Die künftige Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, posiert am 11.05.2016 in der Fürstengalerie im Residenzschloss in Dresden (Sachsen).
Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann Bildrechte: dpa

Marion Ackermann, Direktorin der SKD, im Interview "Museen müssen sich mal ganz stark selbst kritisch betrachten"

Die künftige Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, posiert am 11.05.2016 in der Fürstengalerie im Residenzschloss in Dresden (Sachsen).
Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann Bildrechte: dpa

Die aktuelle Situation in der Gesellschaft muss nach Ansicht der renommierten Kunsthistorikerin Marion Ackermann auch die Museen beschäftigen. Es gab in den letzten Monaten und Jahren viele Veränderungen in der Weltpolitik, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Interview mit MDR KULTUR. Das habe zu Spaltungen in der Gesellschaft geführt. Sowohl die deutschen Museen als auch die internationalen Kollegen seien in der Krise.

Wir erreichen große Teile des Publikum der Gesellschaft nicht mit unsren Angeboten, sondern sind mit uns selbst beschäftigt und damit, unsere Marken als Museum auszubauen.

Weniger Selbstgefälligkeit

Es gebe ein starke Verbindung mit dem Kunstmarkt und man stärke sich, indem man berühmte Künstler ausstellt, beobachtet Ackermann.

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Ich finde, dass die Museen in den letzten Jahren oft viel zu selbstgefällig waren und sich mal ganz stark selbst kritisch betrachten müssen.

Vermittlung auf Augenhöhe

Grundsätzlich hätten die Museen überhaupt noch nicht den eurozentrisch geprägten Kanon soweit hinterfragt oder aufgebrochen, dass es Konsequenzen gezeigt hätte. Ackermann wünscht sich eine Vermittlung auf Augenhöhe, wie sie in einigen afrikanischen oder südamerikanischen Ländern vielmehr praktiziert wird.

Da sitzen Kuratoren selbst in den Ausstellungsräumen, um im ständigen Kontakt mit dem Publikum zu sein. Dort gibt es ganz andere Formen von dezentraler Museumarbeit: Man geht zu den Menschen hin. Und man nimmt die Kunst nicht als absolut.

Theater und Bibliotheken sind engagierter

Die Theatermacher dagegen positionieren sich gesellschaftlich. "Auch die städtischen Bibliotheken haben eine sehr wichtige Rolle als Plattform eingenommen – gerade auch für Migranten." Dabei hätten auch Museen die Möglichkeit zum Austausch und politischer Diskussion. Sie könnten zu geistigen Zentren in den Städten werden, schlug Ackermann vor, zu offenen Schutzräumen, in denen jenseits von Parteipolitik diskutiert werden könne.

Ackermann leitet seit zwei Monaten die Staatlichen Kunstsammlungen der Stadt Dresden. Gerade hier, sagte die Kunsthistorikerin, spiele die Identifikation mit der Kultur eine enorme Rolle. Ihre Verpflichtung sehe sie nun darin, sich neu der Geschichte der DDR zu stellen und enger mit unseren europäischen direkten Nachbarn zusammenzuarbeiten.

Über dieses Thema berichtete MDR KULTUR auch im: Radio | 04.01.2017 | 17.40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Januar 2017, 19:35 Uhr

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