Gemälde
Salonkultur: Marie von Schleinitz im Kreise von Berühmtheiten wie Richard Wagner, Franz Liszt u.a. Bildrechte: IMAGO

18.05.1912: Marie von Schleinitz-Wolkenstein gestorben "Ihr Salon bleibt ein wahres Kunstwerk"

von Thomas Hartmann

Gemälde
Salonkultur: Marie von Schleinitz im Kreise von Berühmtheiten wie Richard Wagner, Franz Liszt u.a. Bildrechte: IMAGO

Die einzige elegante Frau, welche ich hier kenne, ist Frau von Schleinitz, die aussieht, wie aus einer anderen Welt.

Anna von Helmholtz

"Hier", das meint Berlin. Es ist also ein wenig schmeichelhaftes Urteil für die Berlinerinnen, gefällt von der Salonniére Anna von Helmholtz. Dafür ein umso freundlicheres über Marie von Schleinitz.

Marie von Schleinitz, berichtet Petra Wilhelmy in "Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert", erblickt 1842 in Rom das Licht der Welt, als Tochter des preußischen Ministerpräsidenten. Die Klavierspielerin schließt anfangs der 1860er-Jahre mit Paris Bekanntschaft, 1865 ehelicht sie den preußischen Minister des Königlichen Hauses, Alexander Freiherr von Schleinitz, der sich ab 1879 Graf nennen darf. Noch im ersten Ehejahr eröffnet Marie von Schleinitz ihren Salon. Berlin bietet für ein solches Vorhaben in ihren Augen ideale Möglichkeiten:

Wo gibt es anderswo diese geistige Anregung, dieses gehaltvolle Leben, diese wertvollen Menschen?

Marie von Schleinitz

Der Salon der Marie von Schleinitz avanciert zu DEM Treffpunkt der Berliner Gesellschaft. Wegen der Gastgeberin, deren geistige Anmut, Bildung, Witz und Liebenswürdigkeit gerühmt werden. Aber nicht minder wegen seiner Gestaltung und seiner Atmosphäre.

Ihr Salon bleibt ein wahres Kunstwerk, ich habe nie etwas Ähnliches von Arrangement und Farbenwirkung gesehen, dabei so behaglich.

Anna von Helmholtz
Anton Rubinstein
Auch der russische Komponist Anton Rubinstein verkehrte im Salon der Marie von Schleinitz Bildrechte: IMAGO

Und Botschafter Joseph Maria von Radowitz fühlt sich an einen Ort versetzt, der "… alle Eleganz des vornehmen Lebens mit Anregungen auf geistigem und künstlerischem Gebiet zu vereinigen wusste."

Wilhelm I., sein Sohn Friedrich Wilhelm und dessen Gemahlin Viktoria, der Maler Adolph von Menzel, die Musiker Richard Wagner, Franz Liszt und Anton Rubinstein, die Historiker Leopold von Ranke und Theodor Mommsen oder der Physiker Hermann von Helmholtz - sie alle zählen zur illustren Schar der Gäste.

Der Schriftsteller und Journalist Fedor von Zobeltitz konstatiert:

In der scharf bureaukratischen Luft der Hauptstadt hielt man bis zum französischen Feldzuge auf Absonderung der Kasten und standesgemäße Gliederung. Der Schleinitzsche Salon war eigentlich der erste, der mit seiner gesellschaftlichen Zusammensetzung eine Bresche in die Vorurteile legte.

Fedor von Zobeltitz

Keine Politik!

Kraft ihrer Rolle verfügt Marie von Schleinitz über großen Einfluss. Richard Wagner, für den sie sich vehement einsetzt, profitiert zum Beispiel. Und obwohl die Gastgeberin von Politik in ihrem Salon nichts wissen will, er gilt doch als gegen Bismarck gerichtet. Denn zu deutlich ist das Kontrastprogramm: Hier befindet Maximiliane Gräfin von Oriola "…  die gepflegte, von feinster Kultur und Kunst erfüllte Geselligkeit in den schönen Räumen des Hausministeriums, da die fast spartanische Einfachheit der Bismarckschen Häuslichkeit.

Doch dann schließt der Salon seine Pforten. Nach dem Tod des Gatten 1885 und einer Neuvermählung verlässt die Gräfin, nunmehr Gräfin von Wolkenstein-Trostburg, Berlin. Ist aber ab 1903 wenigstens im Winter wieder da - denn endgültig loslassen von Berlin, das mag sie nicht wirklich.

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2017, 00:00 Uhr

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