Veronika Schneider. Bei der Arbeit wird das Nutzprodukt Erdöl in eine Reihe mit sammelnswerten Luxusgütern wie Münzen oder Wein gestellt. Vermeintlich alltäglich, ist der Rohstoff doch endlich und damit auch teuer. Die Designerin hat Erdöl in versiegelte Flaschen abgefüllt, die in ihrer Ästhetik eher an teure Behälter, z.B. für edle Getränke erinnern. Das Erdöl stammt von verschiedenen Ölfeldern, diese Herkunft wird jeweils in zusätzlichen Informationen beigefügt.

Virtuelle Mahnmale

Preisträger Beste Idee / Bestes Konzept
Insa Deist, Lila Steinkampf und Anni Greunig (Kommunikationsdesign)
Virtual Memory
"Virtual Memory" Bildrechte: Tim Bruns & Florian Fäth

Den Preis in der Kategorie "Beste Idee, Bestes Konzept" erhielten Insa Deist, Lila Steinkampf und Anni Greunig für "Virtual Memory". Betrachtet wird unterdrückte kurdische Erinnerungskultur. So werden in einem Onlineprojekt zehn virtuelle Erinnerungsstätten durch manipulierte Google Photosphere-Bilder geschaffen. Mit Platzhalterobjekten erscheinen potentielle Mahnmale, die an zivile Opfer bei Ausgangssperren in den Jahren 2015 und 2016 erinnern sollen.

Auch ein Anfang 2017 in der türkischen Stadt Diyarbakır abgerissenes Denkmal wurde von den Designern im Internet auf www.virtual-memory.org wieder als 3D-Objekt errichtet. Es erinnerte an 34 kurdischstämmige Zivilisten, die 2011 Opfer eines Luftwaffenangriffs des türkischen Militärs wurden. Die beiden Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit der NGO Hafıza Merkezi.

"Yes, I am Asian"

Preisträger Beste Kommunikation
Joseph Thanhäuser (Editorial Design)
Vilém
"I am Angry: Alltäglicher Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Asiat_innen" Bildrechte: Joseph Thanhäuser

In der Rubrik "Engagiertestes Anliegen" konnten Jihee Lee und So Jin Park die Auszeichnung für ihr Projekt "I am Angry: Alltäglicher Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Asiat_innen" entgegennehmen. Auf der Webseite www.iamangry.de bieten sie dazu die Möglichkeit, entsprechende Erfahrungen festzuhalten. Damit soll der Diskurs zu diesem Thema in Gang gebracht werden. Das Archiv erweitert sich ständig durch neue Beiträge. Außerdem wurde eine Gruppe gegründet, in der die geschilderten Vorgänge und der Umgang damit erörtert werden können.

Sonderpreise u.a. für Wachsmalstifte aus Erde

Außerdem wurden in diesem Jahr bei den GiebichenStein Designpreisen drei Sonderpreise verliehen:

BURG_GDP2017_Stadtmuseum_Halle_Brucksch_Erde_Wach_Stift:
Preisträger Auszeichnung des Stadtmuseums Halle
Benno Brucksch (Industriedesign)
Erde Wachs Stift
"Erde Wachs Stift" Bildrechte: Benno Brucksch

"Erde Wachs Stift" von Benno Brucksch erhielt einen Sonderpreis des Stadtmuseums Halle. Der Designer stellte Wachsmalstifte unter Beimischung verschiedener Erden her. Damit erhalten sie eine vielfältige Tönung, die an die Böden der Ursprungsregionen erinnert. Die Stifte werden individuell hergestellt. Die Farben changieren von hellem beige bis dunkler Erdtönung. Durch den irdischen Ursprung haben sie eine natürliche Anmutung. Die Objekte werden nun für ein Jahr in der ständigen Ausstellung des Stadtmuseums Halle zu sehen sein.

Preisträger GiebichenStein der Freunde
Veronika Schneider (Industriedesign)
Crude Oil
"sitzen stehend Leute" Bildrechte: Veronika Schneider

Der Grassi-Nachwuchspreis wurde an das Projekt "sitzen stehend Leute" von Amélie Ikas und Chris Walter vergeben. Das Objekt ist eine Sitzgelegenheit in Form einer überdimensionalen Fahrradkette. Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Ankauf und in die Sammlung des Grassi-Museums Leipzig.

Preisträger GRASSI Nachwuchspreis
Amélie Ikas und Chris Walter (Industriedesign)
sitzen stehend Leute
"Die flotten Lotten" Bildrechte: Chris Walter

Vergeben wurde auch erstmals ein Preis der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Er geht an die Arbeit "Die flotten Lotten" von Anna Rüffert, Leonard Ziemer und Miriam Treml. Diese sind mobile Essensstände für das Kollektiv "FoodnotBorders", das gegen Spende auf Veranstaltungen kocht. Aus den Erlösen werden antirassistische und soziale Projekte unterstützt. Die Küchen sind modular aufgeteilt in Koch-, Wasch- und Tischmodule und können auch mittels Fahrradanhänger transportiert werden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 12. Oktober 2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 11:05 Uhr

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