Die deutsche Schlagersängerin Alexandra
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19. Mai 1942: Alexandra wird geboren Eine Stimme, die den Schmerz transportieren kann

von Thomas Hartmann

Die deutsche Schlagersängerin Alexandra
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"Mein Freund der Baum" - gefällt liegt er am Wegesrand. Der Freund, der mit der Kindheit verbunden hat, muss einem Haus weichen. Es ist eine bittere, berührende Ballade, ungewöhnlich für das westdeutsche Schlagergeschäft im Jahre 1968, vorgetragen von der Interpretin mit einer Stimme, die den Schmerz zutiefst bewegend transportieren kann. Alexandra hat das Lied komponiert und den Text dazu selbst verfasst - auch dies ist äußerst ungewöhnlich zu dieser Zeit.

Mir hat Singen immer sehr viel Spaß gemacht. Ich habe angefangen als kleines Mädchen in einem Kirchenchor. Und dann hab ich acht Jahre lang Klavierunterricht gehabt. Hab also an der Musik immer sehr viel Spaß gehabt, aber an sich als Beruf hab ich ihn mir nicht unbedingt vorgenommen. Ich wollte Schauspielerin werden.

Alexandra

Alexandra stammt aus dem Memelland. Ihre Geburtsstadt heißt Heydekrug und liegt heute als Šilutė in Litauen. Die Flucht vor der sowjetischen Armee bringt sie während des Zweiten Weltkrieges nach Kiel. Ab 1961 lebt sie in Hamburg, besucht hier eine Schauspielschule und verdient sich, mit einer Gitarre bewaffnet, in Clubs und Kneipen das dafür nötige Kleingeld. Schließlich spielt sie dem Produzenten Fred Weyrich vor.

Sie sang in Deutsch, Hebräisch, Russisch, Englisch, Italienisch, Spanisch. Vielleicht nicht alles unbedingt perfekt, vor allem spanisch nicht, aber einfach gefühlsmäßig so sensationell, dass ich spontan zu ihr gesagt habe: Mädchen, ich möchte mit Ihnen einen Vertrag machen.

Fred Weyrich

Weyrich nennt Alexandra später DIE Entdeckung seines Lebens.

Eine bemerkenswerte Stimme macht Karriere

Die ersten Plattenaufnahmen der Sängerin erscheinen 1967 sofort auf LP, was ein Novum für die Bundesrepublik ist, wie Biograph Marc Boettcher betont und durchaus ein Risiko darstellt.

Reporter: Commercial ist da nicht zu entdecken. Das Vielgeschmähte, aber Vielgefragte in Schlagerlanden. - Alexandra: Ich hoffe, dass diese Platte trotz des Unkommerziellen, wie Sie sich gerade ausdrückten, Erfolg hat, und wenn sie es nicht hat, dann gebe ich das Singen lieber auf.

Ausschnitt aus einem Interview aus den 60er-Jahren

Aufgeben muss Alexandra nicht. Denn ihre melancholisch anmutenden Lieder treffen einen Nerv. "Sehnsucht", "Schwarze Balalaika" oder "Auf dem Wege nach Odessa" entführen die Hörerschaft akustisch gen Osten, und die lässt sich gern darauf ein, nicht minder Kollegen wie Gilbert Bécaud, Adamo oder Udo Jürgens. Die Karriere beginnt bestens.

Natürlich, ihre Stimme war bemerkenswert. Die Ausstrahlung war bemerkenswert. Das Mädchen war ein Vulkan an Einfällen, an Ideen. Ich glaube, sie ist von den Texten und von den Themen, die sie gesungen hat, einfach ihrer Zeit voraus gewesen. Ihre Thematik war jung und zukunftsträchtig.

Manager Hans Rudolf Beierlein

Ihre Thematik mag zukunftsträchtig sein, sie selbst aber hat kaum mehr eine Zukunft. Alexandra kommt im Jahre 1969 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Und wie bei fast jedem Star, der so jung stirbt, ranken sich um ihren Tod bis heute Spekulationen.    

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 00:00 Uhr

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