Hand schreibt Text mit Federhalter und Spitzfeder.
Die "Fruchtbringende Gesellschaft" war die erste deutsche Sprachakademie Bildrechte: IMAGO

24. August 1617: "Fruchtbringende Gesellschaft" gegründet "unsere hochgeehrte Muttersprache […] zu erhalten und auszuüben"

Über den Zustand der deutschen Sprache besteht heute ein allgemeines Klagen. Eigentlich das ideale Betätigungsfeld für eine Sprachgesellschaft, wie es die "Fruchtbringende Gesellschaft" im Barock gewesen ist. Vor 400 Jahren wurde sie in Weimar gegründet.

von Thomas Hartmann

Hand schreibt Text mit Federhalter und Spitzfeder.
Die "Fruchtbringende Gesellschaft" war die erste deutsche Sprachakademie Bildrechte: IMAGO

Kan die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, krachen,
Kan sie doch auch spielen, schertzen, liebeln (sic), lachen.

Friedrich von Logau, Barockdichter
Sonderbriefmarke: 400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft
Sonderbriefmarke: zur Erinnerung an 400 Jahre "Fruchtbringende Gesellschaft" Bildrechte: dpa

Diese Zeilen hat einst der Dichter Friedrich von Logau aufgeschrieben. der "Fruchtbringenden Gesellschaft" angehörig seit 1648. Sein Gesellschaftsname: "der Verkleinernde". "Liebeln" - das bedeutet übrigens flirten.

Die "Fruchtbringende Gesellschaft" entsteht im August des Jahres 1617. Zu den Aufgaben ihrer Mitglieder zählt:

… vor allen Dingen unsere hochgeehrte Muttersprache in ihrem gründlichen Wesen und rechten Verstande ohn Einmischung fremder ausländischer Flikkwörter sowol in Reden, Schreiben als Gedichten aufs deutlichste zu erhalten und auszuüben.

Carl Gustav von Hille in "Der Teutsche Palmbaum" aus dem Jahre 1647

Initiator der Gesellschaft sind u.a. der Dichter und Hofmeister Caspar von Teutleben, "der Mehlreiche" und Ludwig I. von Anhalt-Köthen, "der Nährende", der Mann, der bis zu seinem Tod im Jahre 1650 das Zepter in die Hand nimmt. Vor allem Adlige wähnen sich als Fruchtbringer, aber auch Bürgerliche finden ihren Platz. Daher die Gesellschaftsnamen, die Standesschranken überwinden sollen. Der Gesellschaft geht es längst nicht nur um die Ausmerzung von Fremdwörtern, es geht um "Spracharbeit".

Historischer Druck, Kupferstich von 1636, Titelseite der Die Fruchtbringende Gesellschaft oder Palmenorden.
Titelseite von "Die Fruchtbringende Gesellschaft oder Palmenorden", Kupferstich von 1636 Bildrechte: IMAGO

Das bedeutete die nur in gemeinschaftlicher Anstrengung realisierbare Erforschung und Förderung der eigenen Sprache und Literatur mit dem Ziel, sie innerhalb der europäischen Literatur zu emanzipieren und neu zu beleben. Dazu dienten Übersetzungen wichtiger fremdsprachiger Werke ins Deutsche ebenso wie eine grundsätzliche Besinnung auf Fragen des Wortschatzes, der Grammatik oder der Poetik …

Christoph Stoll in "Sprachgesellschaften im Deutschland des 17. Jahrhunderts"

Dichter wie Andreas Gryphius, Diederich von dem Werder oder Martin Opitz mischen bei den Fruchtbringern mit. In einer Einrichtung, die Nachahmer findet und dabei die einflussreichste ihrer Art bleibt.

Was ihr Kritik oder sogar Spott nicht erspart. So macht sich das "Conversations-Lexicon; oder enzyklopädische Handbuch für gebildete Stände" aus dem Jahre 1816 regelrecht lustig über die Gesellschaftsnamen:

So hieß zum Beispiel der zweite Director: Wilhelm, Herzog zu Weimar, der Schmackhafte. Andere hießen der Saftige, der Nährende, der Bittersüße, der Greise usw.

Conversations-Lexicon oder enzyklopädisches Handbuch für gebildete Stände

Die Geschichte der "Fruchtbringenden Gesellschaft" endet im Jahre 1680. Aber damit endet sie nicht wirklich. Denn vor etwa zehn Jahren wurde in Köthen die "Neue Fruchtbringende Gesellschaft" zum Leben erweckt, um "… für die deutsche Sprache einen Ort zu schaffen, der für die Pflege der Sprache gute Kräfte anziehen, bündeln und ausstrahlen soll."

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 24.08.2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2017, 08:19 Uhr

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