Computertastatur mit Parteienlogos
Internet und Social Media spielen eine zentrale Rolle im Bundestagswahlkampf. Bildrechte: Parteien, Colourbox, MDR

Vom Türwahlkampf über Social-Media-Spots Welche Strategien bestimmen den Wahlkampf?

Der Wahlkampf hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Zwischen Politikern und Wählern findet der Austausch nur noch eingeschränkt auf den Marktplätzen und Turnhallen der Republik statt. Stattdessen werden die Debatten in den Internetportalen, sozialen Netzwerken und den Zeitungsspalten geführt. Zudem geht es inzwischen weniger um Überzeugungsarbeit, sondern darum, die Bürger überhaupt für die Wahl zu motivieren. Wie wirkt sich das auf den Wahlkampf für die Bundestagswahl aus?

von Andrea Müller

Computertastatur mit Parteienlogos
Internet und Social Media spielen eine zentrale Rolle im Bundestagswahlkampf. Bildrechte: Parteien, Colourbox, MDR

Haustürwahlkampf kann mühsam sein. Katrin Göring-Eckardt, die Spitzenkandidatin der Grünen, hat es gerade erst in Nordrhein-Westfalen erlebt.

"Ich bin, was Haustürwahlkampf angeht, Konvertitin. Weil ich mir immer vorgestellt habe: Wie wäre das, wenn jemand bei mir klingelt, wenn ich endlich zu Hause bin?", so die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag. "Ich habe mir immer gedacht: Das mache ich nicht. Dann habe ich irgendwann damit angefangen. Und seitdem bin ich total überzeugt davon."

Zwei bis drei Minuten pro Tür

Die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt (in orange) und Cem ֖zdemir (blaues Hemd), feiern im Velodrom in Berlin mit anderen Delegierten das Ende des Grünen-Bundesparteitages (16.-18. Juni).
Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir Bildrechte: dpa

Die Grünen sind nicht allein – alle Parteien suchen den persönlichen Kontakt. Es geht nicht ums überzeugen, sondern ums mobilisieren. Die eigenen Anhänger sollen auch wirklich wählen gehen. Das ist das Ziel. Zwei bis drei Minuten pro Tür müssen deshalb reichen. Nicht viel, wirken tut es aber trotzdem, sagt Robert Heinrich, Wahlkampfmanager der Grünen:

Wenn ich an Haustür klingele und dort überzeugend vermitteln kann, warum dieses Mal die Grünen wählen, dann ist das eine Begenung, die die Leute nicht so schnell vergessen wie einen Facebook-Post, einen Tweet oder eine Werbeanzeige.

Robert Heinrich, Wahlkampfmanager der Grünen

Luftballons und Kugelschreiber reichen nicht

Luftballons, Kugelschreiber und Marktplatzstand reichen nicht, meint auch die CDU. Sie schickt zwar nicht ihre Spitzenkandidatin Angela Merkel von Haus zu Haus. Generalsekretär Peter Tauber aber geht mit gutem Beispiel voran. Tausende Ehrenamtliche und die Wahlkreiskandidaten sollen folgen  – hofft Stefan Hennewig, der Leiter der CDU-Kampagne.

Damit es besser läuft, haben einige Parteien eine App entwickelt. "Connect17" heißt sie bei der CDU. Die Haustürwahlkämpfer können eintragen wo sie waren und wo sich's lohnt. "Ich war jetzt hier in der Bahnhofstraße, dort waren alle super freundlich. Gutes Pflaster, können wir noch mal hingehen", meint Stefan Hennewig.

Soziale Medien immer wichtiger beim Wahlkampf

Trotz der neu entdeckten Volksnähe – auch Internet und soziale Medien spielen eine zentrale Rolle im Wahlkampf. Videos, Foto, knackige Botschaften – ein guter Auftritt auf Facebook oder Twitter ist Pflicht. Robert Heinrich gerät ins Schwärmen. Zum ersten Mal haben die Parteien die Chance, ohne Werbebudget Massen zu erreichen, sagt er.

