Der Universitätsplatz in Halle. Links im Vordergrund steht das Löwengebäude, spätklassizistischer beigefarbener Bau aus den 1830er-Jahren, am Eingang wachen zwei Löwen. In der Mitte des Platzes führt eine neue breite Treppe zum Neubau des Juridicums aus dem Jahr 1998, einem füfnstöckigen Gebäude mit schlichter weißer Fassade und einheitlichen langen Fenstern. Viele junge Menschen sitzen auf der Treppe des Platzes. Rechts im Hintergrund steht auf einer Giebelseite 'To be or not to be that is the'. Links im Hintergrund steht das neue Autidtorium maximum, ein vollverglastes Gebäude aus dem Jahr 2002.
Das Löwengebäude auf dem Unicampus in Halle wurde erst in den 1830er-Jahren errichtet Bildrechte: Uni Halle/Norbert Kaltwaßer

12. April 1817: Zusammenschluss der Universitäten Halle und Wittenberg Hochschulpolitik 1817

Uni Halle. Die umgangssprachliche Bezeichnung lässt fast 200 Jahre Universitätsgeschichte und eine ganze Stadt unter den Tisch fallen. Offiziell heißt die Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Und das heute gern unterschlagene Anhängsel Wittenberg steht für den älteren Teil der Universitätsgeschichte. Denn hier gründete Friedrich der Weise 1502 eine Universität. Nach den Befreiungskriegen fiel Wittenberg an Preußen, das kein Interesse an zwei Universität in enger Nachbarschaft hatte und vor 200 Jahren die beiden Unis vereinte.

von Hartmut Schade

Der Universitätsplatz in Halle. Links im Vordergrund steht das Löwengebäude, spätklassizistischer beigefarbener Bau aus den 1830er-Jahren, am Eingang wachen zwei Löwen. In der Mitte des Platzes führt eine neue breite Treppe zum Neubau des Juridicums aus dem Jahr 1998, einem füfnstöckigen Gebäude mit schlichter weißer Fassade und einheitlichen langen Fenstern. Viele junge Menschen sitzen auf der Treppe des Platzes. Rechts im Hintergrund steht auf einer Giebelseite 'To be or not to be that is the'. Links im Hintergrund steht das neue Autidtorium maximum, ein vollverglastes Gebäude aus dem Jahr 2002.
Das Löwengebäude auf dem Unicampus in Halle wurde erst in den 1830er-Jahren errichtet Bildrechte: Uni Halle/Norbert Kaltwaßer

Vom gelehrten Leben im Elfenbeinturm kann keine Rede sein. Napoleons Kriegszug durch Europa verschont auch die Universitäten nicht. 1806 lässt der Franzose die preußische Universität in Halle schließen. Und aus dem sächsischen Wittenberg berichtet Professor Johann Gottfried Gruber 1812: "Unsere Universitätskirche ist ein Heu- und Strohmagazin, unser Großes Auditorium in einen Pferdestall metamorphosiert, und da es an Wohnungen mangelt, so werden auch die zur Miete Wohnenden mit Einquartierung belegt."

Der Professor der Historischen Hilfswissenschaften kann immerhin noch eine gewissen wissenschaftlichen Nutzen daraus ziehen.

Ethnographie kann man auf diese Weise recht anschaulich lernen, denn wir haben bereits Franzosen, Deutsche, Spanier, Portugiesen und Illyrer gehabt.

Universitätsprofessor Johann Gottfried Gruber
Universitätsgebäude mit Innenhof in Wittenberg
Der Innenhof des Leucoreagebäudes in Wittenberg Bildrechte: IMAGO

Ein Jahr später stellt die Wittenberger Uni den Unterricht ganz ein. Die meisten der Professoren flüchten aus der Festungsstadt Wittenberg nach Schmiedeberg.

Nach dem Sieg über Napoleon befiehlt Preußenkönig Friedrich Wilhelm III., die Uni Halle wieder zu eröffnen. Und in Wittenberg, da diskutieren die Professoren, ob sie weiter in einer Festungsstadt lehren wollen oder lieber die Universität verlagern. Doch die Entscheidung fällt weder in Wittenberg noch am Dresdner Hof. Wittenberg ist mit dem Wiener Kongress an Preußen gefallen.

Man erkannte wie vorzüglich nothwendig die Lage Wittenbergs dessen stärkere Befestigung machte und wie bedenklich es sey, in einer Festung von kleinerem Umfange eine Universität zu gründen.

Johann Karl Bullmann, Chronist der Universität

Mit diesen Worten rechtfertigt 1833 Johann Karl Bullmann das Vorgehen der Preußen, denen der Schutz des Elbübergangs wichtiger ist als die akademische Wiege der Reformation.

Von der Auflösung eines wissenschaftlichen Instituts, welches der ganzen protestantischen Welt werth und theuer, von welchem ein Licht ausgegangen war, das seinen wohlthätigen Einfluss auch auf Nichtprotestanten ausgeübt, war keineswegs die Rede.

Johann Karl Bullmann

Noch nicht. Aber bereits 1815 entscheidet Friedrich Wilhelm, die beiden Universitäten zu fusionieren. Die Wittenberger Bürger protestieren gegen den Verlust ihrer Leucorea:

Aus der Klasse der besten Mittelstädte Sachsens würde sie in die Kategorie der kleinen nahrungslosen Ortschaften zurückgesetzt werden.

Bürgerschaft an das Generalgouvernement des Königreichs Sachsen
Friedrich Wilhelm III.
Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) ordnete die Universitätsverschmelzung an Bildrechte: IMAGO

Die Wittenberger Professoren hingegen sind durchaus zu einem Ortswechsel bereit. Sie plädieren für "Wiederherstellung der Selbständigkeit ihrer Universität in einer anderen […] als Sitz einer Hochschule geeigneten Stadt."

Das preußische Kultusministerium lehnt ab. Man brauche neben Berlin, Breslau und Halle keine weitere Universität.

Am 12. April 1817 unterzeichnet Friedrich Wilhelm III. jene Kabinettsorder, die die Existenz der Wittenberger Universität beendet.

Ich habe […] entschieden: daß die Universität Wittenberg mit der Hallischen vereinigt werde und ihren Sitz in Halle haben soll.

Friedrich Wilhelm III.

Als Trostpflaster erhalten die Wittenberger ein Predigerseminar, Geld für die Stadtschule und eine neue "Kunststraße von Berlin nach Wittenberg". Für die Universität Halle zahlt sich die Zusammenlegung aus. Sie zählt nun zu den großen deutschen Universitäten.

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2017, 00:00 Uhr

Sendungsinformationen

Kalenderblätter bei MDR KULTUR - Das Radio

Kalenderblätter bei MDR KULTUR - Das Radio

Mo-Fr: 6:40 Uhr
Sa: 6:45 Uhr
So: 8:45 Uhr

Wiederholung:
Mo-Sa: 10:40 Uhr
So: 13:45 Uhr

die neuesten Kalenderblätter