Brian Wilson
Brian Wilson im Oktober 2016 auf der Bühne Bildrechte: IMAGO

20. Juni 1942: Brian Wilson wird geboren Brian Wilson, das Genie der Beach Boys

von Thomas Hartmann

Brian Wilson
Brian Wilson im Oktober 2016 auf der Bühne Bildrechte: IMAGO

Brian Wilson strotzt vor Einfällen und giert geradezu nach Perfektion. Eine Aufnahmesession folgt auf die andere, man wechselt die Studios, eine Version nach der anderen entsteht und wird verworfen. Der Prozess zieht sich über Monate hin, dann aber steht der Song: "Good Vibrations". Der betriebene Aufwand lohnt sich: Das Stück der Beach Boys erobert 1966 die Charts und entwickelt sich zu einem Klassiker der Popmusik, der oft als die beste Rocksingle aller Zeiten bezeichnet wird.

Rund vier Jahre zuvor, 1962, bekommen die Beach Boys den ersten Vertrag bei einer großen Firma. Den Deal fädelt Brian Wilsons Vater ein, jetzt Manager der Band. Ein gescheiterter Musiker, der versucht, mit Hilfe der Söhne seine Ambitionen umzusetzen. Er hofft darauf, dass sie seine erfolglosen Songs singen. Neben Brian mischen die Brüder Carl und Dennis in der Band mit. Das Verhältnis zwischen dem Trio und dem Papa ist gespannt. Die Gründe dafür liegen in der Kindheit.

Der Motherfucker hasste uns. Oder er liebte die Scheiße, die in uns steckte. Die war für ihn leicht zu bekommen: Das Arschloch prügelte sie einfach aus uns heraus.

Beach Boy Dennis Wilson

Brian Wilson will mehr sein als eine Hit-Maschine

Die Band funktioniert bestens, Hit folgt auf Hit. Die Plattenfirma verlangt ständig neues Material, die Beach Boys liefern prompt. Brian Wilson, verantwortlich für die Kompositionen und den Stil der Gruppe, muss den Anforderungen bald Tribut zollen: Das ständige Hin und Her zwischen Plattenstudios, Bühne und Hotels belastet ihn zunehmend, schließlich erleidet er mehrere Nervenzusammenbrüche. Der Genuss von Drogen bringt seine Gesundheit auch nicht eben in Wallung.

Viele Leute, viele Hippies waren ja in den 60er-Jahren der Meinung, der neue Heiland, der die Erlösung bringt, das seien die Drogen. Ich habe das teilweise auch so gesehen. Ich war high und wurde abhängig von dem Zeug. Kokain hat einen wunderbaren Rausch gemacht, ich konnte hervorragend Songs schreiben, aber das Runterkommen war schrecklich.

Brian Wilson

Das verkannte Genie

Während die Band weiter durch die Lande zieht, karrt Brian kalifornischen Sand an sein Klavier – wegen der Stimmung – und bastelt an neuen Songs. Zuerst geht das gut, nach wie vor setzen die Beach Boys ihre Platten ab. Doch dann genügt Brian Wilson der Strand-und-Surf-Sound nicht mehr. Er will anspruchsvollere, kompliziertere Sachen. Schon bei den Aufnahmen zur 1966 erscheinenden LP "Pet Sounds" murren die übrigen Bandmitglieder und die Plattenfirma, bei der nächsten Platte "Smile" kracht es richtig. Der wütende Kommentar des Beach Boy Mike Love: 

Wer soll sich denn den Scheiß anhören? Dein Hund?

Beach Boy Mike Love

Die Aufnahmen zu "Smile" kommen erst viele Jahre später heraus. Wilson zieht sich vorerst vom Bandgeschehen und in sein Haus zurück, leidet an Depressionen. Eine unheilvolle Rolle übernimmt später der Psychologe Eugene Landy: Er nutzt die Abhängigkeit seines prominenten Patienten aus, erschleicht sich eine Position als vermeintlich kreativer Partner. Längst ist der Mann Geschichte, anders als Brian Wilson: Der lässt es sich nicht nehmen, immer noch Alben herauszubringen.

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2017, 00:00 Uhr

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