Regisseur Aaron Sorkin und die Schauspielerin Jessica Chastain während einer Pressekonferenz
Das Logo des 42. Toronto Film Festivals. Bildrechte: Getty Images

42. Toronto Film Festival Weltpremiere für Wim Wenders Film und deutsche Netflixserie

Das Filmfestival von Toronto, kurz TIFF, gilt seit einigen Jahren als Gradmesser für die Awardsaison. Das TIFF ist ein Tummelplatz für eben jene Filme, die sich Chancen auf die Oscars ausrechnen. Grund zur Freude aus deutscher Sicht: noch nie liefen in Toronto so viele Filme mit deutscher Beteiligung wie in diesem Jahr, nämlich 42. Am Wochenende hatten gleich zwei Projekte ihre große Weltpremiere – die erste deutsche Netflixproduktion "Dark“ und Wim Wenders neuer Film "Submergence".

Regisseur Aaron Sorkin und die Schauspielerin Jessica Chastain während einer Pressekonferenz
Das Logo des 42. Toronto Film Festivals. Bildrechte: Getty Images

"Das ist eine schöne Sache, weil wir sind gerade fertig geworden. Toronto ist das wichtigste Festival in Amerika", sagt Wim Wenders im Vorfeld der Premiere seines neuen Films. "Submergence" ist eine internationale Koproduktion, mit dem Briten James McAvoy und der Schwedin Alicia Vikander in den Hauptrollen hochkarätig besetzt und wurde an unterschiedlichen Orten gedreht: der französischen Atlantikküste, Dschibuti, den Faröer Inseln und in den Tiefen des Ozeans.

Die Meeresbiologin & der Geheimagent

Wim Wenders
Regisseur Wim Wenders Bildrechte: dpa

Wenders taucht nach einer Romanvorlage von J.M. Ledgard ein in die Liebesgeschichte zwischen Dani und James. Sie ist eine Meeresbiologin, er ein britischer Geheimagent. Ihre Wege kreuzen sich nur einmal in einem Hotel an der französischen Küste. Sie verbringen ein Wochenende voller Leidenschaft und gehen getrennte Wege. Sie bereitet auf einem Forschungsboot einen Einsatz in der Tiefsee vor, er wird bei einem waghalsigen Einsatz in Afrika von Dschihadisten entführt und gefoltert. Wenders versucht mit dieser globalen Geschichte eine direkte Perspektive auf den internationalen Terrorismus zu geben. "Wir versuchen halt ein bisschen, nicht diese Hauruck Position einzunehmen, mit denen das heute alles vom Tisch gewischt wird", erklärt der Regisseur im Gespräch. Mit dem Film wollte er auch andere Sichten auf den Terror einnehmen.

Gibt es überhaupt noch andere Sichten auf diesen Kriegszustand und kann man den nur mit Krieg beantworten?

Wim Wenders

Die Folterszenen sind brutal – während Vikander auf dem Schiff ist und nicht weiß, ob ihr Freund noch lebt, wird dieser übel zugerichtet. In Rückblenden lässt Wenders die intensive Liebesgeschichte Revue passieren. Aber Wenders ist zu sehr verliebt in die Schönheit seiner Hauptdarstellerin, die Kamera ruht immer wieder auf ihrem Gesicht in Großaufnahme. Die Verknüpfung der Liebesgeschichte mit den beiden Einzelschicksalen geht nicht auf. Am Ende verliert Wenders sich in seiner eigenen Metapher.

Louis Hofmann in einer Szene der Serie - Dark -
Der Schauspieler Louis Hofmann in "Dark". Bildrechte: Julia Terjung/Netflix/dpa

"Dark" - Mysterien einer deutschen Kleinstadt

Froh, ihr Werk endlich einer größeren Öffentlichkeit zeigen zu können waren auch Baran Bo Odar und Jantje Friese, Regisseur und Drehbuchautorin der ersten deutschen Netflix-Eigenproduktion "Dark"

Wir nennen es immer gerne unser Biest, es war halt einfach so wie fünf Filme machen, hintereinander ohne Pause.

Baran bo Odar, Regisseur von "Dark"

"Dark" ist eine Serie über mysteriöse Vorkommen in einer deutschen Kleinstadt. Eine Mischung aus Mystery, Crime und Familiendrama, die an "Twin Peaks", "Stranger Things" und "Stand By Me" erinnert. Die ersten beiden Folgen lassen das grobe Handlungsgerüst nur erahnen. In der Kleinstadt Winden verschwinden zwei Kinder – auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen.

Die Frage ist nicht wer hat die Kinder entführt, sondern wann

Die Dorfbewohner sind ratlos. Zwischen Nebelschwaden, die tief über den umliegenden Wäldern hängen und einem Atomkraftwerk beginnt die Suche. "Dark" besticht vor allem durch seine düstere Atmosphäre.

Eigentlich haben wir schon immer so im Kopf, wie sich das Anfühlen soll. Beim Schreiben hör ich auch ganz viel Musik und dadurch entsteht eigentlich schon recht früh so eine Welt.

Jantje Friese, Drehbuchautorin

Auch der Regisseur Baran Bo Odar geht, wie Friese erklärt, sehr visuell an die Arbeit heran. Für die düstere Atmosphäre in "Dark" habe er sich besonders von dem amerikanischen Fotografen Gregory Crewdson inspirieren lassen: Dunkel beleuchtete Bilder, einzelne Personen, die immer ein wenig verloren dastehen und natürlich das Vorstadtleben in den Fokus bringen. "Das war so ein bisschen die Atmosphäre, die wir versucht haben aufzugreifen von Anfang an", erzählt die Drehbuchautorin. Unterstützt wird das visuelle Konzept durch einen eindringlichen, bedrohlich wirkenden Soundtrack und einen herausragenden Cast um den 20-jährigen Hauptdarsteller Louis Hofmann. Die ersten beiden Folgen lassen für den Rest auf Großes hoffen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. September 2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 16:38 Uhr

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