Alex Jacobowitz
"Magic Marimba" beim TFF Rudolstadt 2003 mit Alex Jacobowitz am Marimbafon Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Webchannel "Folk im Konzert" | 02.-09.06.2017 Die Magie von Marimbafon und E-Gitarre

Der Webchannel "Folk im Konzert" bringt rund um die Uhr Mitschnitte von Deutschlands größtem Folk-Festival in Rudolstadt. Jeden Freitag ab 10 Uhr können Sie neue Konzerte erleben und die aktuelle Sendung "Folk und Welt" aus dem Programm von MDR KULTUR - Das Radio hören. Eine Woche lang. Hier finden Sie das aktuelle Programm.

von Peter Eichler

Alex Jacobowitz
"Magic Marimba" beim TFF Rudolstadt 2003 mit Alex Jacobowitz am Marimbafon Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Magic Marimba (TFF Rudolstadt 2003)

Über 20 Jahre gab es beim Festival in Rudolstadt jedes Jahr ein "magisches Instrument". Ein Projekt, das der Musiker und Journalist Wolfgang Meyering leitete und das in zweierlei Hinsicht immer eine große Herausforderung war: Zuvorderst musste Wolfgang Meyering die Musik aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen so zusammenführen, dass am Ende ein harmonisches Ganzes entstand. Das war nicht immer leicht, auch wenn die Instrumente zu einer Familie gehörten. Als mindestens genau so schwierig erwies sich manchmal das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Charaktere, Temperamente und Ansichten. Auch da war Fingerspitzengefühl gefragt, um Missklänge zu vermeiden.

Seit zwei Jahren steht das "Magie-Projekt" nicht mehr auf dem Programm des Rudolstadt-Festivals. Bedauerlich, finden viele Besucher. In Erinnerung an diese wunderbaren Projekte bringen wir in dieser Woche zwei Konzerte mit "magischen Instrumenten" des TFF: der Marimba und – man höre und staune – der E-Gitarre.                       

Mit Klangstäben um den Globus

Marimba, das klingt sofort nach warmen Sommernächten und tanzenden dunkelhäutigen Menschen auf einer Lichtung. Eines stimmt auf jeden Fall: Die Marimba ist in Lateinamerika zu Hause, wenngleich sie ursprünglich aus Afrika stammt. In Guatemala ist sie gar das Nationalinstrument, aber auch in Mexiko, Belize, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, Kolumbien und Ecuador spielt sie in der Musik eine wichtige Rolle.

In Rudolstadt fasste man 2003 den Begriff "Marimba" nicht allzu eng, denn unter normalen Umständen sind die Klangstäbe aus Holz, deren Ton durch Resonanzkörper wie Kalebassen oder Holzröhren verstärkt wird. Es gab beim Konzert aber auch Metallplatten, Metallröhren und sogar ein Tanz-Xylophon. Denn die Schweizerin Ania Losinger spielt nicht auf ihrem Xala – einem Xylophoninstrument mit einer Fläche von 3 mal 1,7 Metern und 400 kg Gewicht, sondern sie tanzt darauf und erzeugt die Töne mit den Füßen und zwei Holzstangen.

Ttukunak mit Txalaparta
Magic Marimba beim TFF Rudolstadt 2003 - Ttukunak mit Txalaparta Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Anders das Txalaparta aus dem Baskenland. Früher diente das Instrument zur Verständigung über weite Strecken hinweg, heute ist es ein Musikinstrument, bei dem verschiedene Platten gern auch mal über zwei Holzböcke aus dem Baumarkt gelegt werden. Und dann stoßen die Spieler ziemlich grobe Hölzer darauf, um die Töne zu erzeugen.

Das afrikanische Balafon – die Urform aller Stabspiele – kommt aus Mali und hat von dort aus seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Im Konzert erleben Sie es mit dem Balafonvirtuosen Mamadou Diabate aus Burkina Faso. Nicht zu vergessen Alex Jacobowitz aus den USA. Sicher hat ihn der eine oder andere schon einmal in seiner heimatlichen Fußgängerzone erlebt, denn diese sind überwiegend seine Konzerthallen, die er mit Marimba-Klängen höchster Güte füllt.

MAGIC MARIMBAS mit: Mamadou Diabate (Burkina Faso), Balafon
Jan Heinke (Deutschland), Ferrimba
Alex Jacobowitz (USA), Marimba
Ania Losinger (Schweiz), Xala
Ttukunak (Spanien, Baskenland), Txalaparta
Terje Isungset (Norwegen), Perkussion
und als Gäste zwei Musiker von Samba Sunda (Indonesien)

TFF Rudolstadt 2003 Mitwirkende am Projekt "Magic Marimba"

"Selbstklinger" heißen jene Instrumente, die einen Ton erzeugen, wenn sie angeschlagen werden, auch ohne einen Resonanzkörper. Steine, Hölzer und die Familie von Marimba, Balafon, Vibraphon, Gamelan, Txalaparta usw.

