Denkmal von Gustav Schwab, Friedrichshafen, Bodensee, Baden-Württemberg
Denkmal von Gustav Schwab, Schriftsteller und Pfarrer, in Friedrichshafen am Bodensee. Bildrechte: IMAGO

19. Juni 1792: Gustav Benjamin Schwab wird geboren Die Nacherzählung antiker Sagen für die Moderne

von Sven Hecker

Denkmal von Gustav Schwab, Friedrichshafen, Bodensee, Baden-Württemberg
Denkmal von Gustav Schwab, Schriftsteller und Pfarrer, in Friedrichshafen am Bodensee. Bildrechte: IMAGO
Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert, Portrait von Gustav Schwab
Bildrechte: IMAGO

MDR KULTUR - Das Radio Mo 19.06.2017 06:40Uhr 03:35 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert, Portrait von Gustav Schwab
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MDR KULTUR - Das Radio Mo 19.06.2017 06:40Uhr 03:35 min

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Gustav Schwab kommt - so scheint es - noch am besten weg. Heinrich Heine hält 1838 von Paris aus der sogenannten schwäbischen Dichterschule den Spiegel vor, den "Schwabenspiegel":

Der Bedeutendste von ihnen ist der evangelische Pastor Gustav Schwab. Er ist ein Hering in Vergleichung mit den anderen, die nur Sardellen sind; versteht sich, Sardellen ohne Salz. Er hat einige schöne Lieder gedichtet, auch etwelche hübsche Balladen; freilich, mit einem Schiller, mit einem großen Walfisch, muss man ihn nicht vergleichen.

Heinrich Heine

Ein Hering unter Sardellen - ein garstiges Lob für Gustav Schwab. Auch der hat mit Heine seine Probleme. Warum - das erklärt wohl dieser Satz in der "Allgemeinen Deutschen Biographie": "Schwabs sonst oft bewiesene Liberalität findet ihre Grenze, wo nach seiner Ansicht Religion und Sitte gefährdet sind."

Nachwirkung durch Nacherzählungen

Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert, Portrait von Gustav Schwab
Portrait von Gustav Schwab (Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert). Bildrechte: IMAGO

"Es flammet die Stube wie lauter Licht;
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
Vom Strahl miteinander getroffen sind.
Vier Leben endet ein Schlag -
Und morgen ist's Feiertag. "

So endet Schwabs Gedicht "Gewitter". Dazu die Ballade "Der Reiter und der Bodensee". Vielmehr hat tatsächlich von den Dichtungen Schwabs nicht überdauert. Doch als Vermittler vor allem von Literatur hat er Einiges geleistet. 1992, zum 200. Geburtstag Schwabs, schreibt der Germanist Robert Schurz:

Was der Durchschnittsbürger heute von Odysseus, Herakles oder anderen griechischen Helden weiß, weiß er von Schwab. Und damit hat der schwäbische Nacherzähler wohl mehr Wirkung gehabt als so mancher seiner dichtenden Zeitgenossen.

Robert Schurz, Germanist

Lehrer, Übersetzer, Redakteur und Förderer

Schwab ist ein echter Schwabe: geboren und gestorben in Stuttgart. Dazwischen 58 Jahre Leben, umtriebig und produktiv: Schwab lehrt am Gymnasium, arbeitet in Seelsorge und Kirchenverwaltung, ist als Schriftsteller, Biograf, Rezensent und Übersetzer tätig. Er reist und wandert viel, insbesondere in Südwestdeutschland. Und schreibt auch Bücher darüber. Lange Jahre wirkt Schwab als Herausgeber und Redakteur. Im einfluss– und traditionsreichen Cotta-Verlag betreut er die Kunstbeilage des "Morgenblatts für gebildete Stände". Der Literaturwissenschaftler Gunter Grimm urteilt:

Schwab war zumindest für den Südwesten ein literarisches und insbesondere für Stuttgart ein gesellschaftliches Faktotum, ein Literaturmanager und Impresario, ein Ansprechpartner für gleichaltrige Kollegen, ein Mäzen für jüngere Autoren, denen er gerne Kontakte zum Großverleger Cotta vermittelte.

Gunter Grimm, Literaturwissenschaftler

So fördert Schwab in seiner Schlüsselposition Autoren wie August von Platen, Nikolaus Lenau, Eduard Mörike, Ferdinand Freiligrath, Wilhelm Hauff und zuletzt Theodor Fontane.

Die Antike in die Moderne geraubt

1837 verlässt Schwab die Cotta-Redaktion und tritt eine Pfarrstelle auf dem Land an. Hier findet er Ruhe und Zeit für das Werk, das ihm ein Denkmal setzt: Die großen Epen der Antike trägt Schwab aus einer Vielzahl von Originaltexten zusammen, überträgt und kombiniert sie mit sprachlichem Feingefühl. Im Nachwort einer Ausgabe des Inselverlages heißt es:

Erst wenn man diese wirre Buntscheckigkeit der Vorlagen erwägt, die Schwab übersetzt hat, erst dann versteht man die wunderbare Geschlossenheit des Vortrags, in dem die Sagen wiedergegeben sind, recht zu würdigen.

"Sagen des klassischen Altertums", Insel-Verlag, Leipzig 1937, aus dem Nachwort des Verlages.
Homer
Gustav Schwab interpretiert Epen aus dem Altertum für die Moderne neu. Bildrechte: Colourbox

Schwab, der erfahrene Gymnasiallehrer hat seine jugendliche Zielgruppe vor Augen und entfernt deshalb aus seiner Sicht "Anstößiges". Trotz dieser religiös-pädagogisch motivierten Eingriffe, bleibt es Gustav Schwabs Verdienst, die Sagenschätze des klassischen Altertums für die Moderne gehoben zu haben.

Selbst Donald Duck in der deutschen Ausgabe der "Mickey Maus" zeigte sich einst bestens informiert:

Der listenreiche Odysseus? Aus Gustav Schwabs Sagenschatz des klassischen Altertums?

Donald Duck Mickey Maus

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