ein alter Fußball auf dem Rasen
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LexiTV Sportler engagieren sich gegen das Vergessen

Deutsche Sportler erinnern an jüdische Sportler. Vereine wie die Initiative 1903 halten dieses Gedenken wach. Das Projekt, welches sich in Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund der Pflege und Wahrung der klassischen Werte im Fußballsport wie Teamgeist und Fairness verschrieben hat, richtetet regelmäßig kulturelle Sportveranstaltungen zur sporthistorischen Traditionspflege aus.

ein alter Fußball auf dem Rasen
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Im Fokus der Vereinsarbeit der Initiative 1903 steht neben einer im Jahr 2011 begonnen Denkmalserie zu Ehren der sechs Teilnehmer um die erste Deutsche Fußballmeisterschaft (1903) auch die Aufarbeitung der Geschichte des jüdischen Sports im Deutschen Reich.

Zum Gedenken - Traditionspiel in Leipzig

In Leipzig hat die Initiative 1903 deshalb ein ganz besonderes Sportereignis geplant. Gemeinsam mit dem Leipziger Familiennetzwerk Tüpfelhausen e.V. ist für den 10.11.2013 die Ausrichtung eines Fußballspiels zwischen einer Leipziger Repräsentativmannschaft und der Mannschaft des traditionsreichen jüdischen Fussballvereins FC Hakoah Zürich geplant. Der FC Hakoah weihte einst den Sportplatz des SK Bar Kochba Leipzig mit ein. An diesem Sonntag wird dem 1939 zwangsaufgelösten jüdischen Fußballverein SK Bar Kochba Leipzig ebenso wie den Novemberpogromen des Jahres 1938 gedacht.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Start des Erinnerungstages ist um 10.30 Uhr auf der Sportanlage der SG Rotation 1950, Delitzscher Straße 131. Dort erwarten die Besucher Buchautoren, Ansprachen, Infostände verschiedener Organisationen und die Ausstellung "Kicker, Kämpfer und Legenden" des Berliner Centrum Judaicum.

Strafstoß der Erinnerung

Gegen 12.30 Uhr erfolgt auf dem unmittelbar benachbarten ehemaligen Platz des SK Bar Kochba Leipzig vor dem letzten verbliebenen Tor des Fußballplatzes ein symbolischer "Strafstoß der Erinnerung". Dieser einst so respektable Platz ist nach Aufgabe des Sportbetriebs seit über 20 Jahren dem Verfall schutzlos ausgeliefert und inzwischen vollkommen verwittert. Dennoch finden sich etliche deutlich wahrnehmbare Spuren des jüdischen Lebens in Leipzig.

"Durch das Engagement von Freunden unserer Initiative 1903 konnten wir für diesen Tag einige Teile des Platzes wieder freilegen", sagt Sebastian Bona von der Initiative 1903. "Zudem haben sich viele Vertreter der Politik, des sächsischen Sports, des Präsidiums des Deutschen Fußballbundes und des jüdischen Gemeinwesens für diesen Tag angemeldet", erläutert Bona.

Traditionsauswahl der Initiative 1903 gegen FC Hakoah Zürich

Um 14.00 Uhr steigt dann das Highlight das Tages. Dann tritt eine gemischte Leipziger Stadtauswahl aus aktiven wie ehemaligen Spielern des 1. FC Lokomotive Leipzig, der BSG Chemie Leipzig, des 1. FC Nürnbergs (allesamt Deutsche Fußballmeister) und weiterer Teilnehmer der Traditionsauswahl der Initiative 1903 gegen den FC Hakoah Zürich an.

"Es ist derselbe Verein, der 1922 den Platz von Bar Kochba mit einem Eröffnungsspiel eingeweiht hat", freut sich Christoph David Schumacher vom Familienportal Tüpfelhausen, welches in der Kinder- und Jugendarbeit in Leipzig aktiv ist. "Gerade deswegen engagieren wir uns hier, weil der Sport Kinder und Jugendliche anhält, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und einen wichtigen Bestandteil für Integration und Akzeptanz beinhaltet", so Schumacher weiter.

Auch für Philipp Bludovsky, 1. Vorsitzenden des Netzwerks "Blau-Gelb" e.V, ist das Projekt sehr wichtig, "Wir unterstützen die Fußballförderung in Leipzig, weswegen wir organisatorisch natürlich bei diesem Projekt dabei sind. Es ist ein tolles Projekt der Sporthistorie für Leipzig".

Unterstützt wird das Projekt darüber hinaus vom Bundesministerium des Innern, der SG Rotation 1950 e.V. und vielen ehrenamtlichen Helfer aus dem Umfeld des Traditions-Fußballs in Leipzig.

Initiative 1903 Am 11. November 2010 gründete sich die Initiative 1903. Sie beschreibt einen Verbund von Freunden der Tradition im Fußballsport. Die Mitstreiter verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet und sogar bis nach Böhmen. Der Kern der Initiative 1903 besteht aus ihrem Leiter Sebastian Bona (29) und Holger Böttcher (51).

Das Projekt trägt durch verschiedenste Aktionen dazu bei, ein Gespür für die historischen Werte des Fußballs zu entwickeln und traditionelle Ereignisse gebührend zu würdigen.

Zunächst sollen mittels externer Förderleistungen zu Ehren aller sechs Teilnehmervereine der ersten Deutschen Meisterschaftsendrunde an deren historischen Sportstätten (Hamburg, Leipzig, Magdeburg, Prag, Berlin, Karlsruhe) Denkmäler, so genannte „Pilgersteine“, errichtet werden. Drei existieren bereits.

Weiterhin gründete die Initiative 1903 eine bundesweite Traditionsmannschaft. Diese setzt sich zusammen aus Profis und Anhängern der Fußballhistorie, die in traditioneller Zunft sternfahrtähnlich zu einzelnen Aktivitäten im Rahmen caritativer Veranstaltungen zusammen kommen.

Ferner unterstützt die Initiative 1903 die Aufarbeitung des Leipziger Fußballs mit dem Ziel der Einrichtung eines Leipziger Fußballmuseums, welches alle Traditionsfußballvereine des Leipziger Raums beherbergen soll.

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2013, 16:59 Uhr