Kraftwerk Dresden Mitte
Bildrechte: IMAGO

Rundgang durch das neue Kraftwerk Mitte Licht + Wärme = Theater

In Dresden wird am Freitag das neue Kulturzentrum "Kraftwerk Mitte" feierlich eröffnet. Damit haben die Staatsoperette und das Theater Junge Generation eine neue Heimat. Folgen Sie uns auf einem ersten Rundgang durch das Gebäude!

von MDR KULTUR-Redakteur Stefan Petraschewsky

Kraftwerk Dresden Mitte
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Die allerersten überhaupt gesprochenen Worte sind uns überliefert: "Es werde Licht!" Jahrmillionen später lässt Mozart singen: "Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht!" Mozarts "Zauberflöte" huldigt der Aufklärung. Wo Licht ist, klärt sich vieles auf. Die dunklen Dämonen müssen weichen. Und wenn man die Dinge im Licht dann auch noch benennt und infolgedessen unterscheiden kann, wie es uns Gott in der Bibel vorführt, wird vieles logisch.

Es liegt also auf der Hand, dass Kraftwerke, die einst Licht und Wärme erzeugten, zu neuem Leben erweckt werden können, indem sie in Sprech- und Singkraftwerke umgebaut werden. Man nennt sie dann Theater. Und sie stehen allerorten. In Weimar hat das Deutsche Nationaltheater seit etwa 15 Jahren ein ehemalige "E-Werk" zur Spielstätte erkoren. In den 90er-Jahren wurde schon im Leipziger "Naundörfchen", einem Elektro-Umschaltwerk, gespielt. In Altenburg in Thüringen wurde das ehemalige Heizhaus des Theaters in eine Studiobühne umgebaut: 15 mal 15 Meter Spielraum für die experimentelle Form. Das Kulturkraftwerk in Dresden ist da deutlich größer. Hier kommt aber auch ein historisches "Lichtwerk" mit einem Heizkraftwerk zusammen.

Galerie Impressionen aus dem neuen Kraftwerk Mitte Dresden

Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Das Kraftwerk Mitte hat Strahlkraft auf die Umgebung. Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Das Kraftwerk Mitte hat Strahlkraft auf die Umgebung. Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Die neuen architektonischen Elemente passen sich durch reduzierte, funktionale Art dem Industrie-Stil an. Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Eine Sandstein-Plastik im Foyer Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Auch die Beschilderung passt ins Gesamtbild Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Der Eindruck täuscht: Es gibt im tjg-Saal auch weniger patriotisch wirkende grüne und weiße Stühle. Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Ein Nachbau des Kraftwerk-Schaltraums auf der Bühne Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Blick von außen in die Werkstätten Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Die Fassade macht Eindruck Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Das Bistro Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Wie heißt es immer so schön? "Für das leibliche Wohl ist gesorgt" Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky
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Eine Führung durchs Haus

Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Eine Sandstein-Plastik im Pausenfoyer Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky

Ich war zufällig da. Vor knapp einer Woche. Und konnte mich einer Führung anschließen. Ich sah letzte Restarbeiten am Tresen im Pausenfoyer, in dem auch fünf Männer dabei waren, eine Sandsteinplastik aufs Podest zu hieven. Das erinnerte mich - merkwürdigerweise, denn ein Unterschied ist doch da?! - an das berühmte Foto, das Joe Rosenthal von US-Soldaten nach ihrem Sieg auf der Pazifikinsel Iwo Jima geschossen hatte. Die Plastik stammt übrigens aus dem kriegsbeschädigten, dann abgerissenen Albert-Theater, das in der Dresdner Neustadt am Albertplatz stand.

Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky

Das Theater Junge Generation nimmt seinen Neubau in Besitz und zeigt am Eröffnungswochenende in acht Premieren, was das neue Haus alles kann. Heike Schwarzer war bei den Proben.

MDR KULTUR - Das Radio Do 15.12.2016 18:05Uhr 04:09 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Im großen Saal der Staatsoperette wurde noch für die Eröffnungspremiere geprobt: "Orpheus in der Unterwelt", der Klassiker von Jacques Offenbach. Dort durfte man nicht stören. Im großen Saal des tjg, des Theaters Junge Generation, war aber gerade Probenpause. Und für alle, die die großen Säle verwechseln könnten, hier die klärende Info: Die Sitze in der Operette sind schwarz, und im tjg sind sie bunt. Vielleicht, weil Kinderspielzeug auch bunt ist. Ganz subtil vermittelt das Design des Gestühls aber auch Vaterlandsliebe. Immer wieder ergeben sich Sitzkombinationen in Schwarz-Rot-Gold. Was ist hier eigentlich mit Weiß und Grün?

