Panzer vor dem griechischen Parlamentsgebäude am Syntagma Platz in Athen. Am 21.04.1967 haben rechtsextreme Offiziere die Macht in Griechenland übernommen und eine Militärdiktatur errichtet
Panzer vor dem griechischen Parlamentsgebäude am Syntagma Platz in Athen. Am 21.04.1967 haben rechtsextreme Offiziere die Macht in Griechenland übernommen und eine Militärdiktatur errichtet. Bildrechte: dpa

21. April 1967: Militärputsch in Griechenland Ein Regime fesselt und knebelt die Wiege der Demokratie

von Thomas Hartmann

Panzer vor dem griechischen Parlamentsgebäude am Syntagma Platz in Athen. Am 21.04.1967 haben rechtsextreme Offiziere die Macht in Griechenland übernommen und eine Militärdiktatur errichtet
Panzer vor dem griechischen Parlamentsgebäude am Syntagma Platz in Athen. Am 21.04.1967 haben rechtsextreme Offiziere die Macht in Griechenland übernommen und eine Militärdiktatur errichtet. Bildrechte: dpa

Nagelstiefel auf Asphalt, das metallene Geräusch beim Durchladen von Maschinenpistolen, das Grollen von Panzermotoren, Schüsse - das sind die Geräusche vom Tage.

Thilo Koch

Dies berichtet der Journalist Thilo Koch im April 1967 aus Athen: Militärs haben sich in der Nacht vom 20. zum 21. an die Macht geputscht. Sie installieren ein Regime, das einsperrt und foltert, das Miniröcke für Mädchen untersagt und lange Haare für Männer und seine Bürger zwingt, jeden Besuch innerhalb von zwei Stunden zu melden. Der führende Kopf dieses Staatsstreiches, Georgios Papadopoulos, rechtfertigt diese Maßnahmen in Griechenland mit einem Gleichnis:

Wir haben es mit einem Kranken zu tun, den wir auf den Operationstisch gelegt haben. Und wenn der Chirurg den Patienten während der Operation nicht auf dem Operationstisch festbindet, kann es geschehen, dass er ihn, statt seine Gesundheit wiederherzustellen, in den Tod führt. Damit er die Operation gefahrlos übersteht, müssen wir ihn fesseln.

Georgios Papadopoulos

Wenige Wochen nach dem gewaltsamen Vorgehen der Militärs schreibt der Spiegel: An der Peripherie Europas war geschehen, was seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch in Afrika oder Lateinamerika möglich schien: Ein Militärputsch von rechts reihte das Mutterland der Demokratie in den politischen Entwicklungsstand Dahomeys und Guatemalas ein...

Die Vorgeschichte zum Putsch

Wenige Jahre zuvor. Die Zentrumsunion siegt in den Wahlen vom November 1963 und vom Februar 1964. Deren Chef, Georgios Papandreou, verfolgt weitreichende Reformideen: Seine Pläne umfassen Mindestlöhne, sehr viel höhere Stipendien, eine Armenversorgung, unabhängige Gewerkschaften, den Bau von Sozialwohnungen, den Kampf gegen die Korruption und die Umstrukturierung der Verwaltung. Das Ganze ist eine "Kampfansage an die Konservativen", schreibt Heinz A. Richter in "Geschichte Griechenlands im 20. Jahrhundert", und als solche empfindet das auch König Konstantin. Richter schreibt:

Der König betrachtete die gesamte Linke als eine gefährliche Bande von Verbrechern. Die Forderung nach einer demokratischen Kontrolle über die Armee war für ihn eine kommunistische Verschwörung mit dem Ziel, ihn zu stürzen.

Heinz A. Richter

Konstantin inszeniert schließlich einen Konflikt zwischen sich und Papandreou, der zum Rücktritt des Premiers führt. Dies stürzt Griechenland in eine politische Dauerkrise mit ständig wechselnden Regierungen und Massendemonstrationen für die Demokratie. Wahlen im Mai 1967 sollen diesen Zustand beenden – doch aussichtsreichster Kandidat ist wiederum Papandreou. Und darum schlagen die Putschisten zu.

Bis 1974 herrscht das Militär in Griechenland. Am Ende des Regimes steht wiederum ein Putsch. Der Versuch, Zyperns Staatschef wegzufegen, wendet sich nach dem Eingreifen der Türkei gegen die griechischen Machthaber: sie müssen gehen.

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 11:30 Uhr

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