Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug «Landshut» nach der Landung in Mogadischu (Somalia).
Die "Landshut" nach der Landung in Mogadischu (Somalia) Bildrechte: dpa

13. Oktober 1977: Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" Todesangst im Ferienflieger

von Thomas Hartmann

Das am 13. Oktober 1977 entführte Flugzeug «Landshut» nach der Landung in Mogadischu (Somalia).
Die "Landshut" nach der Landung in Mogadischu (Somalia) Bildrechte: dpa

Die somalische Hauptstadt Mogadischu. In Mitteleuropa ist es kurz nach Mitternacht, als die Männer der Antiterroreinheit GSG 9 die entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" angreifen und die Geiseln binnen weniger Minuten befreien.

Die hintere Tür wurde aufgerissen, es wurde geschossen, und dann wurde nur gerufen, 'wir befreien euch', 'wo sind die Schweine', 'bleibt ganz ruhig', 'wir befreien euch'. Wir sind alle sofort nach unten gegangen, unter die Sitze, und verhielten uns sehr ruhig.

Birgitt Röhll, Landshut-Passagierin

Birgitt Röhll gehört zu den 86 Passagieren, deren Tortur am 18. Oktober 1977 endlich ein Ende hat. Unter den Geretteten auch ihr zehnjähriger Sohn Stephan: "Er hat mich getröstet, wenn ich die Nerven verloren habe", so Birgitt Röhll.

Fünf Tage vorher begann die gewaltsam herbeigeführte Odyssee der "Landshut". Das Flugzeug ist voller Mallorca-Urlauber, doch die Rückreise in die (west-)deutsche Heimat wird zum Flug ins Ungewisse. Vier palästinensische Kidnapper - zwei Männer, zwei Frauen - zwingen den Piloten zum Stopp in Rom. Es heißt in der Tagesschau:

Bei der Nachrichtenagentur Reuters in Beirut ging am Abend die Erklärung einer bisher unbekannten Organisation ein, in der es hieß, die Aktion solle den Forderungen der Entführer des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer Nachdruck verleihen.

Tagesschau

Seit dem 5. September wird Hanns-Martin Schleyer von Terroristen der Roten Armee Fraktion festgehalten. Er dient als Geisel, um eine Reihe von Gesinnungsgenossen, darunter Andreas Baader, freizupressen. Die Flugzeugentführung soll den Druck auf die Bundesregierung erhöhen.

Für den Krisenstab um Bundeskanzler Helmut Schmidt steht allerdings fest: Verhandelt wird nur zum Schein. Wirkliche Konzessionen an die Entführer werden nicht gemacht. Schon am 13. Oktober ist der Einsatz der GSG 9 beschlossene Sache. Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel erläutert diese Handlungsweise in dem Buch "Ein Tag im Herbst" von Anne Ameri-Siemens:

Hans-Jochen Vogel und Helmut Schmidt
Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel und Bundeskanzler Helmut Schmidt (1977) Bildrechte: dpa

Hätten wir anders gestimmt, wäre die Schlagkraft der RAF enorm erhöht worden. Man denke auch an das Risiko, dass sich dadurch neue internationale Allianzen von Terroristen hätten etablieren können.

Hans-Jochen Vogel, damals Bundesjustizminister

Der Weg der Maschine führt nach Zypern, Dubai, nach Aden im Südjemen. In Aden wird der Pilot Jürgen Schumann vor den Augen der Geiseln regelrecht hingerichtet: Und schließlich drohen die Terroristen in Mogadischu mit dem tödlichen Finale: Entweder die Forderungen werden erfüllt - oder die Maschine fliegt in die Luft.

Als man uns die Hände fesselte, und sie schon anfingen, Alkohol in der Kabine auszuschütten und Sprengstoffsätze hinter die First Class-, vor die Touristenklasse setzten, da sagte die Stewardess: Es wird alles sehr schnell gehen! Habt keine Angst! Ihr merkt nichts von der Sprengung!

Birgitt Röhll, Landshut-Passagierin

Durch den Einsatz der GSG 9 nimmt die Entführung letztlich ein gutes Ende. Er ändert aber nichts daran, dass Schleyer in den Händen der RAF bleibt. Und jeder ahnt, was das für ihn bedeutet.

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2017, 00:00 Uhr

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