Ein Foto mit dem Porträt des Dichters Theodor Storm hängt in Husum im Archiv des Theodor-Storm-Hauses.
Theodor Storm Bildrechte: dpa

14. September 1817: Theodor Storm geboren "Mir ist, als schiede ich von einer zweiten Heimat"

von Thomas Hartmann

Ein Foto mit dem Porträt des Dichters Theodor Storm hängt in Husum im Archiv des Theodor-Storm-Hauses.
Theodor Storm Bildrechte: dpa

O Heil'genstadt, du heil'ge Stadt / Die Dichter in den Mauern hat, / Nicht bändereiche, nicht enorme / Doch Storm und seine kleinen Storme, / O Heil'genstadt, beschütz den Mann, / Dass er noch vieles dichten kann.

Theodor Fontane
Theodor-Storm-Museum in Heiligenstadt
Das Theodor-Storm-Museum in Heiligenstadt Bildrechte: IMAGO

Ganz augenscheinlich wird hier jemand auf den Arm genommen. Und der Empfängers dieses Versleins ist: Theodor Storm. Absender ist kein anderer als Theodor Fontane und sein "Werk" klingt so, als sei er davon überzeugt, er habe es mit seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort besser getroffen. Aber mal ehrlich: was ist London schon gegen Heiligenstadt.

Storm trifft 1856 in Heiligenstadt ein. Nicht unbedingt kann man von Liebe auf den ersten Blick sprechen. Aber unzufrieden ist er auch nicht:

Das Ganze hier macht mir trotz der Ärmlichkeit keinen üblen Eindruck, die Berge gucken überall in die Stadt; es muss sich im Sommer hier angenehm im Freien und Winters recht heimlich in den Stuben leben lassen.

Theodor Storm

Theodor Storm kommt als Kreisrichter nach Heiligenstadt

Es ist nicht das Dichterhandwerk, das Storm an seinen neuen Wohnort führt, sondern das Amt als Kreisrichter. Ein Amt, das in seinen Augen eine bessere Entlohnung verdient, als er erhält.

Dass ich trotz alledem wie ein Arbeiter von der Hand in den Mund leben muss und der letzte Groschen glücklichsten Falles am Tage vorher ausgegeben, wenn Tags darauf der neue angelangt ist, ist unglaublich drückend. Ich habe nur den Trost, dass ich an diesen Verhältnissen keine Schuld trage und dass ich sie beim besten Willen nicht ändern kann.

Theodor Storm
Theodor-Storm-Denkmal
Theodor-Storm-Denkmal in Heiligenstadt Bildrechte: IMAGO

Die Politik verschlägt den Husumer ins Eichsfeld.

Storm hat die schleswig-holsteinischen Unabhängigkeitsbestrebungen vom dänischen Königshaus unterstützt – das kostet ihn die Zulassung als Anwalt.

Die wenig geliebten Preußen stellen den dichtenden Juristen an und schicken ihn nach Heiligenstadt. Nunmehr gilt es für ihn, Justiztätigkeit und Literatur unter einen Hut zu bekommen.

Nicht leicht für Storm. Sicher erkennt er schon mal an, dass die praktische Arbeit ein guter Ausgleich für seine Ausflüge in die Phantasie wäre, aber immer wieder bricht es aus ihm heraus:

Ich fühle jetzt recht, welchen Abscheu ich vor meinen amtlichen Geschäften habe; wenn ich nur daran denke, schrecke ich innerlich zusammen.

Theodor Storm

Dennoch: Storm fühlt sich mit der Zeit sehr, sehr wohl in Heiligenstadt. Er lernt Freunde kennen, ruft einen Gesangsverein ins Leben, recht gesellig geht es zu.

1864 bricht der Deutsch-Dänische Krieg aus, und der verändert die Verhältnisse in Storms Heimat. Die Dänen verlieren, räumen das Feld, und Husum beruft den Dichter zum Landvogt, erzählt Biograph Hartmut Vincon. Das Exil hat ein Ende, und Storm geht gern. Der Abschied von Heiligenstadt aber, der schmerzt dennoch.

Als wir aus Heiligenstadt fortfuhren, erhielten wir aus den Fenstern noch manchen Gruß mit wehenden Schnupftüchern. Mir ist, als schiede ich von einer zweiten Heimat.

Theodor Storm

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 14. September 2017 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 00:00 Uhr

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