Kapelsky und Marina
Kapelsky und Marina, Bundessieger 2014 im Weltmusik-Wettbewerb CREOLE Bildrechte: kapelsky

Webchannel "Folk im Konzert" | 09.-16.06.2017 "Ostperanto-Folkjazz" und Meister der afghanischen Tradition

Der Webchannel "Folk im Konzert" bringt rund um die Uhr Mitschnitte von Deutschlands größtem Folk-Festival in Rudolstadt. Jeden Freitag ab 10 Uhr können Sie neue Konzerte erleben und die aktuelle Sendung "Folk und Welt" aus dem Programm von MDR KULTUR - Das Radio hören. Eine Woche lang. Hier finden Sie das aktuelle Programm.

von Grit Friedrich

Kapelsky und Marina
Kapelsky und Marina, Bundessieger 2014 im Weltmusik-Wettbewerb CREOLE Bildrechte: kapelsky

Marina Frenk & Kapelsky (Deutschland) – TFF 2015

Gerade hat Marina Frenk für ihr autobiografisches und assoziatives Hörspiel "Jenseits der Kastanien" (Produktion: MDR KULTUR) den Europäischen CIVIS-Medienpreis bekommen. Geboren wurde sie 1986 in der sowjetischen Teilrepublik Moldawien, der heutigen Republica Moldova. Anfang der neunziger Jahre zog Marinas Familie nach Deutschland.

Marina Frenk
Marina Frenk Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Von 2005 bis 2008 studierte sie Schauspiel an der Folkwang-Hochschule Essen. Marina Frenk übernahm Rollen am Schauspielhaus Bochum, im Centraltheater Leipzig und am Maxim Gorki Theater in Berlin. Neben ihrer Arbeit für Theater und Hörfunk singt Marina Frenk in verschiedenen Bands, bei Kapelsky vor allem slawische Lieder oder solche vom Balkan.

Musik hat für mich nichts mit Ehrgeiz zu tun, ganz anders als Theater, was viel mit Ehrgeiz zu tun hat, was mich auch nervt. Musik mache ich, weil ich das liebe und weil es schön ist. Auf jeden Fall zieht  mich irgendwas zu dieser Musik, ich verstehe diese Getragenheit und die Tiefe. Auch die Traurigkeit, oder die Lebensfreude des Ganzen. Das kommt ja alles immer sehr zusammen.

Marina Frenk Interview mit Grit Friedrich

Liebe zu Improvisation und schrägen Cover-Versionen

Marina Frenk & Kapelsky gewannen mit ihrem "Ostperanto-Folkjazz" 2014 den deutschlandweiten Weltmusikwettbewerb CREOLE und wurden daraufhin nach Rudolstadt eingeladen. Mit ihren Musikern aus dem Ruhrgebiet verbindet die mehrsprachige Sängerin Marina Frenk eine starke Liebe zu Improvisation und schrägen Cover-Versionen bekannter Songs.

Kapelsky und Marina verarbeiten einen Beatles-Song, parodieren genial einen Britney-Spears-Hit, spielen Swing, Roma-Lieder aus Mazedonien oder Rumänien oder das serbische Lied "Haide Jano". Die wilde Mischung komplett macht Musik der russischen Punkband Auktion. Doch Kapelsky schrieben auch eine Hymne auf ein so imaginäres wie absurdes Land am Rande Europas mit Namen Molwanien.  Marina Frenk hält dieses Konzert im Landestheater Rudolstadt mit ihrer expressiven Stimme und Bühnenpräsenz zusammen. Ein Naturereignis.

Laufzeit im Webchannel Marina & Kapelsky – 59'42

CD-Tipp Kapelsky & Marina "Absoluti! Absoluti!", Label Silvox, 2014

Safar (Afghanistan/Deutschland) – TFF 2012

Unser Bild von Afghanistan ist geprägt durch Nachrichten über Krieg und Terror. Dabei steht das Land am Hindukusch-Gebirge für kulturelle Vielfalt und war einst berühmt für seine Musik. Musik, die unter dem Taliban-Regime verboten war. Kharâbat, das Musikerviertel von Kabul, verwaiste. Die Meister und ihre Schüler mussten ins Exil gehen, nur wenige kamen zurück in die Heimat. Dennoch arbeiten seit einigen Jahren in Kabul die besten Instrumentalisten am Afghanistan National Institute of Music (ANIM) und gemeinsam mit der Aga Khan Foundation daran, die reichen Traditionen afghanischer Musik an die nächste Generation weiterzugeben. 2012 kamen einige Meister aus Kabul auf Einladung der Weimarer Hochschule für Musik "Franz Liszt" auf Deutschlandtournee.

