Der äthiopische Kaiser während seines Besuchs in Bonn am 12. September 1973.
Haile Selassie während seines BRD-Besuchs in Bonn im September 1973 Bildrechte: dpa

23. Juli 1892: Haile Selassie wird geboren Haile Selassie: Messias der Rastafari

von Sven Hecker

Der äthiopische Kaiser während seines Besuchs in Bonn am 12. September 1973.
Haile Selassie während seines BRD-Besuchs in Bonn im September 1973 Bildrechte: dpa

Schaut nach Afrika, wenn ein schwarzer König gekrönt werden wird, dann ist der Tag der Erlösung nahe!

Marcus Garvey

Dies ist in den 1920er-Jahren die Botschaft des Jamaikaners Marcus Garvey – des Begründers der Back-to-Africa-Bewegung. Zurück nach Afrika, genauer nach Äthiopien - das einzige Land dort, das nie kolonialisiert war. Das gelobte Land am Horn von Afrika, in das die Schwarzen von überallher "zurückkehren" sollen, geführt von einem Messias.

Am 2. November 1930 scheint es soweit zu sein: In einer triumphalen Zeremonie wird in Addis Abeba Ras Tafari Makonnen zum Kaiser von Äthiopien gekrönt. Er legt seinen bürgerlichen Namen ab und nennt sich fortan seine kaiserliche Majestät Haile Selassie I. - Kraft der Dreieinigkeit. Wahlweise auch "König der Könige" oder "der erobernde Löwe des Stammes der Juda".

Mit Mitte 20 stürzt er den Kaiser

Geboren 1892, wurde Haile Selassie von französischen Jesuiten erzogen. Schon 1916 stürzt er den damaligen Kaiser und ernennt sich selbst zum Thronfolger. Bald nach Amtsantritt muss Selassie allerdings das Land verlassen. 1935 besetzen Mussolinis Truppen Äthiopien.

1941 kehrt Selassie triumphal aus dem britischen Exil zurück auf den Thron und setzt die zuvor begonnenen Reformen fort: Er lässt Schulen errichten und schickt viele Äthiopier zum Studium nach Europa oder in die USA. Zu seinen größten Erfolgen gehören das Verbot der Sklaverei, die Landreform und - schon 1931- die Einführung einer Verfassung, die ein Parlament und ein Rechtsprechungssystem vorsah.

Haile Selassie hat Äthiopien aus dem tiefsten Mittelalter in das 20. Jahrhundert geführt. Er war ein Mann, der als Reformer an die Macht kam.

Asfa-Wossen Asserate, Nachfahre und Biograph des Kaisers "Der letzte Kaiser von Afrika: Triumph und Tragödie des Haile Selassie"

Indes: Die absolute Macht des Kaisers wird in der Verfassung und auch später nicht beschränkt. Diese autokratische Herrschaft Selassies behindert mehr und mehr die notwendige Modernisierung Äthiopiens. Eines seiner Mottos: "Der König weiß, was das Volk braucht. Das Volk weiß es nicht."

Korruption, Inflation und Dürrekatastrophen lassen die Unzufriedenheit im Land wachsen. Aber Selassie zeigt sich unfähig, die Probleme in den Griff zu bekommen. Und Anfang der 70er-Jahre verliert er ganz den Blick für die Realitäten. Während auf den Dörfern gehungert wird, lässt er sich mit fetten Fleischbrocken bei der Fütterung seiner zahmen Hauslöwen filmen. Seinem hohen Ansehen im Ausland schadet das vorerst nicht. Noch 1973, als Selassie die Bundesrepublik besucht, lobt Kanzler Willy Brandt den Kaiser in höchsten Tönen.

Als Mensch und als Staatsmann genießen Sie in der ganzen Welt, so auch bei uns Deutschen, Achtung und Bewunderung. Ihre Anwesenheit, Ihre Majestät, ist nicht nur Ausdruck der guten wirtschaftlichen Beziehung, sondern sie unterstreicht auch die Gemeinsamkeit unserer Überzeugungen im Streben nach mehr Gerechtigkeit in dieser Welt.

Bundeskanzler Willy Brandt in einer Lobrede beim Staatsbankett zu Ehren Kaiser Haile Selassies im Herbst 1973

Ein Jahr später, 1974, wird der letzte Kaiser von Äthiopien nach 45 Amtsjahren durch eine Revolte linker Offiziere gestürzt. Der neue Diktator, Mengistu Haile Mariam, lässt Haile Selassie in seinem Palast festhalten. Hier wird er später tot aufgefunden. Ob ermordet oder eines natürlichen Todes gestorben - das ist bis heute umstritten. Für die Rastafari, die Anhänger Haile Selassies, allerdings besteht ohnehin kein Zweifel an der Unsterblichkeit ihres Messias.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Kalenderblatt | 23.07.2017 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2017, 00:00 Uhr

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