Kunstprojekt "Lampedusa 361" Siziliens Flüchtlingsgräber in Dresden

Die Kunstinstallation "Lampedusa 361" zeigt in Dresden Bilder von Gräbern Geflüchteter, die ihre letzte Ruhestätte auf Sizilien fanden. Vom 10. bis 14. Februar ist sie auf dem Theaterplatz vor der Semperoper zu sehen.

Seit mehr als 20 Jahren sterben an den Küsten des Mittelmeeres Menschen bei der Flucht. Manche werden für immer vom Meer verschlungen, andere an die Strände Europas gespült, wo sie beispielsweise in Sizilien ein Grab erhalten.                                               

Ein toter Flüchtling aus dem Mittelmeer
Tausende Flüchtlinge ertranken im Mittelmeer, zahlreiche liegen nun auf Siziliens Friedhöfen Bildrechte: dpa

Die Kunstinstallation "Lampedusa 361" will dieses Thema vom Randbereich in die Mitte Europas bringen. Durchgeführt wird das Projekt als Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt Dresden und der Organisation Friends of Dresden Deutschland e.V.

Vom 10. bis zum 14. Februar werden dabei auf dem Dresdner Theaterplatz vor der Semperoper 90 Fotos von Gräbern Geflüchteter auf großen Matten zu sehen sein. Hinter den Matten wird auf Tafeln die Geschichte der Flüchtlingsgräber erzählt. Teilweise sind die Namen der Gestorbenen bekannt und auf den Gräbern vermerkt, manche konnten nur anonym beerdigt werden.

Eines der Gräber, dessen Abbild auch in Dresden zu sehen ist, ist das für den vierjährigen syrischen Muhammed Alabdullah in Ribera. Seine Eltern suchten den verschollenen Jungen in der Hoffnung, er hätte die Fahrt überlebt. Der Arzt, der die Autopsie an dem toten Kind vornahm, erkannte ihn auf einem Foto der Eltern und konnte sie über das Schicksal ihres Jungen aufklären.

Aufgenommen wurden die Grabbilder auf 25 Friedhöfen Siziliens, von Lampedusa bis Agrigent, von Palermo bis Syrakus. Sie sind über die ganze Insel verstreut, da in den kleinen Küstenorten, bei denen die Toten angespült wurden, auf den Friedhöfen irgendwann kein Platz mehr für neue Grabstätten war.

Dresdner Friedenspreis

Am Sonntag wird, ebenfalls in Dresden, der Internationale Friedenspreis Dresden-Preis 2017 (Dresdner Friedenspreis) verliehen. Gestiftet wir er von der Förderern von "Lampedusa 361", der Organisation Friends of Dresden Deutschland e.V.

In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den Italiener Domenico Lucano aus dem kleinen kalabrischen Dorf Riace für sein Engagment in dem Projekt "Città Futura" ("Stadt der Zukunft"). An den Küsten Riaces strandeten immer wieder Geflüchtete, Der damalige Chemielehrer Lucano beschloss 1999, den Bevölkerungsschwund seines kleinen Ortes mit Flüchtlingen auszugleichen. In der "Città Futura" leben mittlerweile wieder 1.800 Einwohner, 550 davon sind als Flüchtlinge gekommen und geblieben.

Den Sonderpreis des Dresdner Friedenspreises erhält in diesem Jahr das sizilianische Ehepaar Amalia und Guiseppe Gelardi aus Agrigent, das ein ertrunkenes siebzehnjähriges Mädchen in ihr Familiengrab aufgenommen hatte. Die Tote, Kiflay Wegahta aus Eritrea, hatten sie nicht persönlich kennenlernen können, empfanden die Bereitstellung ihrer Grabstätte jedoch als Selbstverständlichkeit.

Der Dresdner Friedenspreis wird seit 2010 jährlich in der Semperoper vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, Dirigent Daniel Barenboim, Kriegsfotograf James Nachtwey und der "Urvater der Whistleblower", Daniel Ellsberg.

Dresden lehrt durch sein Schicksal zum einen, dass wir immer der Opfer gedenken müssen. Zum anderen aber lehrt es, dass die Zerstörung Folge verantwortungsloser Politik war. Das Symbol des Preises ist, dass wir solch einer Politik stets etwas entgegensetzen müssen.

Michail Gorbatschow zu seinem Dresden-Preis

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio | 10.02.2017 | 17:10 Uhr
im Radio | 11.02.2017 | 12:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2017, 14:37 Uhr