Das Archivbild zeigt einen Bildausschnitt von der Titelseite der französischen Zeitung 'Liberation' vom 28. September 1977, der den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer unter dem Logo der RAF (Rote Armee Fraktion).
Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer galt bei den RAF-Terroristen als "Chef-Kapitalist". Er wurde entführt, damit inhaftierte RAF-Aktivisten freigelassen werden - so der Plan der RAF 1977. Bildrechte: dpa

18. Oktober 1977: Hanns Martin Schleyer ermordet Der Tag, an dem sich die Ereignisse überschlugen

Der Konflikt zwischen dem Staat und der Roten Armee Fraktion (RAF) kulminierte am 18. Oktober 1977. An diesem Tag wurde Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer erschossen.

von Thomas Hartmann

Das Archivbild zeigt einen Bildausschnitt von der Titelseite der französischen Zeitung 'Liberation' vom 28. September 1977, der den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer unter dem Logo der RAF (Rote Armee Fraktion).
Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer galt bei den RAF-Terroristen als "Chef-Kapitalist". Er wurde entführt, damit inhaftierte RAF-Aktivisten freigelassen werden - so der Plan der RAF 1977. Bildrechte: dpa

Ich wende mich jetzt direkt an die Entführer von Hanns Martin Schleyer. Ich appelliere an Sie, die Geisel freizugeben. Mit der sinnlosen Eskalation von Gewalt und Tod muss Schluss sein.

Walter Scheel, Bundespräsident

Bundespräsident Walter Scheel greift am 18. Oktober 1977 zu diesen Worten. Retten können sie Hanns Martin Schleyer nicht. Die RAF-Terroristin Silke Maier-Witt meldet der Deutschen Presse-Agentur einen Tag danach: "Wir haben nach 43 Tagen Hanns Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet."

Das Drama um Schleyer beginnt am 5. September. Die Tagesschau meldet:

Guten Abend, meine Damen und Herren. Fünf Wochen nach der Ermordung des Bankiers Ponto ist am Abend auf den Vorsitzenden der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, Hanns Martin Schleyer, in Köln ein Attentat verübt worden. Schleyer wurde offenbar verletzt, möglicherweise entführt.

Tagesschau am 5. September 1977

Die RAF-Terroristen gehen bei dieser Aktion brutal vor. Der Fahrer Schleyers sowie drei Polizisten kommen im Kugelhagel um. Ihr Leben zählt für die Täter nicht. Schon Jahre zuvor gibt Top-Terroristin Ulrike Meinhof zu Protokoll:

Der Typ in Uniform ist ein Schwein, kein Mensch. Wir haben nicht mit ihm zu reden, und natürlich kann geschossen werden.

Ulrike Meinhof, RAF-Terroristin

Blick auf den Tatort der Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) in Köln (Archivfoto vom 05.09.1977).
Blick auf den Tatort der Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF in Köln (Archivfoto vom 05.09.1977) Bildrechte: dpa

Die Forderungen der Terroristen: Die Freilassung von 11 Gefangenen, ihre Ausreise in ein Land ihrer Wahl und dazu 100.000 D-Mark für jeden. Doch auch wenn Bonn zu verhandeln vorgibt, die Linie ist klar: Auf die Forderungen wird sich nicht eingelassen. Regierungssprecher Klaus Bölling erklärt diese Haltung später so: "Nachgiebigkeit gegenüber diesen verbrecherischen Fanatikern würde sie zu immer neuen Morden herausfordern".

Doch ist diese Position wirklich alternativlos? Journalist Heribert Prantl bezweifelt das, in Anne Ameri-Siemens' Buch "Ein Tag im Herbst": "Man kann entschlossen sein und ist wahrscheinlich von mutigerer Entschlossenheit, wenn man der Bedrohung direkt begegnet, mit dem Gegner verhandelt und intensiver andere Möglichkeiten, Geiseln zu befreien, in Erwägung zieht, anstatt zu sagen: Wir gehen den einen Weg und von da an nimmt das Schicksal, oder wie immer man es nennen will, seinen Lauf, aber wir bleiben bei unserem 'Nein' zu den Forderungen."

Am 13. Oktober wird dann eine Maschine der Lufthansa gekapert. Die Aktion der palästinensischen Luftpiraten ist mit der RAF abgestimmt, die Forderungen sind ähnlich. Unter den Geiseln ist auch Birgitt Röhll, die am 18. Oktober beschreibt, was für sie das Schlimmste bei dieser Entführung war ...

... dass wir in der Maschine saßen, nicht nach draußen sehen konnten, nicht wussten, wohin wir flogen. Wir sind nur ins Ungewisse geflogen, und wir haben gedacht, man hätte uns aufgegeben.

Birgitt Röhll, Geisel der Flugzeugentführung vom 13.10.1977

An eben diesem 18. Oktober wird die Flugzeugentführung beendet: Männer der GSG 9 stürmen die Maschine. Und nun geht alles ganz schnell: Nur wenige Stunden danach verüben die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord. Das ist gleichzeitig das Todesurteil für Schleyer, der noch am selben Tag erschossen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 18. Oktober 2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2017, 00:00 Uhr

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