Mitteldeutsche Bühnen und der Rechtspopulismus Alexander Netschajew: "Wir stehen für eine Kultur, die Vielfalt zulässt"

Die Intendanten der Theater in Rudolstadt, Steffen Mensching, und Stendal, Alexander Netschajew, sehen ihre Häuser als Stätten des kulturellen Dialoges. Den Positionen z.B. der AfD wollen sie Lebensmodelle der Toleranz und Freiheit entgegensetzen.

Die Debatte, ob man die AfD und ihre Wähler im Theater willkommen heißen soll oder nicht, geht weiter. Angestoßen wurde sie durch Berndt Schmidt, Intendant des Berliner Friedrichstadt-Palasts, der sich in einer Hausmitteilung jüngst zur Abgrenzung aussprach. Georg Pazderski, Vorsitzender der Berliner AfD-Fraktion forderte danach für das Revuetheater eine Fördermittel-Kürzung. Auch an den Bühnen in Mitteldeutschland wird das Thema diskutiert. Hier die Standpunkte aus Rudolstadt und Stendal.

Rudolstadt setzt auf Dialog

Steffen Mensching vom Theater Rudolstadt will sich und sein Haus u.a. von völkischen Positionen abgrenzen, jedoch nicht durch Ausgrenzung eines Teils des Publikums, sondern durch bewusste Auseinandersetzung. Entsprechend findet er "Maßnahmen, bestimmten Leuten die Türe zu weisen, nicht nur falsch", sondern auch sinnlos. "Die bringen gar nichts.", so Mensching. Sein kulturelles Konzept lässt sich nur im Wettbewerb durchsetzen, seine Bühne kann dabei dafür werben, dass ihr gesellschaftliches Lebensbild ein "interessanteres, lebensnäheres, witzigeres und spannenderes" ist.

Mit Verboten bringt man gar nichts zustande.

Steffen Mensching Intendant am Theater Rudolstadt

Dass es Ängste gibt, beispielsweise weil eine große Anzahl von Geflüchteten nach Deutschland gekommen ist, ist Mensching bewusst. Hier fordert er eine aktive inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen durchaus legitimen Befürchtungen, auch mit konkreten Problemen. Das Theater biete hier mit seinem Dialogangebot einen besonderen Ansatz, könne jedoch auch nicht die Versäumnisse der Politik auflösen.

Theater ist ein grunddemokratischer Vorgang, weil da Leute auf der Bühne etwas vorspielen und die Leute unten in die Lage versetzt werden, dies anzunehmen oder abzulehnen.

Steffen Mensching Intendant am Theater Rudolstadt

Inhaltliche Abgrenzung in Stendal

In der Altmark wurde die AfD zwar "nur" viertstärkste Kraft, im Vergleich zu Sachsen ein deutlich schwächeres Ergebnis. Dennoch sieht der Intendant des Theaters der Altmark, Alexander Netschajew, auch hier den Bedarf, sich bürgernah von den Positionen der Rechtspopulisten abzugrenzen. Sein Haus propagiere dabei ein gegenteiliges Lebensmodell der Toleranz und Freiheit, hier seien Behinderte und Nichtbehinderte, Christen, Juden und Muslime, Hetero-, Homo- und Transsexuelle integriert.

Wir stehen für eine Kultur, die Vielfalt zulässt, die Toleranz zulässt, die Freiheit zulässt und die sich auf demokratische Grundwerte stützt - und das ist natürlich de facto eine Abgrenzung von der AfD.

Alexander Netschajew, Intendant am Theater der Altmark

Mit den "kruden Gedanken" der AfD kann Netschajew nichts anfangen, beispielsweise bei der von Personen der Partei geforderten positiven Darstellung der deutschen Geschichte auf der Bühne. Denn, spiele man das Ganze einmal durch, erkenne man eine romantisierte Kulturauffassung, bei der ein "König noch eine Krone" habe und "Hamlet mit Strumpfhosen" herumlaufe. So ließe sich jedoch nichts Neues aus den alten Texten erfahren. Auch eigneten sich die klassischen Stücke inhaltlich nicht unbedingt für ein positives Deutschlandbild:

Wenn ich mir das deutscheste Stück von Friedrich Schiller anschaue, das ist "Kabale und Liebe", dann geht es um Korruption, um Intrigen, um Machtpolitiker. Selbst daraus ist aus AfD-Sicht kein positives Deutschlandbild zu schlagen.

Alexander Netschajew, Intendant am Theater der Altmark

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Oktober 2017 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 11:34 Uhr