Pat Metheny
Pat Metheny, Stargast bei den 41. Leipziger Jazztagen Bildrechte: IMAGO

Festival | 12.-21.10.2017 Leipziger Jazztage werden zu Gitarrengipfel

Im Zentrum der 41. Leipziger Jazztage stand die Gitarre. Den Höhepunkt und zugleich Ausklang des Festivals bildete der Abend mit Gitarren-Legende Pat Metheny am 21. Oktober. Insgesamt 22 Konzerte umfasste das zehntägige Programm. Zeitgenössischer Jazz war in vielen Facetten zu erleben, in großen Sälen wie kleinen Klubs, mit Stars und Nachwuchskünstlern aus einem Dutzend Ländern. Verliehen wurde der Jazz-Nachwuchspreis.

Pat Metheny
Pat Metheny, Stargast bei den 41. Leipziger Jazztagen Bildrechte: IMAGO

Grammy-Abonnent Pat Metheny in der Oper

Auf seiner Welttournee gastierteder amerikanische Gitarrist und 20-fache Grammy-Gewinner Pat Metheny am 21. Oktober bei den Leipziger Jazztagen im seit Langem ausverkauften Opernhaus.

Begleitet wurde er von Schlagzeuger Antonio Sanchez, mit dem er seit mehr als 15 Jahren in verschiedenen Besetzungen zusammenspielt, außerdem von der jungen New Yorker Bassistin Linda Oh und dem gefeierten Pianisten Gwilym Simcock aus Wales.

Jazz für sechs Saiten

Die Gitarre als Jazzinstrument hat eine lange Geschichte, und sie erlebt zurzeit eine Hochphase, könnte allmählich sogar das Klavier als im Jazztrio ablösen. Zwei gute Gründe, erstmals ein Instrument ins Zentrum der Leipziger Jazztage zu stellen.


Eröffnet wurden die Leipziger Jazztage am 12. Oktober von dem jungen israelischen Gitarristen Gilad Hekselman, der mit seinem New Yorker Trio im morbiden Charme des einstigen Kinos UT Connewitz musizierte, ebenso wie später der Däne Jakob Bro, bekannt für sein elegant-zurückhaltendes Gitarrenspiel.

Die portugiesische Jazz-Sängerin Maria João
Die portugiesische Jazz-Sängerin Maria João Bildrechte: Alexandre Cabrita

Im Kunstkraftwerk, das vor reichlich 100 Jahren die Große Leipziger Straßenbahn mit Strom versorgte, stellte der 23-jährige Leipziger Ausnahmegitarrist Bertram Burkert sein internationales Quartett vor. Im Bauhaus-Ambiente des ehemaligen Westbads spielte Stings langjähriger Gitarrist Dominic Miller mit seinem Trio.

Im Westbad musizierte auch die Bigband der Münchner Gitarristin Monika Roscher, ebenso wie der brasilianische Gitarrero Egberto Gismonti und seine Partnerin Maria João, die allein mit ihrer Stimme spannende Geschichten zu erzählen weiß. Die musikalische Farbe des Gypsy Jazz brachte das Hamburger Trio Django Deluxe ins Programm ein.

Avantgardistisch und dennoch tanzbar ist die Musik des finnischen Gitarristen Kalle Kalima und seines von House und Techno kommenden Musikerkollegen Lassi Lehto an Saxophon und Keyboard. Schließlich Werner Neumann, Gitarren-Virtuose und Leipziger Jazz-Professor, in dessen Band u. a. der Schlagzeuger Philipp Scholz trommelt, der während des Festival den diesjährigen bundesweiten Jazznachwuchspreis überreicht bekam.

Junge Talente und die Jazz-Szene der Nachbarn

Die Jazzrausch Bigband aus München
Die Jazzrausch Bigband aus München Bildrechte: Leipziger Jazztage/Agentur

In einem zweiten Preisträgerkonzert war die Jazzrausch Bigband aus München zu erleben. Sie wurde mit dem BMW Welt Young Jazz Award geehrt und lud mit Electro Deluxe aus Frankreich die Tanzlustigen zu einer "Jazzelectric Night" in die einstige Produktionshalle D des Werk 2.

Seit vier Jahrzehnten gehört Offenheit für junge Talente und neue Trends der improvisierten Musik zur guten Tradition der Leipziger Jazztage. Und ebenso lange pflegt man enge Kontakte zur Jazz-Szene im Nachbarland Polen. In diesem Jahr stand der polnische Saxophonist und Komponist Adam Pierończyk gemeinsam mit dem tschechischen Bassisten Miroslav Vitouš auf der Bühne, der 1970 die legendäre Jazz-Rock-Formation Weather Report mitbegründete. Nicht zu vergessen das Trio der erst 20-jährigen polnischen Jazzbassistin Kinga Głyk.

Tribute to John Coltrane

Der Saxophonist Peter Ehwald
Der Saxophonist Peter Ehwald Bildrechte: Nicole Müller

Dem musikalischen Erbe des 1967 verstorbenen amerikanischen Jazz-Erneuerers John Coltrane fühlen sich der Tenorsaxophonist Peter Ehwald und seine Band Double Trouble verbunden. Zu erleben war seine Musik zwischen Postbop, Avantgarde und Punkjazz im Szeneklub naTo. Ein Coltrane-Tribute-Konzert gab der Tenorsaxophonist Ulrich Hübner, der seit 2015 in Leipzig bei Johannes Enders studiert, mit seinem Quintett im Horns Erben, einer früheren Weinstube und heutigen Kleinkunstbühne.

Kirchenschiff und einstiges Hallenbad

Musik für Orgel und Altsaxophon spielte das Duo Krokenberger/Oehl in der Liebfrauenkirche. Sie gehört zu den erstmals genutzten Spielstätten des Festivals.

Das Kinderprogramm der Jorinde Jelen Band aus Leipzig
Das Kinderprogramm der Jorinde Jelen Band aus Leipzig Bildrechte: Leipziger Jazztage/Agentur

Das alljährliche Konzert "Jazz für Kinder" gestaltete diesmal Jorinde Jelen mit ihrer Band. Es war zugleich das Release-Konzert ihrer neuen CD "Jollis wilde Welt der Worte". Neben dem facettenreichen Programm mit Stars und Newcomern trugen die unterschiedlichen Spielstätten wieder viel zum Reiz der Leipziger Jazztage bei. Zehn waren es beim 41. Festival – vom festlichen Opernhaus über die Jahrhunderte alten Tonnengewölbe des Studentenklubs Moritzbastei, das einstige Straßenbahnkraftwerk und das neoromanische Kirchenschiff bis hin zum einstigen Hallenbad.

Veranstaltet wird das internationale Festival für zeitgenössischen Jazz seit 1976 jedes Jahr vom Jazzclub Leipzig. Es gehört zu den traditionsreichsten und renommiertesten Festivals seiner Art in Deutschland.

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 13:34 Uhr