Feuerwehrfahrzeuge stehen nach einem Brand vor dem Asylbewerberheim in Meißen.
Auch der Brandanschlag auf ein Meißner Asylbewerberheim wird im Buch thematisiert Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Sachbuch "Unter Sachsen" beim Literaturfest Meißen CDU-Stadtrat und AfD wollen Lesung verhindern

Feuerwehrfahrzeuge stehen nach einem Brand vor dem Asylbewerberheim in Meißen.
Auch der Brandanschlag auf ein Meißner Asylbewerberheim wird im Buch thematisiert Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Einige Wochen vor dem Meißner Literaturfest gibt es bereits heftige Diskussionen um eine Lesung im Rathaus der Stadt. Dort will der Tagesspiegel-Redakteur Matthias Meisner am 8. Juni das Buch "Unter Sachsen: Zwischen Wut und Willkommen" vorstellen, das er mit der Journalistin Heike Kleffner herausgegeben hat. In dem Buch werfen knapp 30 Autoren einen kritischen Blick auf den Freistaat. Thematisiert werden unter anderem der NSU, die Rechtsterroristen aus Freital, Pegida, AfD und Neonazis. Ein Kapitel handelt auch von Meißen: Der RBB-Journalist Olaf Sundermeyer befasst sich mit einem Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in der Stadt.

Stadtrat nennt das Buch "Dreck"

Stadtrat Jörg Schlechte (CDU) will die Lesung verhindern.

Dieser Dreck wird mit Sicherheit nicht in unserem Rathaus gelesen

Jörg Schlechte (CDU)

... schrieb er auf Facebook. Den Satz hat er mittlerweile wieder gelöscht, bekundet dort aber seine Freude über die entfachte Diskussion. "Diese Veranstaltung wird, wenn sie durchgeführt wird, ein Zeichen setzen", schrieb Schlechte. "Dann wird unser Ratssaal für linke und rechte Spinner offen sein." Auch Politiker von der AfD wollen die Buchvorstellung im historischen Ratssaal unterbinden, wie AfD-Mitglied Thomas Tallacker auf Facebook ankündigte. Sie sehen – genau wie Schlechte – in dem Buch, das im Ch. Links-Verlag erschien und bei dem renommierte Journalisten mitschrieben, nur "Sachsen-Bashing" und "Hetze".

Nicht die Meinung der CDU

Der Stadtverband der CDU distanziert sich von Schlechtes Aussagen. Auf Nachfrage von MDR KULTUR beteuert er, dass Schlechte nicht die Meinung der CDU vertrete. Schlechte habe sich als Privatperson geäußert. Die Entscheidung, ob das Buch gelesen wird, liege alleine beim Veranstalter.

Also beim Organisator Daniel Bahrmann. Und der stellt gegenüber MDR KULTUR klar:

Heike Kleffner, Matthias Meisner (Hg.):
Bildrechte: Ch. Links Verlag

Es ist immerhin ein kontroverses Buch, ein unbequemes Buch, aber es ist kein Buch, was man verbieten kann.

Organisator Daniel Bahrmann

Herausgeber Matthias Meisner sieht das ähnlich. In der SZ erklärte er:

Wenn die Missstände nicht mehr benannt und diskutiert werden dürfen, ist das ein Armutszeugnis – und ein Sieg für die Kritiker, die versuchen, eine Diskussion zu verhindern.

Matthias Meisner

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio : Kulturnachrichten | 24.05.2017 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2017, 08:05 Uhr