Saunautensilien für den Aufguss
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LexiTV | 22.01.2016 | 15:00 Uhr Die Schwitzkultur - Sauna, Banja und Hamam

Saunieren tut gesunden Menschen gut - das ist wohl unstreitig. Doch was passiert im Körper ganz genau, wenn man sich minutenlang in 90°C heißer Luft aufhält? LexiTV geht in dieser Ausgabe den gesundheitlichen Aspekten des Saunierens auf den Grund. Außerdem in der Sendung: Aufguss beim deutschen Meister, warum ein junger Thüringer als einer der besten Saunameister der Welt gilt. Darüber hinaus gibt es Tipps für den Saunabau im eigenen Haus und einen Blick auf die Schwitzkultur in anderen Ländern. Spannend ist auch die Geschichte einer geheimen Privatsauna, in der viele Jahre lang Weltpolitik gemacht wurde. Zu finden ist sie in Finnland, wo der Gang in die Sauna untrennnbarer Bestandteil von Alltagskultur und gesellschaftlichem Leben ist.

Saunautensilien für den Aufguss
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Ein Leben ohne Sauna ist in Finnland kaum vorstellbar: Auf fünf Millionen Einwohner kommen um die anderthalb Millionen Saunen. Die heißen Dampfbäder sind fest in das gesellschaftliche Leben der Finnen integriert. Für sie ist der Sauna-Dampf der Quell alles Guten: er sorgt für Erfrischung, Vergnügen und befreit die Menschen von der Müdigkeit.

Quell alles Guten

Am Anfang war - die Badestube. In Finnland ist es bis heute Tradition, beim Bau eines neuen Hauses mit der Sauna zu beginnen. Sie ist elementarer Bestandteil der finnischen Kultur, dient dort seit Jahrhunderten der Entspannung und der Reinigung des Körpers. Zeitweise wurde die Sauna gar zum Trocknen des Getreides und zum Wohnen genutzt.

364mal im Jahr

Dabei ist die Sauna - der finnische Exportschlager schlechthin - keine Erfindung der schweigsamen Skandinavier. Das Baden im heißen Raum war ursprünglich eine Sitte osteuropäischer Bauern und gelangte vor rund anderthalbtausend Jahren in den kalten Norden. Dort gehört es seitdem zum Leben der Menschen - ob auf dem Lande oder in der Stadt. So wird von Finnen berichtet, die fast ihr ganzes Leben an jedem Werktagabend saunierten, manche sogar 364 mal im Jahr - nur am Abend des ersten Weihnachtstages sollen sie sich eine Pause gegönnt haben.

Inbegriff der Sauberkeit

Die Sauna ersetzte lange Zeit die eigentliche Badestube; sie war der einzige Raum, in dem es heißes Wasser gab. Für die Finnen ist die "Schwitzstube", wie das Wort Sauna übersetzt heißt, Inbegriff der Sauberkeit. Über die Jahrhunderte soll sie der Raum gewesen sein, in dem Mütter ihre Kinder zur Welt brachten. Noch heute ist es in Finnland üblich, schon Babys mit in die Sauna zu nehmen.

Sauna mit Kopfstütze, Eimer für den Aufguss und Besucherin.
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Schlechtes beseitigen

Der Dampf der Sauna ist für die Finnen der Quell alles Guten. Seit jeher soll er helfen, alles am Körper haften gebliebene Schlechte zu beseitigen, Krankheiten zu heilen, Sorgen zu zerstreuen. So dienten Saunabesuche der Erfrischung und dem Vergnügen und befreiten die Menschen von der Müdigkeit. Finnische Bauern berichteten Ende des 18. Jahrhunderts einem ziemlich verwunderten italienischen Reisenden, dass sie ohne ihre Bäder die schwere Arbeit nicht aushalten würden; rascher als Schlaf erneuere die Sauna ihre Kräfte.

