Dagmar Manzel im MDR KULTUR-Café "Ich hatte Erfolg, was ich jetzt noch mache, ist reiner Luxus"

von Grit Schulze

Jeder, der mit Dagmar Manzel näher zu tun hat, schwärmt von ihrer Bodenständigkeit, ihrer Warmherzigkeit und Ehrlichkeit. Blitzlichtgewitter, öffentliche Auftritte und rote Teppiche meidet sie; zu Preisverleihungen kommt sie lieber durch den Seiteneingang. Dagmar Manzel wurde mit allen wichtigen Theaterpreisen geehrt, wie dem Adolf-Grimme-Preis, dem Deutschen Filmpreis, dem Bayerischen Fernsehpreis oder dem Theaterpreis "Der Faust". Sie genießt es, auf der Straße unerkannt zu bleiben. Auf der Bühne hingegen ist sie "ein Kraftwerk, dass ein ganzes Ensemble mühelos überstrahlt", wie es der Schauspieler Matthias Habich treffend beschreibt. Mit ihrem Spiel berührt sie die Seele des Zuschauers, sei es als namenlose Frau in "Gift", einem intimen Kammerspiel am Deutschen Theater oder als glamouröse Diva in "Ball im Savoy" an der Komischen Oper. In beiden Rollen ist sie aktuell in Berlin zu erleben.

"Der Engel muss mir ins Gesicht gespuckt haben"

Dagmar Manzel wuchs in Berlin auf. Auf ihren Dialekt ist sie stolz. Jahre später erzählen ihr die Kollegen, sie hätten bei ihrer Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Berlin vor Lachen unter den Bänken gelegen, so unfreiwillig komisch war sie mit ihrem starken Berlinerisch. Manzel durfte mit allen großen Regisseuren arbeiten. Noch während des Studiums wird sie von Horst Schönemann und Thomas Langhoff entdeckt und gefördert. Fast zwei Jahrzehnte spielt sie am Deutschen Theater die starken, aber auch verletzlichen Frauenfiguren. Es hat Dagmar Manzel nie an Rollen gemangelt, auch nach der Wende nicht. Mit dem Fernsehen ging es damals für sie erst richtig los. Manzel hat in der Strittmatter-Trilogie "Der Laden" gespielt, ebenso die Frau von Victor Klemperer in der 13-teilgen Serie "Klemperer – ein Leben in Deutschland". In "John Rabe" war sie die Ehefrau des Hamburger Kaufmanns, der 1937 in China 200.000 Menschen das Leben rettet. Einen riesigen Erfolg brachte auch "Schtonk!", darin gibt sie die Ehefrau vom Fälscher der Hitlertagebücher. Seit zwei Jahren ermittelt Dagmar Manzel zudem als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn im Frankentatort. Der nächste Fall wird am 9. April in der ARD gelöst.

"Musik ist der direkte Zugang zum Herzen"

Buchcover - Dagmar Manzel: "Menschenskind"
Buchcover - Dagmar Manzel: "Menschenskind" Bildrechte: Aufbau Verlag

Als wäre das alles nicht genug, entdeckte Manzel vor fast 20 Jahren das Musiktheater für sich und spielt in diversen Partien an der Komischen Oper in Berlin. Sie war die Rosalinde in "Die Fledermaus", die Anna in "Die Sieben Todsünden" von Brecht/Weill und die Großherzogin von Gerolstein in der gleichnamigen Offenbach-Operette. Musik war schon immer ihre große Leidenschaft. Als junges Mädchen dirigierte sie zu Hause alle Beethoven- Sinfonien nach Schallplatte und sang bei den Aufnahmen von Maria Callas mit. Seit 15 Jahren nimmt sie Gesangsunterricht, auf ihre Vorstellungen und Liederabende bereitet sie sich akribisch vor. Zu ihrem 60. Geburtstag möchte sich die Sängerin einen Wunsch erfüllen und Arnold Schönbergs "Pierrot Lunaire" auf die Bühne bringen. "Andere", so Manzel "gehen auf die Rente zu, bei mir geht's nochmal richtig los". Ihre Neugier und Begeisterung führt sie weiter und weiter. Nicht zuletzt ist gerade ihre Autobiographie im Aufbau Verlag erschienen: "Menschenskind" heißt sie und besteht aus Gesprächen mit Knut Elstermann.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | MDR KULTUR-Café | 19.03.2017 | 12:05 Uhr

Moderation: Grit Schulze

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2017, 16:55 Uhr