13. Mai 1717: 300. Geburtstag von Maria Theresia Das Frau-Sein als Fluch und Segen zugleich

von Hartmut Schade

Sich zur Kaiserin krönen zu lassen, das kommt für Maria Theresia nicht in Frage. Mag ihr Mann, Franz Stephan, sie noch so sehr darum bitten. Als "bloße Komödie" bezeichnet sie gegenüber Hofkanzler Anton Ulfeld die Krönungszeremonie in Frankfurt.

Alles, was ich mir vorstellen kann, ist, dass sie vielleicht diese Krönung geringer schätzt, als die beiden männlichen Kronen, die sie trägt.

Anton Ulfeld

Die beiden "männlichen Kronen" das sind die Königskronen von Ungarn und Böhmen. Zum ersten Mal werden sie einer Frau aufs Haupt gesetzt, schreibt Barbara Stollberg-Rilinger in ihrer buchpreisgekrönten Biographie Maria Theresias.

Für das Ritual musste Maria Theresia kraft ritueller Fiktion ihr Geschlecht wechseln, 'changer de sexe', wie sie selbst einmal formuliert haben soll.

Barbara Stollberg-Rilinger

Die weibliche Thronfolge - ein Novum

Eigens für die Krönung lernt Maria Theresia reiten und trägt ein Schwert. Dass sie entgegen allen dynastischen Gepflogenheiten überhaupt den Wiener Thron erlangt, verdankt Maria Theresia ihrem Vater Karl VI., der mit der "Pragmatischen Sanktion" die weibliche Thronfolge ermöglicht. Durchsetzen muss sie letztlich Maria Theresia selbst, denn kaum sitzt sie auf dem Thron, greifen Preußen, Bayern und Sachsen, Schweden und Spanier sie an. Gatte und Ratgeber raten zum Einlenken, Maria Theresia beharrt auf Weiterkämpfen.

Sie war fest überzeugt, dass Gott ihr auch die Fähigkeiten zu dieser Herrschaft verliehen haben musste. Und daraus resultierte ihr unglaubliches Selbstbewusstsein und auch ihre Standfähigkeit in den Situationen des Krieges und so weiter, dass sie einfach unerschütterlich von ihrem Recht überzeugt war.

Barbara Stollberg-Rilinger

Der nur knapp gewonnene - und mit dem Verlust Schlesiens teuer bezahlte - Österreichische Erbfolgekrieg zeigt die Reformbedürftigkeit der Habsburger Länder. Und: Maria Theresia reformiert Verwaltung, Schule und Heer.

Sie hat im Grunde einen unaufhörlichen Reformprozess in Gang gesetzt, der aber überhaupt nicht linear verlief, sondern Zick-Zack-Linien verfolgt hat. Und am Ende sind die Gewinne auch alle wieder vollständig aufgezehrt worden durch die vielen Kriege. Also für die Untertanen war das unterm Strich nicht unbedingt alles ein Gewinn.

Barbara Stollberg-Rilinger

Riesengroße Selbstinszenierung

Dabei tituliert sich Maria Theresia als "allgemeine und erste Mutter ihrer Länder". Das ist aber Teil ihrer erfolgreichen Inszenierung, ebenso wie ihre sagenhafte Fruchtbarkeit mit 16 Kindern, ihre Frömmigkeit und ihre Schönheit.

Dass sie so geliebt wurde, dass sie verehrt wurde, hing damit zusammen, dass sie eine charismatische und wirklich in ihrer Jugend schöne junge Frau war. Und das hat natürlich ihrer Selbstinszenierung auch genützt. Dass sie eine Frau war, war Fluch und Segen zugleich.

Barbara Stollberg-Rilinger

Zur Königin von Ungarn und Böhmen konnte sie sich krönen lassen, auch zur Erzherzogin von Österreich. Kaiserin kann sie als Frau nicht werden, bestenfalls sich neben ihrem Mann mitkrönen lassen. Doch das ist der macht- und selbstbewussten Maria Theresia zu wenig. Sie lässt nur ihren Mann krönen, sich aber auf Bildern mit der Reichskrone verewigen. Und geht so in die Erinnerung als Kaiserin von Österreich ein.

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2017, 00:00 Uhr

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