Alex Jacobowitz
Alex Jacobowitz (USA) am Marimbafon Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Jan Heinke
Jan Heinke (Deutschland) an seiner Ferrimba Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Mamadou Diabate
Mamadou Diabate (Burkina Faso) am Balafon Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Ania Losinger
Ania Losinger (Schweiz) auf ihrem "Tanz-Xylophon" Xala Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Sambasunda
Als Gäste beim Projekt zwei Musiker von Samba Sunda (Indonesien) Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Terje Isungset
Terje Isungset (Norwegen), Perkussion Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Alex Jacobowitz
Alex Jacobowitz (USA) am Marimbafon Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Ttukunak mit Txalaparta
Das Duo Ttukunak aus dem spanischen Baskenland mit Txalaparta Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
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Magic E-Guitar (TFF Rudolstadt 2005)

1992 war die Geige das "magische Instrument" beim Rudolstädter Tanz- und FolkFest, dem dann u. a. Drehleier, Hackbrett, Saxophon, Konzertina, Hsrfe oder Kniegeige folgten. Oftmals fragte man sich nach der Bekanntgabe des nächsten Magie-Projekts, ob da wirklich Abwechslung möglich ist, ob das nicht zu einseitig wird. Und jedes Mal musste man sich im Folgejahr belehren lassen, dass es so viele Formen und Spielarten eines Instrumentes rund um die Welt gibt, dass musikalische Langweile zu keinem Zeitpunkt aufkommen kann.

"Stromgitarren" überraschen als Folk-Instrument

Enver Ismailov
Enver Ismailov aus Usbekistan hat eine ganz spezielle Tapping-Technik. Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

2004 wurde dann die E-Gitarre zum "magischen Instrument" gekürt. Sie war scheinbar am weitesten von der Folkmusik weg, nimmt man ihren Einsatz in Folkrockbands einmal aus. Und – die Überraschung war perfekt: Auch die E-Gitarre hat eine Folkseite, aber was heißt eine? Dann nämlich, wenn die Gitarristen ihre nationalen Melodien spielen, wenn Enver Izmailov seiner Gitarre tatarische und usbekische Sounds entlockt, wenn Takashi Hirayasu die gitarristischen Höhen des Fujiyama erklimmt oder Daniel Owino Misiani afrikanische Melodien dem Regime der E-Gitarre unterwirft.

Diese und weitere nationale Klänge aus Schweden, England, Armenien, Griechenland, den USA und Deutschland, Jazz, Folk, Blues, Tanzrhythmen – all das lässt Ohren erstaunt lauschen und Füße zucken. Erleben Sie das Projekt "Magic E-Guitar" mit zehn Musikern aus acht Ländern. Es stand wie auch schon die Jahre zuvor unter der Leitung von Wolfgang Meyering.

Magic E-Guitar mit: Lance Harrison (USA)
Hellmuth Hattler (Deutschland)
Takashi Hirayasu (Japan)
Enver Ismailov (Usbekistan)
Bo Lindberg (Schweden)
Daniel Owino Misiani (Kenia)
Ken Ohtake (Japan)
Alan Prosser (Großbritannien)
Haïg Yazdjian (Griechenland)
und Snorre Schwarz (Deutschland – Schlagzeug)

TFF Rudolstadt 2005 Mitwirkende am Projekt "Magic E-Guitar"

Dass die E-Gitarre inzwischen auch in der Folk- und Weltmusik Fuß gefasst hat, zusammen mit elektrisch verstärkten traditionellen Instrumenten wie Ud oder der 3-saitigen japanische Sanshin, bewies dieses Magie-Konzert.

Takashi Hirayasu
Takashi Hirayasu aus Japan spielt die 3-saitige Sanshin von der Insel Okinawa,natürlich mit Tonabnehmer Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Takashi Hirayasu
Takashi Hirayasu aus Japan spielt die 3-saitige Sanshin von der Insel Okinawa,natürlich mit Tonabnehmer Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Alan Prosser
Alan Prosser aus England von der Folkrock-Formation Oysterband Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Haig Yazdjian
Haig Yazdjian aus Griechenland mit der elektrisch verstärkten Laute Ud Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Daniel Owiono Misiani
Daniel Owiono Misiani aus Kenia, ein bekannter Vertreter der gitarrendominierten Benga-Musik Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Lance Harrison
Lance Harrison aus den USA mit der dort verbreiteten Resonatorgitarre Dobro Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
Enver Ismailov
Enver Ismailov aus Usbekistan mit seiner ganz speziellen Tapping-Technik beim Spiel auf der E-Gitarre Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn
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Folk und Welt - die Sendung vom 31.05.2017

Sängerin Yasmine Hamdan wuschelt sich durch die Haare und singt mit geschlossenen Augen in ein Mikrofon
Yasmine Hamdan Bildrechte: MDR/Holger John

Die Worldmusic Charts Europe mit Grit Friedrich

Im Mai läuft auffällig viel Außereuropäisches, Garifuna-Musik mit Aurelio Martinez aus Mittelamerika, seine vierte CD beinhaltet ein 24-Seiten Hardcover-Buch mit Informationen, Archivfotos und Illustrationen. Aufgenommen wurde "Darandi" während eines Englandaufenthaltes von Aurelio und seiner Band anlässlich Peter Gabriels World Music Festival WOMAD. Dazu liegt Retromusik aus dem Senegal und von den Kapverden auf dem Plattenteller, progressive Musik aus Nordafrika mit Emel Mathlouthi, Bargou 08 oder von Touaregband Tamikrest. Yasmine Hamdan ist die neue Stimme im Spitzentrio mit ihrem Album "Al Jamilat".

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2017, 18:01 Uhr