Unter den Taliban verstummten die Instrumente

Safar-Projekt - afghanische Meistermusiker an der HfM Weimar
Safar-Projekt - afghanische Meistermusiker an der HfM Weimar: Jawed Mehmood (Tabla), Ustad Mohammad Ehsan Irfan (Tanbur) Bildrechte: Maik Schuck

Die afghanische Musik kennt unzählige Instrumente, dazu gehören die Langhalslaute Tanbur, das Streichinstrument Dilruba, die Trommeln Dhol und Tabla sowie das Zupfinstrument Rubab. All diese Instrumente erklangen einst in Kabul – zuerst im Palast der Khane, später im Musikerviertel Kharabat. Hier hat Mohammad Ehsan Irfan Tanbur spielen gelernt. Das war Anfang der siebziger Jahre, vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen nach Afghanistan. Später kam das Taliban-Regime, und mit ihm verstummten die Instrumente im Land. Mohammad Ehsan Irfan flüchtete nach Pakistan ins Exil. Auch dort hatte er Schüler, doch dann Irfan kehrte nach Kabul zurück, wo er heute als Lehrer am Afghanistan National Institute of Music arbeitet. 

Ich möchte gern in meinem Land arbeiten, und so lange ich kann, Musik unterrichten. Solange in einem Land Musik gemacht wird, gibt es keinen Krieg. In der Zeit der Taliban konnte man kaum ein Instrument hören. Die Leute waren damals sehr nervös und reagierten sehr brutal. Die Musik entspannt die Psyche, beruhigt das Herz und besänftigt die Gefühle der Menschen.

Mohammad Ehsan Irfan

Rubab – Afghanistans Nationalinstrument

Safar-Projekt - afghanische Meistermusiker an der HfM Weimar - Ustad Ghullam Hussain, Rubab
Safar-Projekt: Ustad Ghullam Hussain, Rubab Bildrechte: Maik Schuck

Die Rubab besteht aus einem zweigeteilten Resonanzkörper und stammt aus dem persischen Kulturkreis. Das kompakte Instrument wird aus einem einzigen Stück Maulbeerbaumholz hergestellt und hat 19 Saiten. Seit mehr als 200 Jahren gilt diese Laute als afghanisches Nationalinstrument.

Doch sie erklang auch bei den religiösen Versammlungen von Sufi-Derwischen. Der Sufismus ist eine Glaubenspraxis im Islam, bei der die Musik fester Bestandteil des religiösen Lebens ist. In Rudolstadt wurde die Rubab meisterhaft gespielt von Ustad Ghullam Hussain. 

Die Rubab ist  ein traditionelles Instrument. Man spielt auf ihr sehr verschiedene Arten von Musik, nicht nur Volksmusik. Stücke, die sehr prägnant interpretiert werden, stammen aus der Folklore. Sehr leise und langsam wird die Rubab eher in Solostücken gespielt. Das Instrument erklingt traditionell bei den Tänzen der Sufis, die Rubab hatte immer eine große religiöse Bedeutung in den Sufi-Orden.

Früher war viel mehr los in Kharâbat, heute ist die Musik, die man früher dort gehört hat, verschwunden. Die Leute spielen jetzt eher auf Hochzeiten, und dort wollen die Menschen eher Musik aus dem Westen hören, nur damit kann man heute noch Geld verdienen. Das Publikum verlangt heute eher fröhliche Musik.

Ustad Ghullam Hussain

"Safar – Reise"

Ustad Amruddin
Ustad Amruddin spielt Dilruba. Bildrechte: Maik Schuck

Unter diesem Motto stand 2012 beim TFF in Rudolstadt das Konzert der Meister aus Kabul. Neben Ustad Ghullam Hussain an der Laute Rubab, Mohammed Eshan Irfan an der Tanbur saßen der Dhol-Spieler Abdul Latif, der Tabla-Virtuose Jawed Mehmood und der hochbetagte Ustad Amruddin auf der Bühne. Der vom Alter gebeugte Mann lebt für die Dilruba und ihren magischen Klang. Einen Klang, den man sofort mit Musik aus Afghanistan assoziiert.

Im zweiten Konzertteil stoßen drei deutsche Musiker zum Safar-Ensemble hinzu, an Bass, E- Gitarre und Schlagzeug. Auch das eine neue Klangerfahrung für beide Seiten. Initiiert hatte diese Zusammenarbeit die Musikhochschule Weimar, die seit Jahren sowohl die Musikerziehung als auch die Musikforschung in Afghanistan unterstützt.

Laufzeit im Webchannel Safar – 61'20

Buchtipp: Philip Küppers & Laurina Bleier (Hrsg.):
Music in Afghanistan. Tradition and Transformation. Historical Perspectives and Current Positions on Afghan Music and Society  (eng/dari)

Sounding Heritage vol. 1, UNESCO Chair on Transcultural Music Studies
University of Music FRANZ LISZT Weimar
Verlag: Edition Emvas, Berlin, 2016

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Music in Afghanistan. Tradition and Transformation (2017)

Afghanische Meistermusiker an der HfM Weimar
Das Safar-Ensemble 2012: Jawed Mehmood, Ustad Ehsan Irfan, Ustad Ghulam Hussain, Ahmad Samim Zafar, Ustad Amruddin, Abdul Latif (von links) Bildrechte: Maik Schuck

Folk und Welt - die Sendung vom 07.06.2017

Die Neuvorstellungen mit Johannes Paetzold

Laufzeit im Webchannel Folk und Welt-Sendung – 61'43

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2017, 16:49 Uhr