Portrait de Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592)
Porträt des Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592) Bildrechte: IMAGO

13. September 1592: Michel de Montaigne stirbt Der Erfinder des Essays

von Hartmut Schade

Portrait de Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592)
Porträt des Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592) Bildrechte: IMAGO

Michel de Montaignes Tod kommt während einer Messe. Ein wenig Halsschmerzen, dann ist es vorbei.

Falls ihr nicht zu sterben versteht - keine Angst! Die Natur wird euch...schon genau sagen, was ihr zu tun habt, und die Führung der Sache voll und ganz für euch übernehmen; grübelt also nicht darüber nach.

Michel de Montaigne

Die Natur kommt in Montaignes Fall in Form des Diphteriebakteriums und beendet so nach 59 Jahren ein außergewöhnliches Leben.

Es ist ein Leben, das in seiner ersten Phase das gewöhnliche eines französischen Edelmanns war. Nach dem Studium wird er Richter, gibt das Amt 1571 an seinem 38. Geburtstag auf und zieht sich zurück in den Turm seines Schlosses Montaigne.

Um in Ruhe und aller Sorgen ledig […] den kleinen Rest seines schon zum großen Teil verflossenen Lebens zu vollenden.

Michel de Montaigne

Doch rechte Ruhe kommt nicht auf in seiner Bibliothek. Sein ruheloser Geist macht ihm da einen Strich durch die Rechnung.

Statue de Michel de Montaigne (1533-1592)
Michel de Montaigne Bildrechte: IMAGO

Ich finde […],dass er im Gegenteil wie ein entlaufener Hengst sich selber hundertmal mehr Plackerei macht, als er je für andere auf sich nahm; und heckt mir soviele Fabelwesen und phantastische Ungeheuer aus […], ohne alle Ordnung und Zusammenhang, dass ich, um sie in Ihrer Verschrobenheit und Wunderlichkeit in aller Ruhe betrachten zu können, über sie Register zu führen begonnen habe.

Michel de Montaigne

Es ist der Startschuss für seine "Versuche" - "Essais", wie er seine Texte nennt. Querbeet geht es da: Texte über Alpträume, Ärzte, Krieg und Frieden stehen neben Betrachtungen über Amerika oder ausgefallene Zähne.

Das natürliche Ende seiner Zeit war erreicht. Wie dieser Teil von mir sind auch manch andere bereits tot, wieder andere halbtot […] so schwinde ich dahin und entgleite mir.

Michel de Montaigne

Nach zehn Jahren der Ruhe und des Schreibens treiben Neugier und Nierensteine Montaigne nach Italien. Die Reise in die Badeorte liefert ihm den Stoff für sein zweites großes Werk: Das "Tagebuch einer Reise durch Italien, die Schweiz und Deutschland".

Darum ist der Umgang mit Menschen von so außerordentlichem Nutzen und das Reisen in fremde Länder. Nicht, dass man nach Art unseres französischen Adels heimbringt, wieviel Schritte im Umfang die Santa Rotonda hat […] oder wie fein die Leibwäsche der Signora Livia sei, sondern um den Charakter und die Lebensart dieser Nationen kennenzulernen, damit wir unsern Geist an dem ihren reiben und feilen.

Michel de Montaigne
Wasserschloss und Wohnort des Schriftstellers Michel de Montaigne
Schloss Montaigne, Wohnort des Schriftstellers Bildrechte: IMAGO

Mitten auf der Italienreise ereilt ihn die Nachricht vom Ende seines Ruhestandes. Die Bürger von Bordeaux wählen ihn zum Bürgermeister. Ein Himmelfahrtskommando. In Frankreich tobt ein blutiger Bürgerkrieg zwischen den Anhängern des Protestanten Heinrich von Navarro und dem katholischem König Heinrich III. Ein Krieg, der in der Bartholomäusnacht kulminieren wird. Montaigne gelingt es, sich und die Stadt weitgehend aus den Streitigkeiten herauszuhalten.

Ich […] verwende mein ganzes bisschen Klugheit allein hierauf: dass sie meiner Freiheit, zu kommen und zu gehen, keinen Abbruch tun.

Michel de Montaigne

So steht es fast ganz am Ende von Michel de Montaignes "Essais", die weit mehr sind als nur Versuche. Montaigne setzt als Begründer der literarischen Gattung der Essays einen Maßstab, den nur wenige seiner Nachfolger übertreffen.

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