Tadeusz Kościuszko
Bildrechte: IMAGO

15. Oktober 1817: Tadeusz Kościuszko gestorben Mehr Freiheit wagen

von Thomas Hartmann

Tadeusz Kościuszko
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Die Polen betrachten sich all als seine Kinder. Sie umgaben ihn mit Liebe und Stolz. Groß an der Spitze der Armee, bescheiden im häuslichen Kreis, furchterregend im Kampf, menschlich und wohltätig den Besiegten gegenüber, war er unübertroffen in seiner Vaterlands- und Freiheitsliebe, die er niemals durch eine unedle Tat entehrte.

Marquis de Lafayette

Mit diesen Worten verabschiedet Marie-Joseph Motier, Marquis de Lafayette, den am 15. Oktober 1817 in der Schweiz verstorbenen Tadeusz Kościuszko. Beide haben sie im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft und sich dabei hohes Ansehen verdient.

Wie wird man ein Nationalheld?

Kościuszko erblickt in Mieračoŭščyna das Licht der Welt. Heute befindet sich der Geburtsort in Weißrussland, 1746 zählt er zu Polen-Litauen. Kościuszkos Familie, schreibt Biograph Urs Scheidegger, gehört dem Kleinadel an. Ab 1765 besucht er die Kadettenschule in Warschau und setzt seine Studien anschließend in Paris fort. Es sind wohl auch unglücklich verlaufende Herzensangelegenheiten, die dazu führen, dass Kościuszko Europa verlässt und sich dem Heer der um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Kolonisten in Nordamerika anschließt. Aber vor allem ist es seine Überzeugung.

Der erste Schritt, das Joch der Knechtschaft abzuschütteln, besteht darin, die Freiheit zu wagen.

Tadeusz Kościuszko

Kościuszko bewährt sich unter anderem als Festungsbaumeister. Er bringt es bis zum Brigadegeneral, und die Wertschätzung ihm gegenüber wird mit Auszeichnungen, Land und Geld zum Ausdruck gebracht. Er befreundet sich mit dem späteren Präsidenten Thomas Jefferson. Und 1854 stellt die Zeitschrift "Die Gartenlaube" die dem General zu Ehren errichtete Kościuszko-Säule am Hudson vor:

Das einfache Monument steht auf einem an dem majestätischen Strome vorspringenden Felshügel; durch Gebüsch und Wiesen hin windet sich der schmale Pfad nach dem Denkmale zu, auf dem man die Worte liest: 'Kosciuszko, dem Helden zweier Welten'.

Zitat aus "Die Gartenlaube"

Unabwendbar: die Aufteilung seiner Heimat

Von weitaus weniger Erfolg ist Kościuszkos Engagement in der Heimat gekennzeichnet. Sicher, es ist leicht, auf seinem Gut die körperliche Züchtigung zu verbieten. Doch trotz seiner Fähigkeiten kann er eine Niederlage im russisch-polnischen Krieg von 1792 nicht verhindern, zu groß ist die Übermacht - und auch die damit verbundene weitere Aufteilung Polens zwischen Russland und Preußen muss er hinnehmen. Der von Kościuszko bald darauf geführte und nach ihm benannte Aufstand von 1794 schlägt trotz anfänglicher Siege letztlich fehl. Und nach diesem sind sich Russland, Preußen und Österreich einig, Polen endgültig von der Landkarte zu tilgen.

Was mich betrifft, ich ziehe mich in die Schweiz zurück, da ich meinem Vaterlande nicht mehr nützlich sein kann ...

Tadeusz Kościuszko

... schreibt er 1815. Polen hat er bis dato nicht mehr gesehen. Nach seiner Gefangennahme im Kościuszko-Aufstand und seiner Freilassung 1796 lebt er im Exil. Mit dem Weg in die Schweiz beginnt sein letzter Lebensabschnitt. Die Schweizer, das sind in den Augen des Polen zwar nur "Egoisten" und "Bären voller Stolz" – aber anders als die Menschen in seiner Heimat, sind sie frei.  

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2017, 00:00 Uhr

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