Filmstart: "Neo Rauch - Gefährten und Begleiter" Neo Rauch auf der ganz großen Leinwand

Neo Rauchs Bilder scheinen gegenwärtig und entrückt zugleich. Sie hängen heute in großen Museen, aber auch im durchdesignten Esszimmer von New Yorker Kunstliebhabern oder italienischen Villen. Wie entstehen sie und wer sammelt sie? Nicola Graef traf den Maler und zeigt uns in ihrem Dokfilm seine "Gefährten und Begleiter".

Neo Rauch ist der weltweit erfolgreichste deutsche Maler seiner Generation. Seine Bilder entführen den Betrachter in Fantasiewelten mit Figuren, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Schlafwandlerisch gehen sie unklaren Tätigkeiten nach. Das, was der Maler auf die Leinwand bannt, bewegt sich in einer Sphäre, in der Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Doch immer wieder lassen sich darin Bezüge zu der Stadt, in der er lebt - Leipzig - und zum Ort seiner Kindheit - Aschersleben - erkennen.

Rauch zitiert die Bilder seiner Heimstätten auf zurückhaltende Weise, dafür aber immer wieder. Geht es in seinen Bildern doch letztlich um Fragen wie diese: Wer sind wir? Woher kommen wir? Warum sind wir die, die wir geworden sind? Was prägt uns fürs Leben?

Der Dokumentarfilm von Nicola Graef taucht ein in Neo Rauchs Welt, zeigt uns die Figuren, die ihn schon ein Leben lang begleiten, aber auch die Menschen, die zu seinen treuen Gefährten geworden sind: seine Galeristen, seine Sammler, seine Mannschaft und nicht zuletzt seine Frau, die Malerin Rosa Loy. Sich beim Malen beobachten zu lassen, das kostete ihn einige Überwindung, dann aber beflügelte ihn die Kamera sogar, wie er im Gespräch mit MDR KULTUR verrät:

Neo Rauch bei der Arbeit
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Angst, mir in die Karten schauen zu lassen, habe ich in den Jahren vor diesem Unterfangen immer gehabt. Ich habe mich dann aber gefragt: Wozu eigentlich diese Heimlichtuerei. Es kann ja jeder sehen, dass ich eben nicht von Karten abmale oder von Fotos, sondern dass die Situation tatsächlich vor mir entsteht.

Neo Rauch im Gespräch mit Kunstredakteur Andreas Höll

Der Maler und seine Bilderwelten

Die Reise durch Rauchs Bilderwelten beginnt im Atelier des Malers, wo er um diese Bildwelten ringt, die Filmemacherin beobachtet ihn beim (selbst)-kritischen Austausch mit seiner Frau, Nicola Graef besucht seine Sammler in Deutschland, Italien, den USA und Südkorea und fragt sie, was Rauchs Bilder bei ihnen auslösen.

John Tompson (Sammler)
Einer seiner Sammler: John Tompson Bildrechte: Nicola-Graef

Es gibt Sammler, die die Bilder tatsächlich als Tore oder Fenster in eine Parallelwelt wahrnehmen und sich dann Stunden lang davor setzen, die machen eine gute Flasche Wein auf und lassen sich in das Bild hineingleiten - wie in einen Flachbildschirm - nur eben besser.

Neo Rauch im Gespräch mit Kunstredakteur Andreas Höll

Immer wieder hat Nicola Graef den Künstler zum Gespräch getroffen, er gab erstmals seit vielen Jahren in der ihm eigenen nachdenklichen, aber auch selbstironischen Art vor der Kamera Auskunft - über seinen Zugang zur Kunst und zur Welt, der bis heute geprägt ist auch vom frühen Verlust der Eltern, die er wenige Wochen nach seiner Geburt durch ein Zugunglück auf dem Leipziger Hauptbahnhof verlor.

Der Film, in dem nicht nur die Bilder nachklingen, sondern auch die Worte eines sensiblen Künstlers, startet am 2. März in ausgewählten Kinos. Premiere feierte die MDR-Koproduktion bereits im Herbst auf dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Auf die Frage, ob ihn, den Maler, der sich nun auf der großen Kino-Leinwand wiederfinde, eigentlich Filme inspirierten, sagt Neo Rauch:

Lars von Trier - 'Europa' - das ist ein Film, der sich tief eingesenkt hat in mein Unterbewusstsein. Es sind einfach Bilder, die hängengeblieben sind ... diese seltsame Villa, direkt neben dem Bahngleis im Souterrain, da spielen sich Szenen ab und man sieht die Züge vorbeirattern in der Dunkelheit. Ich habe komplett vergessen, worum es in diesem Film eigentlich geht, so geht es mir meistens mit Filmen. Ich nehme sie eher impressiv auf.

Neo Rauch im Gespräch mit Kunstredakteur Andreas Höll

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch bei
artour | 23.02.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2017, 15:43 Uhr