Gläubige sitzen im Vatikan vor Beginn der "Krönungsmesse", der offiziellen Amtseinführung von Papst Franziskus, auf dem Petersplatz.
Krönungsmesse im Vatikan auf dem Petersplatz (hier die Messe für Papst Franziskus) Bildrechte: Jörg Koch/dapd

14. November 1378: Kirchenspaltung beendet Drei Päpste-Christentum wird beendet

"Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen", so lässt der Evangelist Matthäus Christus sprechen. Was damit aber sicher nicht gemeint war: Dass sich mehrere Päpste in seinem Namen versammeln. Genau das war aber vor 600 Jahren der Fall. Seit 1378 hatte die abendländische Christenheit zwei und seit 1409 sogar drei Päpste. Das sollte beendet werden - man einigte sich tatsächlich auf einen neuen Papst: Kardinal Oddo di Colonna, der sich Martin V. nannte. Colonna war kein Geistlicher und wurde vor 600 Jahren erst zum Bischof geweiht.

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Gläubige sitzen im Vatikan vor Beginn der "Krönungsmesse", der offiziellen Amtseinführung von Papst Franziskus, auf dem Petersplatz.
Krönungsmesse im Vatikan auf dem Petersplatz (hier die Messe für Papst Franziskus) Bildrechte: Jörg Koch/dapd

Der Heilige Geist muss persönlich eingegriffen haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich das Konklave nach nur drei Tagen auf einen neuen Papst einigen konnte? Der Heilige Geist und der Gesang aus 200 Knabenkehlen von der Bittprozession, die die Konstanzer zum Kaufhaus, dem Ort des Konklaves, täglich unternehmen.

Gerade zwischen der zehnten und elften Stunde, als man mit dem Kreuz vor dem Kaufhaus kniete und die Wechselstrophe sang, waren auch alle 53 Wähler in der Kapelle im Kaufhaus versammelt und feierten Gottesdienst. [...] Danach einigten sie sich sogleich, und in der elften Stunde am Sankt Martins Tag, [...] schrieb man aus dem Konklave: 'Wir haben einen Papst, Otto von Colonna!'

Martin Richental, Augenzeuge

So schreibt der Konstanzer Bürger und Augenzeuge Martin Richental in seiner Chronik. Die Spaltung der katholischen Christen zu überwinden, ist die vordringlichste Aufgabe des vom deutschen König Sigismund 1414 einberufenen Konzils in Konstanz. Das vorherige Konzil von Pisa hat die Gräben nur vertieft, indem es einen dritten Papst wählte. Wie also wählen, ohne die Spaltung zu vertiefen? Die Versammlung erklärt sich zur obersten Machtinstanz der Kirche, der die Päpste untergeordnet sind.

Ihr ist ein jeder, welchen Standes und welcher Würde auch immer, einschließlich der päpstlichen, in denjenigen Stücken zu gehorchen verpflichtet, die sich auf den Glauben beziehen. Desgleichen erklärt sie, dass ein jeder [...], der den Geboten, Satzungen, Anordnungen oder Vorschriften dieser heiligen Synode [...] den Gehorsam verweigert [...] gehörig bestraft wird.

Dekret Haec Sancta

Alle drei amtierenden Päpste werden abgesetzt, was aber der in Spanien residierende dreizehnte Benedict nicht akzeptiert. Trotzdem schreitet man am 8. November in Konstanz zur Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts. Stimmberechtigt sind diesmal nicht allein die Kardinäle, sondern auch je sechs Delegierte der fünf am Konzil beteiligten Nationen. In einem der kürzesten Konklaven der Kirchengeschichte wird nach drei Tagen Oddo di Colonna gewählt und nimmt den Namen des Tagesheiligen Martin an. Jürgen Hoeren schreibt in seiner Biographie über Martin V.:

Zahlreiche liturgische Feiern und Zeremonien standen nun an. Denn Oddo di Colonna besaß lediglich die niedrige Weihe zum Subdiakon. Er musste also vor der Papstkrönung zunächst einmal zum Diakon, danach zum Priester und zum Bischof geweiht werden.

Jürgen Hoeren

Die Weihe zum Bischof erhält Oddo di Colonna am 14. November 1378. Damit ist der Weg auf den Stuhl Petri frei. Zehn Tage nach seiner Wahl wird Martin mit der Tiara gekrönt. Die westliche Christenheit ist wieder vereint. Das Schisma (die Glaubensspaltung) überwunden. Der neue Papst – der aus einem der mächtigsten römischen Patriziergeschlechter stammt – kümmert sich vor allem um die Ewige Stadt. Er lässt Kirchen restaurieren, die Universität wiederherstellen, festigt den Kirchenstaat. Martin ist der erste der Renaissance-Päpste, schreibt Sachbuchautor Jürgen Hoeren:

Er sah den Papst nicht als Diener der Kirche, sondern als Herrscher in Machtfülle. [...] Ein Zugehen auf andersdenkende Konziliaristen war nicht zu erkennen.

Jürgen Hoeren, Sachbuchautor

Die Reform der Kirche ist aber das zweite große Thema des Konstanzer Konzils gewesen. Indem Martin die nötigen Reformen verschleppt, bereitet er den Weg zur Reformation.

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 00:00 Uhr

Sendungsinformationen

Kalenderblätter bei MDR KULTUR - Das Radio

Kalenderblätter bei MDR KULTUR - Das Radio

Mo-Fr: 6:40 Uhr
Sa: 6:45 Uhr
So: 8:45 Uhr

Wiederholung:
Mo-Sa: 10:40 Uhr
So: 13:45 Uhr

die neuesten Kalenderblätter