14. Mai 1867: Kurt Eisner geboren "Jedes Menschenleben soll heilig sein"

von Hartmut Schade

Den Hinterausgang will er nicht nehmen. Trotz der Morddrohungen gegen ihn wählt Kurt Eisner den Hauptausgang des bayrischen Außenministeriums.

Man kann einem Mordanschlag auf die Dauer nicht ausweichen, und man kann mich ja nur einmal totschießen.

Kurt Eisner
Der bayerische Ministerpräsident und Pazifist Kurt Eisner
Der bayerische Ministerpräsident und Pazifist Kurt Eisner Bildrechte: dpa

Wenige Schritte später ist er tot. Hinterrücks erschossen von einem Studenten aus der völkischen Thule-Bewegung. Hunderttausende kommen zu seiner Beerdigung. Erstaunlich für einen Mann, der zeitlebens zwischen den Stühlen saß.

Geboren als Kind eines jüdischen Militäreffekten-Fabrikanten studiert Kurt Eisner in Berlin und Marburg Philosophie und entdeckt Kant für sich. Später Marx. Beider Ideen zu vereinen, bleibt Eisners lebenslanges Anliegen.

Sachlich gehört Marx zu Kant, in die Reihe der großen Aufklärer des 18. Jahrhunderts, wie tief und entscheidend er immer von Hegel beeinflußt ist.

Kurt Eisner

Eisners Ansatz, den Sozialismus ethisch, nicht ökonomisch zu begründen, bringt ihm unter den Sozialdemokraten den Ruf eines weltfremden Spinners, eines Literaten ein. Der aber so gut schreiben kann, dass die Genossen trotzdem nicht auf ihn verzichten mögen. Wilhelm Liebknecht holt ihn 1898 zum sozialdemokratischen Vorzeigeblatt "Vorwärts", später wechselt er nach Nürnberg. Die bayrischen Sozialdemokraten sind wenig begeistert vom neuen Kampfgefährten. Sie beklagen sich bei Bebel:

Dieser Eisner ist verrückt geworden, erstens weil er von Natur aus dazu veranlagt ist (ein schöngeistiger Literat!), zweitens weil ihr ihn in Berlin persönlich gereizt habt und drittens weil er so plötzlich aus Preußen in die mildere süddeutsche Luft versetzt wurde.

Aus einem Brief an August Bebel

Als die Matrosen in Kiel rebellieren, die Novemberrevolution ausbricht, steht Eisner in München an der Spitze der Revolution. Am 7. November erklärt er die Wittelsbacher für abgesetzt und ruft den Freistaat Bayern aus.

Eine neue Zeit hebt an! Bayern will Deutschland für den Völkerbund rüsten. Die demokratische und soziale Republik Bayern hat die moralische Kraft, für Deutschland einen Frieden zu erwirken, der es vor dem Schlimmsten bewahrt.

Aufruf Kurt Eisners

Eisner veröffentlicht Dokumente, die zeigen, dass es die Deutschen gewesen sind, die im Sommer 1914 den Krieg provozieren. Das will man im Deutschland der Dolchstoßlegende nicht hören.

König der Juden! Mäßige dich oder verschwinde […] Das deutsche Volk in seiner großen Masse wird dich beseitigen, das kann eine Person erledigen!

Aus einer Postkarte an Kurt Eisner
Ein Kranz und ein Foto des Opfers an der Stelle, an der Eisner 1919 erschossen wurde.
Ein Kranz und ein Foto des Opfers an der Stelle, an der Eisner am 21. Februar 1919 in München erschossen wurde. Bildrechte: dpa

Gut hundert Tage führt Kurt Eisner eine Regierung aus Unabhängigen und Mehrheitssozialdemokraten, unterstützt von Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräten.

Die Landtagswahlen im Januar 1919 werden zum Fiasko. Eisners unabhängige Sozialdemokraten bekommen nicht einmal 3 Prozent der Stimmen. Er zieht die Konsequenzen und will zurücktreten. Mit der Rücktrittserklärung in der Aktentasche verlässt er das Außenministerium. Durch den Haupteingang.

Die radikalen Folgen

Die Ermordung Eisners durch den Grafen Arco radikalisiert München. Eine Räterepublik wird ausgerufen. Erst geführt von anarchistischen Intellektuellen wie Erich Mühsam, Gustav Landauer, Ernst Toller, später von den Kommunisten. Die Niederschlagung der Räterepublik endet in einem Blutrausch mit über 2.000 Toten. Die antisemitische und antikommunistische Stimmung in München ist der Nährboden, auf dem Adolf Hitler agieren wird.

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