Der abnehmende Mond, der zu etwa 96 Prozent sichtbar ist.
Philipp Fauth war der Ansicht, der Mond bestehe aus Eis Bildrechte: dpa

19. März 1867: 150. Geburtstag von Philipp Fauth Der Eismond-Astronom

Dass das "Opus Magnum" eines Autors erst lange nach seinem Tod erscheint, ist nicht ungewöhnlich. Seltener aber, dass es sich dabei um einen Astronomen wie den vor 150 Jahren geborenen Philipp Fauth handelt. Da veralten Erkenntnisse meist rasch. Allerdings ist das Große Werk in diesem Fall eine Karte. Und der Terminus "Opus Magnum" ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen. Denn seine Mondkarte hat einen Durchmesser von 3,5 Metern. Eindeutig zu groß für einen Mondspaziergang. Den aber hat er in seinen Büchern vorweggenommen.

von Hartmut Schade

Der abnehmende Mond, der zu etwa 96 Prozent sichtbar ist.
Philipp Fauth war der Ansicht, der Mond bestehe aus Eis Bildrechte: dpa

Indem wir uns zunächst an unserem Landungsplatz umschauen, erkennen wir mit Hilfe unserer genauen Karte, daß wir hoch im Norden der Mondkugel ... angekommen sind ... Ringsum rauher Boden voller Reif.

Philipp Fauth

Der Landeplatz ist umgeben von Eis und Firn. Der Mond, so erfährt es der Leser, sei ...

... alleiniges, pures, unverfälschtes Eis.

alleiniges, pures, unverfälschtes Eis.

Philipp Fauth ist Anhänger der Welteislehre von Hanns Hörbiger, einer 1913 veröffentlichten kruden Theorie, nach der fast alle Himmelskörper entweder aus Metall oder aus Eis bestehen. Der Mond sei reines Eis. Sonst würde er nicht so hell leuchten können. Und die an Meeresboden erinnernden, Mare genannten, ebenen Flächen, seien gigantische Eisflächen.

Die Großschollen sind Teile der Ureisschale in mehr oder weniger ursprünglicher Gestalt, und sie liegen eingefroren in dem Mareeis, ... aus dem heute noch oberflächlich eintauchende Trümmerteile wie schwimmende Eisberge aus dem Eisozean, herausragen.

Philipp Fauth

Vom Mann im Mond, über künstliche Kanäle auf dem Mars – die Geschichte der Astronomie ist voller fehlgedeuteter Beobachtungen. Nur, Philipp Fauth ist nicht irgendein Feierabendfernrohrgucker, sondern einer der besten Beobachter und vor allem Zeichner in der Astronomenzunft.

Philipp Fauth ist früh vom Mond fasziniert. Seine ersten Beobachtungen macht er noch mit einem Handfernrohr. Doch die Ergebnisse sind so überzeugend, dass die Preußische Akademie der Wissenschaften auf den Pfälzer Volksschullehrer aufmerksam wird. Eine reiche Gönnerin finanziert ihm ein Teleskop, und Philipp Fauth baut auf dem Kirchberg bei Landstuhl die erste Höhensternwarte Deutschlands. Ein Angebot, das Observatorium in Mexiko zu übernehmen, lehnt er ab. Er beobachtet, zeichnet und schreibt weiter über den Erdtrabanten. Seit 1913 als Anhänger und Propagandist der Welteislehre.

Die Welteislehre des Wiener Ingenieurs und Forschers Hanns Hörbiger vermittelt ein geschlossenes Bild des Weltalls von bezwingender Großartigkeit und Folgerichtigkeit ... Auch auf unsere Nachbarwelt, den Mond, wirft die Welteislehre neues Licht. Sie erklärt seine eigenartigen Oberflächenformen aus den Umwälzungen, die der Mond, einstmals ein selbständiger Planet, bei seinem Einfang in das Schwerefeld der Erde erfuhr.

Philipp Fauth

Ursprünglich sei der Erdtrabant ein Planet gewesen, der zwischen Mars und Erde die Sonne umkreiste. Bis er von der Erde eingefangen wurde. Der nähere er sich immer weiter, bis das Mondeis schmelze.

Einer Sintflut von oben folgt dann wahrscheinlich das Bombardement der Erde mit Brocken der Masse des Mondkernes … Der Mond ist dann gewesen. Sein Stoff hat sich als Material zu einer neuen geologischen Schicht der Erde angelagert, sein Wassergehalt hat die Erdenozeane bereichert.

Philipp Fauth

Der Welteislehre konnte auch ein verdienstvoller Astronom wie Philipp Fauth keine wissenschaftliche Grundlage geben. Anders sieht es mit seinem Mondatlas aus. 1964, fast 100 Jahren nach seiner Geburt und drei Jahre vor dem ersten Mondspaziergang, wurde das Werk erstmals gedruckt. Allerdings kam Neil Armstrong bei seinem kleinen großen Schritt ohne Karten aus.

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 00:00 Uhr

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