Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD, l-r), SKD-Direktorin Marion Ackermann, Uwe Gaul, Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, und Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sitzen am 20.03.2017 anlässlich der Jahrespressekonferenz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Residenzschloss in Dresden (Sachsen) auf ihren Plätzen.
Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, SKD-Direktorin Marion Ackermann, Uwe Gaul, Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, und Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, bei der Jahrespressekonferenz. Bildrechte: dpa

Museums-Bilanz Staatliche Kunstsammlungen Dresden verlieren Besucher

Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD, l-r), SKD-Direktorin Marion Ackermann, Uwe Gaul, Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, und Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sitzen am 20.03.2017 anlässlich der Jahrespressekonferenz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Residenzschloss in Dresden (Sachsen) auf ihren Plätzen.
Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, SKD-Direktorin Marion Ackermann, Uwe Gaul, Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, und Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, bei der Jahrespressekonferenz. Bildrechte: dpa

Der Besucherrückgang bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hält an. Nach Angaben von Verwaltungschef Dirk Burghardt kamen 2016 knapp 2,1 Millionen Gäste aus dem In- und Ausland - rund zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Burghardt sagte am Montag, diese Bilanz sei immer noch gut, "aber nicht sehr gut". Im bundesweiten Vergleich stünden die SKD aber sehr gut da. Wie schon in den beiden Vorjahren blieben vor allem russischsprachige Kulturtouristen aus. Auch aus Westdeutschland kamen weniger Besucher, vor allem aus Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Mehrere Gründe, unter anderem: Pegida

Burghardt sieht mehrere Gründe für den Rückgang. Zum einen könne man nicht jedes Jahr ähnlich attraktive Ausstellungen anbieten.

Das andere ist sicherlich die Reputation Dresdens durch die Montagsdemonstrationen und die dazugehörige Negativberichterstattung.

Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das sagte Burghardt mit Blick auf die anhaltenden Kundgebungen der fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung. Auch ein geändertes Besucherverhalten sowie Schließungen von Museen aufgrund von Sanierungen hätten zu dem Besucherrückgang beigetragen.

Herbe Verluste bei Galerie Neue Meister

Besonders herbe Verluste verzeichnete den Angaben zufolge die Galerie Neue Meister. Hier kamen nach 161.000 Besuchern 2015 im vergangenen Jahr nur noch knapp 89.000 Besucher. Auch die Gemäldegalerie Alte Meister, die Porzellansammlung und die Türckische Cammer mussten zum Teil deutliche Einbußen hinnehmen. 

Zu den Gewinnern zählten die Kunsthalle im Lipsiusbau mit knapp 90.000 Besuchern (2015: 32.000), das Münzkabinett mit gut 125.000 Besuchern (2015: 95.000) sowie die Außenstelle in Leipzig. Dort konnte das Grassimuseum für Angewandte Kunst nach knapp 35.000 Besuchern 2015 im vergangenen Jahr fast 45.000 Besucher begrüßen.

SKD will 2017 mit Dumas, Richter und "Dilletanten" punkten

Die Einnahmen aus dem Museumsbetrieb sanken den Angaben nach von rund 11,5 Millionen Euro im Jahr 2015 auf rund 9,1 Millionen Euro im Jahr darauf. Der Zuschuss des Freistaats Sachsen stieg im selben Zeitraum von 26 auf rund 27,4 Millionen Euro.

Zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zählen insgesamt zwölf Museen in der Landeshauptstadt sowie jeweils eine Einrichtung in Leipzig und Herrnhut. Ausstellungshöhepunkte 2017 sind die Vollendung des Renaissanceflügels im Residenzschloss mit neuen Inszenierungen der Rüstkammer, Präsentationen der neuesten Werke von Gerhard Richter sowie aktuelle Arbeiten von Marlene Dumas, die Schau "Geniale Dilettanten" zur Subkultur der Achtziger Jahre in Ost und West und "Käthe Kollwitz in Dresden" zum 150. Geburtstag der Künstlerin.

Mehr internationale Zusammenarbeit

Für 2019 kündigte Generaldirektorin Marion Ackermann die Neueröffnung der derzeit in Sanierung befindlichen Sempergalerie mit Gemälden und Skulpturen an. Die SKD wollen die internationale Zusammenarbeit ausbauen und haben dabei zunächst Prag im Blick. Mit den tschechischen Kollegen werde ein Netzwerk aufgebaut, um Kollegen in von Zensur betroffenen Ländern wie Polen oder Ungarn zu helfen, sagte Ackermann.

Auch bei der kulturellen Vermittlung sind Experiment und Innovation gefragt. Bei der Finanzierung der Ideen hilft die Sparkassen-Finanzgruppe. Die seit zwölf Jahren währende Partnerschaft wurde bis 2020 verlängert. Auch der Freistaat hat seinen jährlichen Zuschuss von 27,4 Millionen Euro für 2017 und 2018 um je eine Million Euro erhöht. Das Budget der SKD lag im vergangenen Jahr bei 41,5 Millionen Euro, der Erlös aus dem Ticketverkauf mit 9,15 Millionen Euro unter der "Messlatte" von zehn Millionen.

Über die Staatlichen Kunstsammlungen Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zählen neben dem Pariser Louvre, dem Metropolitan Museum New York, den Vatikanischen Museen, der Berliner Museumsinsel und der Eremitage in St. Petersburg zu den bedeutendsten Museen der Welt. Sie verwahren in 14 Einrichtungen rund 1,5 Millionen Kunstwerke - von Gemälden, Grafik und Skulpturen über Preziosen, Möbel, Waffen und Porzellan bis zu Volkskunst und Ethnographie.

Besonders berühmt sind die Gemäldegalerie Alte Meister, die Schatzkammer Grünes Gewölbe und die Porzellansammlung. Der Ursprung der SKD liegt in der 1560 gegründeten Kunstkammer, deren Bestand im 18. und 19. Jahrhundert um Kunstschätze und Kuriositäten aus aller Welt vermehrt wurde. Wie andere höfische Sammlungen dezimierten Kriege, Verkäufe, Verpfändungen, Diebstahl oder Einschmelzung die Bestände.

1945 brachte die sowjetische Armee Tausende Objekte gen Osten, Mitte der 50er-Jahre kehrte das meiste davon zurück. Seit der Wende werden die Museen mit Millionenaufwand rekonstruiert. Zudem ist das Gerhard-Richter-Archiv eine Institution der SKD. Es wurde 2006 mit Unterstützung des aus Dresden stammenden Malers gegründet. Richter gehört zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern. In enger Zusammenarbeit mit seinem Atelier in Köln trägt das Team seitdem Material zum künstlerischen Leben Richters zusammen.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | MDR KULTUR Kompakt | 20.03.2017 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2017, 10:52 Uhr