Marin Roth auf der Buchmesse in Leipzig, 2017
Marin Roth auf der Buchmesse in Leipzig, 2017 Bildrechte: IMAGO

Reaktionen auf den Tod von Martin Roth "Martin Roth war immer daran interessiert, etwas zu bewegen"

Marin Roth auf der Buchmesse in Leipzig, 2017
Marin Roth auf der Buchmesse in Leipzig, 2017 Bildrechte: IMAGO

Nach dem plötzlichen Tod von Kulturmanager Martin Roth haben Kollegen, Wegbegleiter und Politiker mit Bestürzung reagiert. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erklärte:

Deutschland verliert mit Martin Roth eine herausragende Persönlichkeit, einen international höchst anerkannten kulturpolitischen Visionär und eine bedeutende gesellschaftspolitische Stimme.

Frank Walter Steinmeier

Er selbst verliere zudem "einen hoch geschätzten Freund".

Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums
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Klaus Vogel, der Direktor des Dresdner Hygiene-Museums, kannte Martin Roth seit Jahrzehnten. Im Gespräch mit MDR KULTUR würdigt er den verstorbenen Kulturmanager als mutigen und politischen Ausstellungsmacher.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 07.08.2017 16:10Uhr 07:02 min

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Klaus Vogel, heutiger Leiter des Deutschen Hygiene-Museums Dresden sagte MDR KULTUR, er habe Roth Mitte der 70er-Jahre an der Universität Tübingen kennengelernt. Bereits damals habe Roth ein Faible für die Museumsarbeit gehabt.

Vogel lobte Roth als Ausstellungsmacher, dem es nicht um die Karriere gegangen sei, sondern "er war immer daran interessiert, etwas zu bewegen" und habe die Fähigkeit gehabt, die Dinge zusammen zu sehen. Mit ihm habe man sich "mehr getraut". Roth hatte von 1991 bis 2001 das Hygiene-Museum geleitet.

Er war derjenige, der sich viel getraut hat, viel angeschoben hat. Er hat die Institution Museum als Feld gesehen, wo man etwas bewegen kann, wo nicht statisch nur etwas zusammengestellt wird, was dann in der Vitrine landet oder an die Wand gehängt wird. Er hatte ein sehr aktives Bild vom Museum.

Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden

Ein Museum sei für Roth auch ein wissenschaftlicher Betrieb gewesen, aber auch eine "Institution, die mitten in der Gesellschaft steht", so Vogel weiter. Das Londoner Victoria and Albert Museum, welches Roth von 2011 bis 2016 leitete, habe Roth als "Weltmuseum" verstanden.

Er hat Kunst nicht als stille Kunstbetrachtung gesehen. Er hat was für die Welt gemacht, er hat was für die Menschen gemacht, das war ihm wichtig. Das war sein Credo, und das hat er laut und deutlich gesagt.

Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden

"Eine der markantesten Persönlichkeiten der Museumswelt"

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigte den verstorbenen Kulturmanager. Grütters erklärte am Montag, Roth habe seine Rolle in der Kultur immer auch "als politische Intervention" verstanden und lobte sein "großes Engagement in der auswärtigen Kultur". Mit seiner Arbeit an den Staatlichen Kunstsammlungen und im Hygiene-Museum Dresden sowie am Victoria and Albert Museum in London habe Roth Maßstäbe gesetzt, so Grütters weiter.

Mit Martin Roth verlieren die deutsche und internationale Museumswelt eine der markantesten und auch streitbarsten Persönlichkeiten.

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

Sachsens Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange zeigte sich "tief erschüttert" über den Tod Roths und erklärte, er sei viel zu früh gegangen. Er sei ein hervorragender Kulturmanager gewesen, der der Kunst neuen Raum gegeben habe. Er habe die Museen neu erblühen lassen.

Eva-Maria Stange
Dr. Eva-Maria Stange Bildrechte: dpa

Sachsen wird ihm auf ewig dankbar sein, dass er während der Flutkatastrophe 2002 geistesgegenwärtig die Rettung der wertvollen Gemälde und Skulpturen organisierte. Mein Mitgefühl und Beileid gilt der Familie von Martin Roth. Ich werde ihn als wahren Freund in Erinnerung behalten.

Dr. Eva-Maria Stange, Kunstministerin in Sachsen

Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele, sagte über seinen guten Freund Martin Roth, er habe sich vor keinem Streit gefürchtet. Er habe Dinge immer sehr direkt angesprochen. Das sei in Dresden nicht immer gut angekommen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der sich von Roth in kulturpolitischen Fragen beraten ließ, lobte ihn als einen ...

... der besten und einflussreichsten Museumsleiter der Welt, ein streitbarer Intellektueller und ideenreicher Kulturpolitiker.

Sigmar Gabriel, Bundesaußenminister

Roth war am Sonntag im Alter von 62 Jahren gestorben. 1991 hatte er die Leitung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden übernommen, von 2001 bis 2011 war er Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Anschließend leitete er das Londoner Victoria and Albert Museum, das er 2016 auf eigenen Wunsch verließ. Erst im Juli trat Roth das Amt des Präsidenten des Instituts für Auslandsbeziehungen an.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Kultur Kompakt | 07.08.2017 12:30 Uhr
Gespräch | 07.08.2017 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 13:54 Uhr

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