LexiTV : Tragische Entwicklungshilfe
Brüssel im Mai 1999: In einem Restaurant mit kongolesischer Küche fragt ein verdeckt recherchierender Reporter, ob es Affenfleisch gäbe. Keine fünfundvierzig Minuten später hat er das Fleisch auf dem Teller. Der Journalist schickt es zur Analyse - Ergebnis: Teile von Ellbogen und Unterarm eines Primaten; Schrotkugeln steckten noch in Fleisch und Knochen.
Tausende Menschenaffen werden jährlich von Wilderern getötet. Der florierende Handel mit Bushmeat (Buschfleisch) ist für die bedrohten Gorillas, Schimpansen und Bonobos zur Zeit die größte Gefahr. Ganze Familien werden getötet und ihr Fleisch auf einheimischen Märkten angeboten oder exportiert - auch nach Europa.
An der Elfenbeinküste wird Schätzungen zufolge jährlich Fleisch im Wert von 150 Millionen US-Dollar verschifft. Wildtiere waren immer schon Teil des Speiseplans der lokalen Bevölkerung und dienten als Tauschware. Früher jagte man nur zur Selbstversorgung in dichten, unerschlossenen Wäldern, in denen die Tiere Schutz finden konnten. Seit 1900 hat sich die afrikanische Bevölkerungszahl allerdings verachtfacht - die Versorgungslage hat sich verschärft. Klassische Viehzucht, wie wir sie kennen, ist in vielen Regionen aus klimatischen oder finanziellen Gründen gar nicht möglich.
Tief hinein in den schützenden Urwald
In den vergangenen Jahrzehnten sind auch die letzten Rückzugsgebiete der Tiere zugänglich geworden. Die dramatische Zunahme des Wildhandels wird durch die Gebiets-Erschließung der Holzkonzerne und Minengesellschaften begünstigt. Um das Holz mit Lastern aus dem Urwald befördern zu können, werden Schneisen geschlagen und Pisten ausgebaut. Breite Straßen führen tief hinein in die letzten Winkel des Regenwaldes.
Mitverantwortlich für das Eindringen in den Urwald sind auch die Europäische Union und die Weltbank. Sie finanzieren Straßenbauprojekte, die an geschützten Reservaten vorbeiführen, und bringen die Wilderer damit überall hin.
Freie Bahn für Wilderer
So trägt die europäische Entwicklungshilfe auf tragische Weise zur Ausweitung des illegalen Buschfleischhandels bei. Die neuen Wegenetze sind ideal für die illegale Jagd. Wilderer sind entweder Mitarbeiter der Holzfirmen, die sich mit dem Buschfleischhandel ihre Hungerlöhne aufbessern - oder einheimische Jäger und Händler.
Der Handel mit dem Bushmeat bedeutet schnelles Geld und Wilderer haben kaum strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten: Zwar sind viele betroffene Arten durch nationale und internationale Gesetze geschützt, doch es mangelt an deren Umsetzung. Bei Kontrollen genügt Bestechungsgeld.
In Sicherheit
Meist sind Tierschützer machtlos gegen Wilderer, die des Fleisches wegen Primatenmütter töten und deren Nachkömmlinge verschleppen, um sie als Haustiere zu verkaufen. Nur manchmal gelingt es den Aktivisten, Wilderer zu stellen und die Tiere zu befreien. Die jungen Affen, die sie vorfinden, sind oft verwahrlost, unterernährt und verwirrt.
Ein Ort, an dem die Primaten von Tierärzten versorgt werden und anschließend in Sicherheit unter Artgenossen leben können, ist das Limbe Wildlife Center in Kamerun. Fünfzehn Gorillas, fünfzig Schimpansen und einige andere Affenarten sind hier zu Hause.
Hinzu kommen Vögel wie Eulen und Papageien sowie verschiedene Reptilien. Die meisten Nichtprimaten sind aber nur vorübergehend im Wildlife Center; sie werden schnellstmöglich wieder in die Wildnis entlassen.
Neben dem Artenschutz verschreibt sich das Zentrum auch der Bildung und empfängt im Jahr rund vierzigtausend Besucher.
Der Handel mit Buschfleisch
Seit den 1990er Jahren nimmt der Handel mit dem Fleisch bedrohter Tierarten rapide zu. In vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara stellt der Verzehr von Wild die größte Bedrohung der Arten dar.
Jedes Jahr werden schätzungsweise über eine Million Tonnen Fleisch aus den tropischen Wäldern gehandelt. Neben dem Fleisch der Gorillas sind Waldelefanten, Paviane und Schimpansen begehrte Fleischlieferanten.
Gefährlich ist der Konsum des Fleisches auch für den Menschen: Affenfleisch ist anfällig für tödliche Krankheitserreger wie Ebola oder SIV/HIV.
Seit Jahren kämpfen Tierschutzorganisationen und die Artenschutzkonferenz (CITES) für schärfere Kontrollen und gegen Korruption.
