LexiTV

LexiTV kommt in die Schule - ein Erfahrungsbericht

von Ekkehard Muntschick

ein Schulklasse

"Du machst das schon!"- dieser Satz klang mir noch in den Ohren, als ich das Büro meines Redaktionsleiters nach einem ersten Gespräch über ein gemeinsames Schulprojekt von MDR und dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur verließ. Gemacht hatte ich im MDR schon viele Dinge – quer durch alle Medien. Doch dieses Angebot hier war etwas völlig Neues. Thüringer Schüler im Rahmen des integrativen Kurses Medienkunde praxisnah zu unterrichten, war eine Herausforderung. Nun gut, ich hätte einfach „Nein“ sagen können. Doch der Reiz des Neuen und Unbekannten überwog und so sagte ich nach kurzer Bedenkzeit: "O.K. - ich mach’s!".

Viele Fragen drängten sich auf: Was wird mich in den Schulen erwarten? Wie reagiert die Produktion auf die sich ändernden Abläufe? Was halten Redakteurs- und Autorenkollegen von den neuen Ideen und Themenvorschlägen der Schüler? Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Überraschend schnell gewann das Projekt Konturen. MDR und das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur stellten die nötigen schul- und medienpolitischen Weichen und schon bald fanden sich interessierte Lehrerinnen, Lehrer und Schulklassen, die unser Wissensmagazin LexiTV kennen lernen wollten.

Das Erfurter Heinrich-Hertz Gymnasium im Plattenbauviertel Roter Berg ist die erste Schule, die ich in meiner neuen Funktion als Medienpädagoge besuche. Ein Termin war schnell gefunden und eine Doppelstunde für LexiTV reserviert. Schon stehe ich mit weichen Knien vor "meiner" ersten Schulklasse, der 7/1. So muss sich wohl auch ein Lehramtsanwärter zu Beginn des Referendariats fühlen. Eine kurze Vorstellung durch Klassenleiterin Frau Eberhard - dann bin ich dran. Über zwanzig Augenpaare richten sich neugierig auf mich.

Ich besinne mich auf den alten Journalistengrundsatz "Wer fragt, der führt!". Mit der Frage "Wer von Euch hat denn schon mal Erfahrungen mit dem Fernsehen gemacht?" bricht schnell das Eis. Viele waren schon beim KIKA zu Besuch oder hatten Erfahrungen mit EB-Teams des Thüringen-Journals. So kommen wir gut ins Gespräch und die Überleitung zu der Frage, wie viele Leute bei LexiTV mitarbeiten und was die so alles tun, fällt mir leicht. Über die verschiedenen Gewerke lässt sich gut vermitteln, was technologisch nötig ist, um zum Gelingen einer TV-Produktion beizutragen.

Viele Fremdworte gilt es zu erklären, nicht jeder kennt einen Pantographen, weiß, wie ein Bluescreen funktioniert oder was genau ein Producer alles so tut. Nun ist die erste Scheu überwunden, prasseln die Fragen der Schüler auf mich ein: Wie teuer ist eine Kamera? Wie kommt man zum Fernsehen? Und: Wer denkt sich das Sendethema eigentlich aus? Nach vielen Antworten registriere ich erleichtert das Pausenklingeln. Über zwanzig verschiedene Berufe stehen zwischenzeitlich tabellarisch sortiert nach den Bereichen Studio, Regie und MAZ–Technik an der Tafel. Zeit zum Durchatmen und für eine Tasse Kaffee mit der Klassenleiterin im Lehrerzimmer.

Wir besprechen die Einzelheiten für den Studiobesuch und Frau Eberhard berichtet mir über das spannende Elefanten-Projekt ihrer Klasse. Ich mache mir Notizen - vielleicht bietet es eine Anregung für einen interessanten LexiTV-Beitrag. Schon klingelt es wieder und es geht weiter. Berufswege beim Fernsehen sind unser nächstes Thema. Die Schüler sind fasziniert von der Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten, machen sich eifrig Notizen und fragen nach. Deutlich stiller wird es, als es um das öffentlich-rechtliche System geht. Was die Abkürzung ARD bedeutet, kann keiner beantworten. Nach dem klar geworden ist, dass A für Arbeitsgemeinschaft steht, ist das Prinzip der ARD-Familie mit den verschiedenen Landesrundfunkanstalten schnell erklärt und verstanden.

Auch der Unterschied zwischen gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichem Qualitätsfernsehen und werbefinanzierten Privatfernsehen ist nur wenigen Schülerinnen und Schülern klar. Es braucht Zeit und Geduld, Pro und Contra der verschiedenen Systeme für die Schüler fassbar zu machen. Die Zeit vergeht im Flug. Ein kurzer Film über LexiTV macht den Abschluss, ich verabschiede mich von der Klasse. Die Schüler klatschen spontan, freuen sich auf den Studiobesuch. Es hat funktioniert. Heiser, aber glücklich mache ich mich auf den Heimweg nach Leipzig. Auf der Rückfahrt klingelt mein Handy. Ein Lehrer interessiert sich für LexiTV und möchte mit mir recht bald einen Besuchstermin vereinbaren. Das neue Projekt ist ins Laufen gekommen.

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2010, 12:47 Uhr

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