Naturtrübes Pils wird aus einer Bierflasche in ein Bierglas geschüttet.
Das Pils ist auch 175 Jahre nach seiner Erfindung noch äußerst beliebt. Bildrechte: dpa

11. November 1842: Erstmals Bier nach Pilsner Brauart ausgeschenkt Prost! Das Pils ist erfunden

Wer hat's erfunden? Das ist in diesem Fall eigentlich klar, war aber dennoch lange nicht allzu bekannt. Oder wissen Sie auf Anhieb, welcher nicht hoch genug einzuschätzende Verdienst einem Mann namens Josef Groll zukommt? Es ist das Pils, genauer: das Bier Pilsner Brauart. Erfunden von Josef Groll in einer bayrisch-böhmischen Gemeinschaftsproduktion. Und erstmals ausgeschenkt vor 175 Jahren am 11. November 1842. Prost!

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Naturtrübes Pils wird aus einer Bierflasche in ein Bierglas geschüttet.
Das Pils ist auch 175 Jahre nach seiner Erfindung noch äußerst beliebt. Bildrechte: dpa

Die Geschichte beginnt in Vilshofen: 1813 kommt hier Josef Groll zur Welt. Als Sohn eines Brauereibesitzers sind Hopfen und Malz für eine andere Karriere im Prinzip von Anfang an verloren. Er erlernt das Handwerk des Braumeisters. Allerdings – sein Name ist wohl Programm: Groll wird als charakterlich schwierig beschrieben.

"Mit seinem Vater hat er sich wohl nicht sehr gut verstanden", berichtet der Vilshofener Heimathistoriker Ludwig Maier. Und der Vater selbst bezeichnet Josef als "den gröbsten Baier in Baiern". Und das will dort ja etwas heißen. Der jüngere Bruder Johannes wird später die väterliche Brauerei übernehmen. Josef aber zieht über die Grenze, ins Böhmische.

Bier-Unmut in Pilsen

Hier, in Pilsen, gibt es von alters her über 250 brauberechtige Bürger. Sie stellen ein dunkles, trübes Bier her, das den Pilsenern allerdings immer weniger schmeckt. Was auch darin liegen kann, das es obergärig ist und nicht allzu lang haltbar. 1838 ist offenbar das Maß voll. Nun gärt es auf der Straße. Die Pilsener stürmen Brauhäuser, lassen 36 Fässer mitgehen oder besser: Rollen und kippen die ungeliebte Plörre schließlich auf den Platz vor dem Dom. Ihre Forderung passt auf jeden Bierdeckel:

Vor allem anderen braucht Pilsen ein gutes und preiswertes Bier!

Václav Mirwald, Wirt in Pilsen, 1838

Die Stadtoberen zeigen sich einsichtig: Ein neues Brauhaus wird gebaut und externe Kompetenz eingekauft – aus Bayern. Es ist Joseph Groll, der hier Anfang Oktober die Maische für den ersten Sud herstellt. Mit einer neuen Zusammensetzung. Statt wie üblich dunkles Malz verwendet Groll nur leicht geröstetes und deshalb helles Malz. Der Greizer Bier-Experte Michael Rudolf schreibt:

Die Würze aus hellem, böhmischem und mährischem Malz, Hopfen aus Žatec – zu deutsch: Saaz – gleich um die Ecke und sammetweichem Plzener Wasser explodierte tausendmal pro Hundertstelsekunde. In den darauffolgenden Wochen kühlte das neue Universum immens ab, um stürmisch mit untergäriger Hefe zu gären, um reifen zu können und sich zu klären.

Michael Rudolf, Bier-Experte aus Greiz

Pilsener Urknall

Heraus kommt, was wortgewandte Kenner auch als "Pilsener Urknall" beschreiben. Ein neuartiges Bier. Nicht mehr dunkel, trüb und übelschmeckend, sondern kupfer-golden, klar und köstlich, gekrönt von einem zarten Häubchen schneeweißen Schaums. Groll verbindet sein bayrisches Brauerei-Können mit den famosen böhmischen Zutaten. Wobei Lothar Ebbertz vom Bayerischen Brauerbund eine besonders heraus hebt.

Groll hat bei seiner Brauweise den Hopfen als Aromastoff in den Vordergrund gerückt.

Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes

Dies vor allem sei Grolls "historische Leistung" gewesen. Ob das den Premieren-Trinkern bewusst gewesen ist? Am Martinstag 1842 wird das Bier erstmals ausgeschenkt – in drei Pilsener Wirtshäusern. Die Notiz eines zeitgenössischen Genießers ist überliefert.

Welche Bewunderung brachten wir dem glitzernden Gold im Glas entgegen, gekrönt von einer schneeweißen Blume! Und wie erfreuten wir uns am frischen, unvergleichlichen Geschmack, der alle bisherigen Biere übertrifft!

Notiz eines zeitgenössischen Genießers

Das Bier nach "Pilsner Brauart", erfunden von einem Bayern. Allerdings dauert es noch ein Weilchen mit dem Weltruhm. Als der einsetzt, ist der Erfinder allerdings schon lange wieder in seiner niederbayrischen Heimat. Nach drei Jahren war Josef Grolls Vertrag nicht verlängert worden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 11. November 2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2017, 00:00 Uhr

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