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Mit wenigen Klicks hat man bei illegalen Plattformen ein E-Book heruntergeladen. Die Autoren und Verlage gehen leer aus. Bildrechte: colourbox

Mitteldeutsche Verlage hilflos Bücherklau durch Internet-Piraterie

Im Sommer wurde die Plattform lul.to vom Netz genommen, die illegal E-Books zum Spottpreis verkauft hatte. Andere Raubseiten machen jedoch weiter. MDR KULTUR hat sich unter Mitteldeutschen Verlagen umgehört.

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Mit wenigen Klicks hat man bei illegalen Plattformen ein E-Book heruntergeladen. Die Autoren und Verlage gehen leer aus. Bildrechte: colourbox

Mitteldeutsche Verlage wehren sich oft vergeblich gegen illegale Kopien ihrer Titel im Internet. Das ergaben Recherchen von MDR KULTUR. Demnach ist schätzungsweise einer von drei Verlagen in Mitteldeutschland betroffen. Das trifft vor allem auf Verlage zu, die überwiegend E-Books oder Hörbücher veröffentlichen.

Cover: Nora Gomringer: Peng Peng Peng
Bei Voland & Quist erschien u.a. Nora Gomringers "Peng Peng Peng". Im Netz ist es auch illegal erhältlich. Bildrechte: Voland & Quist

So berichten unter anderem der Verlag Voland & Quist, der Klett Kinderbuchverlag und der Buchfunk Verlag über Fälle von Internet-Piraterie. Oft wenden sich die Verlage direkt an den Beitreiber illegaler Plattformen, um die entsprechenden Titel zu sperren. Nach Recherchen von MDR KULTUR werden die Titel in der Regel zunächst gelöscht. Wenige Tage später stehen sie dann wieder im Netz.

Den wirtschaftlichen Schaden durch Internet-Piraterie zu bemessen, ist für viele Verlage schwierig. "Zum Teil wurde unser gesamtes digitales Programm im Netz feilgeboten", sagte Verleger Sebastian Wolter von Voland & Quist. "Wir haben uns bei den Titeln den Absatz vom Vorjahr angeschaut und kamen auf einen Verlust von etwa 1.000 Euro."

Die Mittel sind nicht groß, die man da hat. Das sind internationale Plattformen und da stößt auch das Recht an seine Grenzen. Insofern können wir nur die Betreiber anschreiben, sobald es uns auffällt.

Sebastian Wolter, Verleger bei Voland & Quist

Nora Milenković ist Geschäftsführerin beim Landesverband des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie betont, dass die finanziellen Mittel der Verlage zu gering seien, um sich gegen derartige Urheberrechtsverstöße zur Wehr zu setzen.

Würde eine große Plattform im großen Stil Internetpiraterie auch bei mitteldeutschen Verlagen durchführen, hätten unsere Verlage wenig bis gar keine Möglichkeiten dagegen anzugehen.

Nora Milenković

Nadine Reuter ist Inhaberin von Lysandra Books aus Dresden. Der kleine Verlag existiert seit zwei Jahren und veröffentlicht unter anderem Fantasy- und historische Romane. Seit es ihn gibt, ist er auch von Piraterie im Internet betroffen. Reuter schätzt den entstandenen Schaden auf eine Zahl im "hohen drei- bis vierstelligen Bereich".

Selbst als kleiner, unabhängiger Verlag ist man regelmäßig auf diesen Plattformen zu finden. Bei neu veröffentlichten E-Books konnten wir Wetten abschließen, bis man unseren Titel für einige Cent auf einer dieser Plattformen herunterladen konnte. Das konnte auch innerhalb von 24 Stunden passieren, wie uns einige unserer Autoren erzählt haben.

Nadine Reuter, Lysandra Books

Schlag gegen Piraten-Szene im Sommer

Im Juni 2017 hatten Behörden die Plattform lul.to vom Netz genommen. Sie galt als eine der größten illegalen Plattformen im Internet und bot etwa 160.000 deutschsprachige E-Books und 28.000 Hörbücher zum Download an. Darunter befanden sich nicht nur Verlagstitel, sondern auch zahlreiche Publikationen, die im Eigenverlag veröffentlicht wurden. Gegen die Betreiber der Website laufen derzeit Ermittlungen.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 08:58 Uhr