Entscheidender Nachteil

Dass das Saunabad allerdings dazu diene, den Körper von Schmutz zu reinigen, wurde schon zu früheren Zeiten bezweifelt. Denn die typische finnische Rauchsauna hat einen entscheidenden Nachteil: Man kommt aus ihr häufig schmutziger heraus, als man hinein gegangen ist. Und danach, so die Vorwürfe der Kritiker, zögen die Menschen auch noch - ohne sich vorher abzutrocknen - auf die nasse Haut ein schmutziges Hemd an!

Kein Platz für Unsittliches

Dieses Problem hat sich mittlerweile erledigt, weil sich auch die finnische Sauna im letzten Jahrhundert stark veränderte. So ist es heute dort beispielsweise unüblich, gemischt zu saunieren, ganz im Unterschied zu früheren Zeiten: Egal, ob in den Saunen der Bauerngehöfte oder in den Badestuben der Städte - eine strenge Geschlechtertrennung gab es damals nicht. Man sah die Sittlichkeit nicht in Gefahr, da die Sauna ein heiliger Ort war, wo Unsittliches gar nicht erst aufkommen konnte.

Nicht fluchen, grölen oder singen

Die Menschen glaubten, dass in der Sauna ein guter Geist wohne, der so lange niemanden störe, wie die in der Badestube vorgeschriebenen Regeln eingehalten würden: nicht streiten, nicht fluchen, den Namen Gottes nicht nennen, nichts Zotiges sprechen, nicht grölen, nicht singen und sich auch sonst nicht laut benehmen.

Sauna heißt Leben

Mögen wir auch manchmal schmunzeln über die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Finnen ihrem wohl wichtigsten Kulturgut widmen - sie selbst empfinden es als etwas ganz Selbstverständliches. Kaum ein Finne wird sich allzu große Gedanken darüber machen, welchen Einfluss die Sauna auf die finnische Identität hat. Und warum auch: Sauna gehört hier einfach zum Leben.

Das Saunieren Beim Saunieren erhöht sich die normale Körpertemperatur um ein, zwei Grad, die Haut erwärmt sich um drei bis zehn Grad. Der Vorgang ist vergleichbar mit Fieber: Krankheitserreger werden zerstört, die Blutgefäße weiten sich, so dass die doppelte Menge an Blut hindurch fließen kann.

Bei zwei Saunagängen verliert der Körper fast einen Liter Schweiß. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, reichert der Körper Wasser im Gewebe an. In der Folge lösen sich Schlackenstoffe aus dem Fettgewebe und werden mit dem Urin ausgeschieden.

Das Herz wird durch die erweiterten Arterien besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die eingeatmete heiße Luft hilft, die Schleimhäute besser zu durchbluten.

Zudem erhöht sich das Fassungsvermögen der Lunge durch die muskelentspannende Wirkung der Sauna, das Durchatmen fällt erheblich leichter.

Regelmäßige Saunagänge härten gegen Wetterfühligkeit ab. Unsere Muskulatur wird auf Wärme-Kälte-Reize trainiert und reagiert schneller bei plötzlichen Temperaturwechseln.

Neben den positiven physiologischen Effekten haben Saunabäder vor allem auch wohltuende Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden.

Die Rauchsauna Bei der Rauchsauna, finnisch: Savusauna, handelt es sich um die älteste Form des finnischen Dampfbades. Der Ofen steht hier frei im Raum und hat keinen Schornstein. Deshalb zieht der Rauch durch die aufgeschichteten Steine ab, bewegt sich dann an Wänden und Decke entlang und schließlich durch eine kleine Luke ins Freie.

Mehrere Stunden dauert das Beheizen, oft muss Holz nachgelegt werden. Erst wenn das Feuer erloschen, der Rauch vollständig abgezogen ist, beginnt das Baden.

Allerdings sind die Innenwände noch rußig, so dass die Bänke mit Tüchern abgedeckt werden. Heute sind Savusaunen in Finnland eine Seltenheit, nur noch jede hundertste Sauna wird auf diese Art und Weise beheizt.

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2016, 21:04 Uhr