Flüchtlinge auf einem Bahnhof
Sind "Migrationsthematiken" nicht einfach nur Menschen-Thematiken? fragt Marina Frenk. Bildrechte: dpa

Hörspiel "Jenseits der Kastanien" von Marina Frenk

Als Darstellerin gewann Marina Frenk in diesem Jahr den "Hörspielpreis der Kriegsblinden" – gemeinsam mit Sibylle Berg, der Autorin des Monologs „Und jetzt: Die Welt!“. Stefan Kanis hat neuere Texte der vielseitigen Künstlerin fürs Hörspiel bearbeitet. Darin geht es um Migration, Heimat, Herkunft und die Verse Paul Celans.

Flüchtlinge auf einem Bahnhof
Sind "Migrationsthematiken" nicht einfach nur Menschen-Thematiken? fragt Marina Frenk. Bildrechte: dpa

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Marina Frenk

Marina Frenk, 1986 in Chișinău, Moldawien, in einer russisch-jüdischen Familie geboren, kam 1993 mit ihren Eltern nach Deutschland, genauer: nach Dortmund-Nordstadt. Mitten in den Migrantendschungel des Ruhrgebiets, wie sie sagt, wenn sie, mit Blick auf Flüchtlingsschicksale von heute, von ihrer eigenen "Integration" erzählt. Von kultureller Transformation und Identitätsschlamassel. Vom Verlorengehen einer Sprache, einer Herkunft. Von schönen und hässlichen Unterprivilegierten, von Vorzeige-Ausländern am Theater und Unterschichts-Arbeitslosen im Viertel. Von Neu-Deutschen und Alt-Deutschen. Von Unbehaustheit und Heimatsuche mit und ohne Wohlstand, mit und ohne Migrationshintergrund, in ihr drin und um sie herum. Und von Paul Celan aus Czernowitz, Bukowina, und Versen wie dem: "Erst jenseits der Kastanien ist die Welt".

Ausgehend von der eigenen Erfahrung betrachtet Marina Frenk das Thema Migration aus verschiedenen und überraschenden Perspektiven. Mal wütend gegen Vorurteile und rassistisches Schubladendenken, dann wieder zärtlich in der Erinnerung, mit Leidenschaft und entwaffnendem Humor. "Jenseits der Kastanien" ist eine Aufforderung zur Begegnung, ein Plädoyer gegen Ausgrenzung, gegen Vereinnahmung, für das Recht auf Freiheit, Glück und die Würde des Menschen.

Migration ist in jedem Fall ein Leidensprozess, auch wenn oft mit glücklichem Ausgang und einem einfachen Weiterleben verbunden, ich würde sagen, eine 'Wiedergeburt'.

Marina Frenk "Jenseits der Kastanien"

Über Marina Frenk

Marina Frenk bei den Hörspielaufnahmen zu
Marina Frenk Bildrechte: MDR/Thekla Harre

Marina Frenk studierte Schauspiel an der Folkwang Hochschule in Essen und spielte von 2008 bis 2015 in Festengagements am Schauspielhaus Bochum, am Centraltheater Leipzig, am Schauspiel Köln und am Maxim Gorki Theater Berlin. 

Sie ist Musikerin u.a. in der Ostperanto-Band "Kapelsky" und der Noise-Elektro Band "Baba Dunyah". Im Studio Я am Gorki Theater zeigt sie den eigenen Abend "Celans Tiefen" mit ihren Vertonungen von Paul Celans Gedichten.

Als Darstellerin in der MDR-Hörspielproduktion "Und jetzt: die Welt!" wurde Marina Frenk zusammen mit der Autorin Sibylle Berg mit dem "Hörspielpreis der Kriegsblinden 2016" ausgezeichnet.

In der Hörspielfassung ihres Textes ist auch der Schauspieler Dimitrij Schaad zu hören. Migration, Heimatfluch und Heimatliebe sind vielstimmige Erfahrungen. Und so wird scheinbar Privates zu einer Geschichte, die aus anderem Mund neue Farben annimmt. Marina Frenk und Dimitrij Schaad haben bereits am Berliner Maxim-Gorki-Theater gemeinsam auf der Theaterbühne gestanden.

Über Dimitrij Schaad

Dimitrij Schaad wurde 1985 in Kasachstan geboren und kam 1993 nach Deutschland. Von 2005 bis 2009 absolvierte er seine Ausbildung an der Bayerischen Theaterakademie "August Everding" und der Theaterakademie St. Petersburg. Nach Auftritten an den Münchner Kammerspielen und in Essen war er von 2010 bis 2013 am Schauspielhaus Bochum engagiert.

Der Schauspieler Dimitrij Schaad bei Aufnahmen zum Hörspiel
Dimitrij Schaad Bildrechte: MDR/Thekla Harre

Seit der Spielzeit 2013/2014 ist er Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater Berlin. 2014 wurde er in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" zum Nachwuchssauspieler des Jahres gewählt. Er spielte die Hauptrolle im Film "Invention of Trust", der jüngst mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde.

Informationen zur Sendung
MDR KULTUR Hörspiel
"Jenseits der Kastanien"
Von Marina Frenk

Bearbeitung und Regie: Stefan Kanis
Sprecher: Marina Frenk, Dimitrij Schaad
Produktion: MDR 2016

Sendung:
27.11.2016 | 18:00 Uhr

Sie können das Hörspiel nach der Sendung hier bis zum 26.11.2017 hören und herunterladen.

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2016, 10:01 Uhr

Die Schauspielerin und Musikerin Marina Frenk in einer Aufnahmepause.
Bildrechte: MDR/Thekla Harre