Farah Bouamar (l), Marcel Sonneck und Younes Al-Amayra von der Comedy-Gruppe Datteltäter freuen sich am 30.06.2017 bei der Verleihung der Grimme Online Awards 2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) über den Preis in der Kategorie Kultur und Unterhaltung
Über gleich zwei Preise konnte sich der Youtube-Kanal "Datteltäter" freuen. Bildrechte: dpa

Die Gewinner der Grimme Online Awards 2017 Mit Humor gegen Diskriminierung

Farah Bouamar (l), Marcel Sonneck und Younes Al-Amayra von der Comedy-Gruppe Datteltäter freuen sich am 30.06.2017 bei der Verleihung der Grimme Online Awards 2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) über den Preis in der Kategorie Kultur und Unterhaltung
Über gleich zwei Preise konnte sich der Youtube-Kanal "Datteltäter" freuen. Bildrechte: dpa

In Köln sind am Freitagabend zum 17. Mal die Grimme Online Awards vergeben worden. Die Grimme-Jury zeichnete hochwertige und kreative Internetangebote in vier Hauptkategorien aus. Außerdem wurden ein Preis für Internet-Sicherheit sowie ein Publikumspreis vergeben. Aus knapp 1.200 Einreichungen hatten die Juroren zuvor 29 Kandidaten nominiert. Besonders Angebote, die sich gegen Hass und Diskriminierung engagieren, wurden ausgezeichnet.

 Die Gebärdenübersetzerin Laura Schwengber freut sich am 30.06.2017 bei der Verleihung der Grimme Online Awards 2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) über den Preis in der Kategorie Wissen und Bildung für die Reportge Die mit den Händen Tanzt
Die Gebärdenübersetzerin Laura Schwengber freut sich über den Preis in der Kategorie Wissen und Bildung. Bildrechte: dpa

In der Kategorie "Wissen und Bildung" gab es zwei Gewinner. Ausgezeichnet wurde die Pageflow-Reportage "Die mit den Händen tanzt" vom Hessischen Rundfunk. Es handelt sich um ein Porträt über die Gebärdensprachdolmetscherin Laura Schwengber, die Musik in Gebärden übersetzt. Der zweite Preis ging an die Web-Reportage "Was heißt schon arm" von Spiegel Online, in der die Kriterien für Armut hinterfragt werden.

"Ein Stück demokratischer Grundversorgung"

In der Kategorie "Information" ging der Grimme Online Award an "Ihre Wahl - der WDR-Kandidatencheck". Dafür hat der WDR vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 984 Kandidaten je vier Minuten lang interviewt - aus Sicht der Jury "ein Stück demokratischer Grundversorgung".

In der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" sind gleich drei Preise vergeben worden. Den ersten gewannen die "Datteltäter" von funk, dem Online-Jugendangebot von ARD und ZDF. Mit ihrem humoristischen Youtube-Kanal wollen die Datteltäter Wissen über ihre Religion, den Islam, vermitteln und dabei Vorurteile überwinden. In der Begründung der Jury hieß es, die Waffe der Datteltäter, der Humor, wende sich gegen Muslime und Nicht-Muslime gleichermaßen. Die Datteltäter konnten sich außerdem über den Publikumspreis des Abends freuen.

Die "Datteltäter" entkrampfen den herrschenden Diskurs, der vorschnell richtet über Menschen, über deren Lebenswirklichkeit viele gar nicht so viel wissen möchten.

Aus der Jurybegründung

Der zweite Preis in dieser Kategorie ging an das Projekt "Kölner Dom in 360° und VR" vom WDR. Es ermöglicht Nutzern, den Dom mittels virtueller Realität zu erkunden. Die Grimme-Jury sprach von "Immersion der Extraklasse". Dritter Preisträger ist "Wochenendrebell", der Podcast des autistischen Jungen Jason, der im Dialog mit seinem Vater über Fußball, Wissenschaft und seine Sicht auf die Welt spricht.

"Die Macht der Masse"

Laudatorin Ronja von Rönne (l) und Tom Keller (m) und Ley Hannes (r) von #ichbinhier freuen sich am 30.06.2017 bei der Verleihung der Grimme Online Awards 2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) über den Preis in der Kategorie Spezial
Gegen Hetze im Netz: Laudatorin Ronja von Rönne und die Initiatoren Tom Keller und Ley Hannes von #ichbinhier. Bildrechte: dpa

Die Preise in der Kategorie Spezial gingen an Resi-App, bei der Nachrichten in Chatform vermittelt werden, und #ichbinhier, eine Initiative für bessere Diskussionskultur in Sozialen Medien. Die Moderatoren von #ichbinhier durchsuchen das Netz nach Hasskommentaren und rufen die Mitglieder ihrer Facebook-Gruppe in konkreten Fällen zur Gegenrede auf. Sachliche Kommentare, versehen mit dem Hashtag #ichbinhier, setzen sich auf diesem Weg dem Hass entgegen.

So erleben wir eine digitale Selbstermächtigung der Zivilgesellschaft, die mit der Macht der Masse gezielt aus dem Ruder gelaufene Diskussionen übernimmt und in einen geordneten Diskurs überführt.

Aus der Jurybegründung

KiKa bekommt Preis für Sicherheit im Internet

Moderator Tim von Timster
Tim Gailus erklärt in "Timster" Themen wie Datenschutz und Fake-News. Bildrechte: dpa

Der "Klicksafe-Preis für Sicherheit im Internet" stand in diesem Jahr unter dem Motto "Souveränität und Selbstbestimmtheit im Netz". Gewonnen hat "Timster", ein TV- und Online-Projekt des KiKa, in dem Moderator Tim Gailus Themen wie Datenschutz und Fake-News für Kinder aufbereitet. Der Klicksafe-Anerkennungspreis ging an das Medienkompetenz-Spiel "Junait".

Durch die Preisverleihung in der Kölner Flora führte Moderatorin Jeannine Michaelsen. Zu den Laudatoren zählten die Radiomoderatorin Larissa Rieß, Autorin Ronja von Rönne, Schauspieler Oliver Wnuk und Tagesthemen-Moderatorin Pinar Atalay. Der Grimme Online Award wird seit 2001 jährlich vergeben.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Kultur Kompakt | 30.06.2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2017, 09:58 Uhr