Kraftwerk Dresden Mitte
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Das neue Kulturareal im Kraftwerk Mitte in Zahlen und Fakten - Birgit Fritz hat sie zusammengestellt.

MDR KULTUR - Das Radio Do 15.12.2016 18:05Uhr 02:36 min

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Zurück ins Foyer. Den Baumeistern ist hier für meinen Geschmack Großartiges gelungen. Mich beeindruckt, wie die alte Industriearchitektur aus Stahlträgern und Ziegelsteinen quasi überschrieben wird. Der Einbau der kleinen Bühnen, des Treppenhauses, des Kassenschalters, der Garderoben und Toiletten in die entkernte historische Werkshalle ist einerseits auffällig anders durch die Materialien Glas und Beton, andererseits trotzdem angepasst durch seine funktionale, reduzierte Art, in der die Baustile früher und heute übereinstimmen.

Highway to ...

Hinter einem Fenster hängen Stabpuppen in einer Werkstatt
Blick von außen in ein Requisitenlager Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky

Am großartigsten aber ist das Kulturkraftwerk mit seiner Schaufassade. Als ob man das Theater ins Schaufenster eines Warenhauses stellen würde. Besser kann Werbung nicht sein. Die Werkstätten hinter den großen Fenstern strahlen ihre Kreativenergie förmlich auf die Straßen ab. Zu sehen sind Leuchtreklamen "Highway to ..." oder Requisitenlager mit Stabpuppen. Das alles wirkt in der dunklen Jahreszeit natürlich ganz besonders: wie ein weihnachtlicher Märchenwald der anderen Art. Es fügt sich gut, dass die Eröffnung des Kulturkraftwerks in der dunklen, verregneten Jahreszeit stattfindet. Es leuchtet umso mehr. Und der Effekt verdoppelt sich noch in den Pfützen.

Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
Ein Nachbau des Kraftwerk-Schaltraums auf der Bühne Bildrechte: MDR/Stefan Petraschewsky

Die Idee des Kulturkraftwerks - die Formel, dass aus Licht und Wärme irgendwann Theater wird - diese Idee muss am Ende wohl so umwerfend gewesen sein, dass die Theatermacher vom tjg gleich zur Eröffnung den Schaltraum des Kraftwerks auf der Bühne nachgebaut haben. Auf der Tour durch das Gebäude durften wir schon einen Blick in dieses Energiezentrum werfen. In gewisser Weise wird mit dieser Rauminstallation auch der Strom- und Heizkreis aus Vergangenheit in Zukunft und wieder zurück in die Vergangenheit geschlossen.

Einen Vergewisserungs-Installationsraum könnte man ihn auch nennen, um Fragen zu stellen: Wie ist das mit den Energien, die hier aus dem Kraftwerk unters Volk gebracht wurden und werden? Wie ist auch die Rolle des Theaters definiert, das in einem ehemaligen Kraftwerk ein neues Zuhause findet? Kann man daraus bestimmte Gesetzmäßigkeiten künftigen Agierens ableiten? Die Junge Generation sucht hier also ihren ureigensten Generator!

Jeder Regisseur wird begeistert sein

Das neue Kulturkraftwerk Dresden - Impressionen.
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Um die Theaterneubauten im Kraftwerk Mitte ist noch viel Platz für andere Kreative. Werden die kommen? Lucas Görlach hat sich vor Ort umgehört.

MDR KULTUR - Das Radio Do 15.12.2016 18:05Uhr 03:59 min

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Das sind so Fragen. Und Wege. Und eines ist schon klar. Jede Regisseurin und jeder Regisseur wird von diesem Kulturkraftwerk in Dresden so begeistert sein, dass sie oder er zwangsläufig auf den Gedanken kommen wird, das Theater von der Bühne in den ganzen Raum zu bringen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Der Letzte schaltet das Licht aus - das war so, als das tjg sein altes Domizil in Dresden Cotta Ende April dieses Jahres verließ; "Es werde Licht!", heißt es jetzt am neuen Ort. Auch für die Staatsoperette. Beide Theater machen fortan den Vorreiter. Wo "E-Werk" oder "Heizhaus" jeweils nur Spielorte sind für die Theater in Weimar oder Altenburg, da ist das Kulturkraftwerk in Dresden nun das Theater selbst. Das ist also doch ein kleiner Unterschied. Und ein gutes Maß. Die Sache mit Energie und Theater wird man nicht ins Unendliche exponieren können. Störtebeker-Festspiele im Atomkraftwerk in Fukushima wird es jedenfalls in absehbarer Zeit nicht geben.

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2016, 12:21 Uhr