Geografie

LexiTV | 12.07.2012 | 06:05 Uhr : Südsee

Die Inselwelt des südwestlichen Pazifischen Ozeans umfasst mehrere Millionen Quadratkilometer. Der größte Teil der Fläche davon ist Wasser. Die vielen Inseln gelten für Reisende als Traumziele mit traumhaft schöner Landschaft, reicher Kultur und spannender Geschichte.

Palmenstrand

Im Jahre 1513 erblickte Vasco Núñez de Balboa, spanischer Entdecker und Konquistador, als erster Europäer den Pazifischen Ozean und gab ihm den Namen Mar del sur. Das "südliche Meer" ist heute auch bekannt als Südsee, ein Begriff, der häufig als Synonym für Polynesien (griechisch "viele Inseln") verwendet wird. Die Region ist eines der größten zusammenhängenden Siedlungsgebiete der Erde. Mit seinen über tausend Inseln und Inselgruppen erstreckt sich Polynesien von den Hawaii-Inseln im Norden nach Neuseeland im Südwesten und der Osterinsel im Südosten.

Folgen der Kolonisierung

Von den sechs Millionen Einwohnern sind nur eine Million ursprünglich polynesischer Abstammung. Auf Hawaii etwa beträgt ihr Anteil gerade noch 6,5 Prozent, während sie auf Tonga mit 98 Prozent noch immer in der absoluten Mehrheit sind. Nach der Entdeckung durch die Europäer Ende des 18. Jahrhunderts und der Kolonisierung durch europäische Mächte und die USA kamen fremde Siedler, aber auch asiatische Wanderarbeiter und Sklaven in die einst abgelegene Region. Für die Ureinwohner hatte das verhängnisvolle Folgen. Die Fremden erbeuteten nämlich nicht nur Rohstoffe und Lebensraum, sie brachten auch etwas mit: Infektionskrankheiten rafften in kürzester Zeit einen Großteil der Insulaner hin.

Versinkende Atolle

Die Meeresfläche des Polynesischen Dreiecks beträgt rund fünfzig Millionen Quadratkilometer. Alle polynesischen Inseln zusammen haben eine Landfläche von knapp 300.000 Quadratkilometern (das entspricht etwa der Größe Deutschlands ohne Niedersachsen). Außer Neuseeland sind alle Inseln vulkanischen Ursprungs. Im Laufe der Erdgeschichte bildeten sich im Südpazifik so hunderte kleiner und kleinster Koralleninseln, meist in Form von Atollen. Derartige Inseln erheben sich oft nur wenige Meter über den Meeresspiegel. Klimaexperten warnen, dass sich einige Atolle wegen des steigenden Meeresspiegels im Zuge der Erderwärmung künftig nicht mehr für menschliche Besiedlung eignen werden.

Südsee
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Besuch auf der Südseeinsel Tonga

Das Südseekönigreich Tonga wurde nie von Europäern kolonisiert. Deshalb haben sich auf den Inseln viele kulturelle Traditionen der Ureinwohner gehalten.

12.07.2012, 06:05 Uhr | 03:16 min

Individuelle Unterschiede

Auf den Inselgruppen, welche oft tausende Kilometer voneinander entfernt liegen, entstanden je nach Einfluss der fremden Mächte mehr oder weniger wirtschaftlich und politisch hoch entwickelte Gesellschaften. Während in manchen Regionen hinsichtlich Bildung und Kultur heute westliche Standards gelten, pflegen die Bewohner anderer Inseln nach wie vor seit Jahrtausenden überlieferte ökonomische, kulturelle und gesellschaftliche Praktiken.

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2011, 15:26 Uhr

Meuterei auf der Bounty

Die Bounty verließ im Dezember 1787 unter dem Kommando von Leutnant William Bligh England. Ab Oktober 1788 verbrachte die Crew fünf Monate auf Tahiti, um Brotbaumsetzlinge aufzunehmen - während des ausgedehnten Landgangs begann die Disziplin zu verfallen. Zurück auf dem Schiff, geriet Bligh mehrmals mit dem Zweiten Offizier Fletcher Christian aneinander. Nach einer durchzechten Nacht und mit Rückhalt mehrerer Matrosen, ließ Christian seinen Vorgesetzten am 28. April 1789 fesseln und setzte ihn in der Barkasse des Schiffes aus.

18 Mann weigerten sich, auf der Bounty zu bleiben, und begleiteten Bligh. Der Leutnant, ein ausgezeichneter Navigator, segelte das Beiboot in 48 Tagen 5.800 Kilometer nach Timor und kehrte von dort nach England zurück. Bligh wurde später Gouverneur in New South Wales in Australien und erreichte den Rang eines Vizeadmirals.

Schon zu Lebzeiten hatte Bligh mit einem schlechten Ruf zu kämpfen: Verwandte der Bounty-Meuterer, allen voran Fletcher Christians Bruder Edward, stellten ihn als knauserigen, grausamen und tyrannischen Kommandanten hin - eine Darstellung, die im Nachhall der französischen Revolution die Meuterei in den Augen vieler sogar legitimierte. Die historische Forschung jedoch zeichnet ein anderes Bild von Kommandant Bligh. Er habe viel seltener zu drastischen Strafen wie Auspeitschen gegriffen, als es in der Navy damals üblich war, und sich sehr um das Wohlergehen seiner Leute gekümmert. Als Beleg dafür lässt sich die wochenlange Reise im Beiboot anführen: Lediglich ein Insasse kam bei einem Scharmützel mit Einheimischen auf der Insel Tofua um. Alle anderen erreichten unter William Blighs Führung - trotz Stürmen und knapper Vorräte - Timor lebend.

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