Leo G. Carroll in einer Szene des Films
Die Riesenspinne in "Tarantula" ist das Ergebnis wissenschaftlicher Experimente, die außer Kontrolle geraten. Bildrechte: IMAGO

17. März 1992: Regisseur Jack Arnold gestorben Riesenspinnen und Gefahren aus dem Weltall

von Thomas Hartmann

Leo G. Carroll in einer Szene des Films
Die Riesenspinne in "Tarantula" ist das Ergebnis wissenschaftlicher Experimente, die außer Kontrolle geraten. Bildrechte: IMAGO

Helen Dobson, gespielt von Lori Nelson, ist wenig angetan von dem Geschehen in "Die Rache des Ungeheuers" von 1955: Der Kiemenmensch klemmt sie sich unter den Arm und schreitet mit der permanent Schreienden von dannen. Ihre mangelnde Begeisterung – durchaus nachvollziehbar.

Aber nicht minder kann man den Kiemenmenschen verstehen. Denn dem vermeintlichen Monster, das vorrangig im Wasser lebt, wurde viel ärger mitgespielt. Es wurde à la King Kong aus seinem natürlichen Umfeld entführt, gefangen gehalten, als biologische Kuriosität ausgestellt, man hat es abzurichten versucht. Im Grunde dreht der Kiemenmensch den Spieß nur um. Regisseur Jack Arnold nennt ihn deshalb, gern und freundlich, "Kleines Biest":

Es wollte keine Unruhe stiften, aber es wurde angegriffen und musste sich verteidigen. Wir alle sind fähig zu Gewalttaten, wenn wir nur genügend provoziert werden, und weiß Gott: wir haben sie ja auch begangen.

Jack Arnold

Die 50er-Jahre: Hochzeit des Kalten Krieges, Hochzeit des Ost-West-Konfliktes. Eine Situation, die sich auch im US-amerikanischen Science Fiction- und Horrorfilm dieses Jahrzehnts niederschlägt. In "Kampf der Welten" nach H. G. Wells drohen Marsianer die Bevölkerung der Erde auszulöschen, "Das Ding aus einer anderen Welt" hegt gleichfalls keine guten Absichten. Wenn es nach dem Trailer geht, scheint sich Jack Arnold mit "Gefahr aus dem Weltall" von 1953 da gut einzufügen. Nur liefert der Regisseur alles andere als einen Invasionsfilm ab:

Unsere Geschichte handelte von Aliens, die auf der Erde landen und wieder wegzukommen versuchen, weil die Menschen noch nicht reif sind für eine Begegnung mit ihnen. Der Kern der Geschichte war, dass wir, die Menschen, alles sofort hassen, das irgendwie anders ist als wir.

Jack Arnold

Jack Arnold agiert bei "Gefahr aus dem Weltall" wie bei "Die Rache des Ungeheuers": Die Bedrohung rührt ursächlich nicht vom Fremden her. Der Mensch erschafft das Bedrohliche. Selbst im Monster-Movie "Tarantula".

Äußerlich scheinen Gut und Böse klar verteilt: hier die mordende Riesenspinne – da ihre Opfer. Nur: Das Monster entkommt aus einem Labor, ist das Resultat von Experimenten, und das kann man wohl kaum der Spinne in die Schuhe schieben - oder besser an die acht Beine heften. Zehn Jahre nach Hiroshima wird hier das Verantwortungsbewusstsein des Wissenschaftlers hinterfragt.

Eine Geschichte, die keine Stellung bezieht, ist keine sehr gute Geschichte.

Jack Arnold

Der Regisseur hat in den 50er-Jahren einige außerordentliche Genrefilme für den phantastischen Bereich abgeliefert: Die bereits erwähnten, dazu etwa "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C." oder "Der Schrecken vom Amazonas". Außerordentlich sind sie vor allem wegen ihrer Message: Es ist müßig, immer auf die anderen zu verweisen, wenn man von Bedrohung spricht. Beginnen muss man bei sich selbst.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 17.03.2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2017, 00:00 Uhr

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