Wir haben im Wahlkampf 2009 auf unserer eigenen Webseite eine Million Aufrufe. Im Jahr 2015 hatten wir allein auf Facebook – und das war nicht Wahlkampfjahr – 23 Millionen Kontakte. Das heißt, es gibt eine regelrechte Explosion der Reichweite im Netz.

Robert Heinrich, Wahlkampfmanager der Grünen

Das müssten die Parteien, so Heinrich, nutzen.

Der interaktive Schulz-Zug

Smartphone-Spiel
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Großflächige Plakate und feurige Reden reichen schon lange nicht mehr aus, um im Wahlkampf Stimmen einzufangen und das Volk zu motivieren. Andrea Müller berichtet, mit welchen Mitteln heute Wahlkampf betrieben wird.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 11.08.2017 18:05Uhr 03:26 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Grüne und SPD haben Computerfreaks zu sogenannten "Hackathons" zusammengetrommelt, um Ideen zu entwickeln, die Aufmerksamkeit erregen in der multimedialen Gemeinde. SPD-Wahlkämpfer Benjamin erzählt: "Wir haben einen interaktiven Schulz-Zug, auf den Leute auspringen und den sie auch steuern können – und der auf jeden Fall am 24. September vor dem Kanzleramt halten wird."

Der "Schulz-Zug" ist zur Zeit eher eine Lachnummer – doch an Benjamin und seinem Team hat es nicht gelegen. Eine gute Performance ist nicht alles, sagen Wahlforscher – entscheidend sind am Ende immer noch die Inhalte.

Audios zum Thema

Wahlplakate für die Bundestagswahl mit Angela Merkel und Martin Schulz
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Am 24. September 2017 wird der neue Bundestag gewählt, der Wahlkampf geht in die heiße Phase - eigentlich. Berlin-Korrespondent Matthias Reiche mit einer Analyse.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 11.08.2017 18:05Uhr 04:38 min

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Politik-Redakteurin Ellen Ehni
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Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne.
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48 Parteien treten in diesem Jahr zur Bundestagswahl an. Unter ihnen sind auch Exoten, die an der Fünf-Prozent-Hürde vorbeimüssen. Wie "die Kleinen" die großen Parteien ärgern, fasst Konstantin Kupfmüller zusammen.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 11.08.2017 18:05Uhr 05:17 min

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Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Spezial | 11.08.2017 | 18:05-19:00 Uhr

MDR KULTUR Spezial: Ist der Wahlkampf schon gelaufen?

Mit folgenden Themen:

- Keine Wechselstimmung, keine Streitthemen, kein Wahlkampf – eine Ausgangsanalyse

- Zwischen Haustürklingeln und Internet-Posts – der Wahlkampf in der Praxis

- Randparteien – wie die Kleinen die Großen ärgern und neue Akzente setzen

- Wie sicher kann sich die Kanzlerin fühlen? Gespräch mit Politikredakteurin und Umfrage-Expertin Ellen Ehni

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2017, 19:42 Uhr

Politik bei MDR KULTUR

Andrej Babis (l), gibt am 20.10.2017 in Pruhonice (Tschechien) im Rahmen der Parlamentswahl seinen Stimmzettel ab.
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Nach der Wahl in Tschechien Sanfter Populismus

Nach der Wahl in Tschechien

Andrej Babiš ist Gewinner der Wahlen in Tschechien. Für die einen ein Macher, ist der zweitreichste Mann des Landes für andere die tschechische Version von Donald Trump. Eine komplizierte Regierungsbildung steht bevor.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 23.10.2017 08:10Uhr 06:04 min

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Michael Kretschmer, Generalsekretär der CDU Sachsen
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Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich verlässt das Podium in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden
Bildrechte: dpa

Der Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tilich hat erklärt, sein Amt Anfang Dezember in jüngere Hände zu geben. Die könnten Michael Kretschmer gehören. Fragen an Werner Patzelt, TU Dresden.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 18.10.2017 17:10Uhr 06:43 min

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Federica Mogherini, Außenministerin Italiens
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