Schatten von Menschen auf Zahlen auf riesiger digitaler Displaywand
Im Internet begegnen wir neben Menschen auch zunehmend Social Bots Bildrechte: IMAGO

MDR KULTUR-Spezial Social Bots - die neuen Meinungsmacher?

Nicht jedes Facebook- oder Twitter-Profil muss echt sein. Manchmal stecken Social Bots hinter den Kommentaren und "Likes" unserer Freunde. Und dies kann gewaltige Auswirkungen haben!

Schatten von Menschen auf Zahlen auf riesiger digitaler Displaywand
Im Internet begegnen wir neben Menschen auch zunehmend Social Bots Bildrechte: IMAGO

Im Bundestagswahljahr geraten Social Bots verstärkt in den Fokus. Die Präsidentschaftswaheln 2016 in den USA haben gezeigt, dass zumindest eine starke Aktivität dieser Meinungsroboter zu verzeichnen war. Inwieweit diese Wahlentscheidend war, wird heftig diskutiert.

Was ist eigentlich ein Social Bot?

Der Begriff "Bot" kommt von Roboter. Bots sind kleine Programme, die zentral von Menschen gesteuert werden, dann jedoch in den Sozialen Netzen wie Twitter oder Facebook autonom agieren. So werden Nutzerprofile betrieben und Kommentare geschrieben. Der Betreiber kann kleine Botgruppen ansteuern, aber auch Armeen von Hundertausenden, die sich dabei nicht erkennbar synchron verhalten, sondern eine gewisse Variabilität in ihrem Verhalten zeigen.

Das Schwierige ist, dass diese Bots heute über eine gewisse Intelligenz verfügen. Zudem begehen Sie mittlerweile absichtlich Fehler, was es schwer macht, sie zu erkennen. Außerdem ändern sie nahezu täglich ihr Verhalten, wodurch die Botjagd zu einem Katz-und-Maus-Spiel wird.

Das Besondere an diesen Social Bots ist, dass sie sich ähnlich wie Menschen verhalten. Die haben beispielsweise auch Schlafenszeiten, die twittern wie Menschen, die können sich über unterschiedliche Themen unterhalten. Die vertippen sich auch mal.

Tabea Wilke von Botswatch

Was macht Bots so gefährlich?

Man weiß nur selten, welche Interessen die Betreiber eines Botnetzes haben. Sie können versuchen, einen politischen Gegner zu diskriminieren. Sie können persönliche Sym- und Antipathien ins Netz streuen, zum Beispiel bei Themen wie Zuwanderung oder Bedingungsloses Grundeinkommen. Es können aber auch nur einfache Spielwiesen für Programmierer sein, die mit vernetzter Intelligenz experimentieren.

Illustration - Gehende Menschen abhängig von digitaler Technologie
Fremdgesteuert, wie Roboter, sind die Social Bots im Internet unterwegs. Es ist nicht leicht, sie zu erkennen. Bildrechte: IMAGO

Nicht auszuschließen ist, dass durch die Bot-Meinungsbildung das Wahlverhalten von Menschen beeinflusst wird. Dies könnte eine demokratische Gesellschaft gefährden, da es die Chancengleichheit aushebeln kann. So können Themen im Internet viel größer aufgeblasen werden, als sie in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Auch die Streuung der berüchtigten Fake News kann durch Bots betrieben werden.

Zur letzten Wahl in Frankreich und zur bevorstehenden Bundestagswahl sind wenig Meldungen zu wahlbeeinflussenden Botaktivitäten bekannt geworden. Doch die Botnetze schlummern im Hintergrund und es benötigt nicht viel, sie zu starten.

Bei den US-Wahlen gab es einen Anteil in der letzten Woche vor der Wahl von 18 Prozent bei Social Bots. Das war relativ hoch und steigerte ich nochmal zum Wahltag.

Tabea Wilke von Botswatch

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: ► Spezial | 13.07.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2017, 20:19 Uhr