Papst Leo X. (1475-1521)
Papst Leo X. (1475-1521) mit den Kardinälen Giulio de Medici und Luigi de Rossi Bildrechte: IMAGO

16. März 1517: Fünftes Laterankonzil des Papstes und der Bischöfe endet Erfolglose Versammlung mit weitreichenden Folgen

"Das Gericht muss im Hause des Herrn beginnen" – ein Bibelwort, mit dem eine Denkschrift vor 500 Jahren versuchte, endlich die fällige Reform der Kirche anzuschieben. Das schien recht praktisch. Denn in Rom tagte unter Aufsicht und Anleitung des Papstes ein Konzil, das fünfte Laterankonzil. Allerdings schafften es die Bischöfe in fünf Jahren nur zu ein paar Reförmchen. Das sollte sich bald rächen. Vor 500 Jahren endete das fünfte Laterankonzil.

von Sven Hecker

Papst Leo X. (1475-1521)
Papst Leo X. (1475-1521) mit den Kardinälen Giulio de Medici und Luigi de Rossi Bildrechte: IMAGO

"Alles schreit: Konzil Konzil!", berichtet – förmlich atemlos – der päpstliche Gesandte nach Rom aus Worms, wo 1521 der Reichstag über die Causa Martin Luther verhandelt. Luther selbst hat mehrfach ein Konzil gefordert. Eigentlich ist das Konzil eine Versammlung der Bischöfe, einberufen und bestätigt vom Papst – so zumindest sieht man es in Rom. Doch Luther will eine Reform der Kirche und dazu ein Konzil – wenn nötig, auch betrieben durch Fürsten und weltliche Stände.

Darum, wo die Not es fordert und der Papst der Christenheit Ärgernis gibt, soll dazu tun, wer am ersten kann als ein treu Glied des ganzen Körpers, das ein recht frei Concilium w(a)er, was niemand so wohl vermag als das weltlich Schwert.

Martin Luther "An den Christlichen Adel deutscher Nation", 1520

Die Ungeduld Luthers hat auch mit dem letzten Konzil zu tun: Dem fünften Laterankonzil.

Päpstliche Erzbasilika San Giovanni in Laterano,
Lateranbasilika San Giovanni in Rom Bildrechte: IMAGO

Fünf Jahre lang (1512-1517) debattieren rund 100 Bischöfe im päpstlichen Palast, dem Lateran in Rom. Der Papst – ab 1513 Leo X. – hat auch den Vorsitz, bestimmt die Geschäftsordnung. Die verabschiedeten Dekrete gelten als päpstliche Bullen. Keine Selbstverständlichkeit: Zuvor waren zwei Konzilien in Basel und Pisa von einem Gegenpapst oder opponierenden Kardinälen einberufen worden. Das Konzil erscheint zunehmend als probates Instrument im Machtkampf. Hubert Jedin schreibt in der "Kleinen Konziliengeschichte":

Vielen, nicht den Schlechtesten, schien eine Kirchenreform ohne Konzil unmöglich. Niemals, meinte der Kartäuser Jakob von Jüterbogk, wird die Kirche durch den Papst allein reformiert werden. […] Andererseits nahm die Abneigung der Päpste gegen die  Veranstaltung von Konzilien deswegen zu, weil die Drohung mit einem Konzil zur geläufigen Waffe der Politik wurde.

Hubert Jedin, Kirchenhistoriker "Kleinen Konziliengeschichte"

Nur ein einziges Dogma verkünden die Kirchenfürsten auf dem Konzil: In einem anhaltend geführten Streit kommen sie zur Ansicht, dass die individuelle Menschenseele unsterblich sei. Auch einige Reformdekrete werden erlassen, unter anderem zum Steuerwesen der Kurie, der Auswahl der Bischöfe, zum Predigtwesen und zur Buch-Zensur. Der noch junge Buchdruck sei ja durchaus eine "segensreiche Erfindung", zum Bildungserwerb zum Beispiel. Doch gleichzeitig zeigt sich Papst Leo besorgt über schlimme Bücher, ...

… in denen Glaubensirrtümer oder gefährliche Lehren enthalten sind oder der christlichen Religion widersprechen.

Papst Leo X.

Deshalb wird die schon existierende Zensur verschärft. Systematisch und präventiv sollte von nun an jedes Druckwerk durch die Kirche kontrolliert und – sofern es keinen ketzerischen Inhalt enthält – genehmigt werden. Unerlaubt gedruckte Bücher hingegen, so das Konzil, seien "zu beschlagnahmen und zu verbrennen". Es sind Maßnahmen, die sich schnell als untauglich erweisen. Denn die Kirchenoberen unterschätzen das neue Medium. Und sie verschlafen zudem das eigentlich brennende Thema ihrer Versammlung: Eine grundlegende Kirchenreform. Historiker Hubert Jedin resümiert:

Aufs Ganze gesehen muss man konstatieren, dass das Konzil gerade gegenüber den schlimmsten Schäden, der Häufung der Pfründen in einer Person, der Vernachlässigung der Residenzpflicht, dem 'laisser faire' so vieler kirchlicher Amtsträger die harte Hand vermissen ließ, ohne die kein Wandel zu schaffen war. Der Zündstoff, der sich zumal im Norden aufgehäuft hatte, wurde nicht entschärft. […] Nicht einmal der bescheidene Inhalt der Lateranensischen Dekrete wurde Leben und Wirklichkeit, weil kein fester Wille vorhanden war, sie konsequent durchzuführen. […] Leo X., der Sohn Lorenzos des Prächtigen, war kein Reformpapst.

Hubert Jedin, Kirchenhistoriker "Kleinen Konziliengeschichte"

So bleiben die Hoffnungen unerfüllt, als das fünfte Laterankonzil im März 1517 zu Ende geht. Wenige Monate später setzt Martin Luther mit seinen 95 Thesen die geforderte Reform in Gang, ganz ohne Konzil.

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2017, 00:00 Uhr

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